Champions League - FC Bayern: Laute Kritik für die Schlafmützen

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge verschärft den Ton! Die Stimmung ist bei den Münchnern nach dem Dusel-Remis in Valencia gedämpft - trotz des Einzugs ins Achtelfinale steckt der Verein in der "Micro"-Krise. Philipp Lahm, Thomas Müller und Mario Gomez machen auf Defizite aufmerksam.

Der Applaus der geladenen VIP-Gäste und Sponsoren fiel verhalten aus, als die Spieler den Bankettsaal betraten - gegen 23:45 Uhr im Teamhotel des FC Bayern in Valencia.

Das Buffett war reichhaltig wie immer, gespickt mit spanischen Spezialitäten, das Bier vom Sponsor an der Theke kühl und frisch. Dennoch: Nach dem 1:1 (0:0) im Estadio Mestalla war die Stimmung in der Nacht zum Mittwoch etwas gedämpft.

Klar, das Erreichen des Achtelfinales in der Champions League ist sicher, doch der ersehnte Gruppensieg ist es noch nicht. Dazu fehlte einiges gegen bissige Gastgeber, die nach dem Brutalo-Foul von Antonio Barragan zudem ab der 33. Minute zu zehnt agiert und durch den abgefälschten Treffer des überragenden Sofiane Feghouli (77.) sogar geführt hatten.

Rummenigge spricht Klartext

Schon am Samstag gegen Nürnberg war es dem Bundesliga-Spitzenreiter nicht gelungen, in Überzahl über ein 1:1 hinauszukommen. Zwei Pflichtspiele in Serie ohne Sieg gab es für die Bayern in dieser Saison bisher nicht - Grund für eine "Micro"-Krise?

In seiner Rede legte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge den Finger in die Wunde. Es passte ins Bild, dass sein Mikrofon dabei ständig aussetzte. Als er etwas zum Spiel sagen wollte, herrschte plötzlich Stille. Auch bei ihm lief es nicht rund. "Mir haben die letzten zwei Spiele nicht gefallen", war dann doch noch vernehmen. Und er verschärfte den Ton:

"Wir müssen aufwachen! Wir müssen den Schalter umlegen und ein Stück zulegen! In der nächsten Woche müssen wir alles in die Waagschale werfen, damit wir verhindern, dass uns so etwas passiert wie in der vergangenen Saison!"

Damals folgte nach ebenfalls überragendem Start ein Einbruch, Borussia Dortmund trumpfte auf und wurde schließlich Meister. Jetzt bangen die Bayern wieder um ihren Vorsprung. Am Samstag kommt Hannover, dann geht es nach Freiburg, ehe der Showdown gegen den BVB und das wichtige Heimspiel in der "Königsklasse" gegen Borissow anstehen.

Sammer winkt nur ab

"Die Dinge regeln sich nicht von selbst", warnte Rummenigge die Spieler vor Lässigkeit. Sportvorstand Matthias Sammer, ansonsten zuständig fürs Mahnen und Meckern, sparte sich in Valencia indes jeglichen öffentlichen Kommentar. Doch auch gerade in ihm dürfte es gebrodelt haben.

Seine Analyse wird ähnlich schonungslos wie die von Rummenigge ausfallen, zu offensichtlich waren die Fehler, die die Bayern begingen. Egal, was die Gäste am Dienstagabend versuchten, sie trafen letztlich die falsche Entscheidung. Ging Franck Ribéry ins Dribbling, wäre ein Pass besser gewesen, hätte Bastian Schweinsteiger das Spiel beschleunigen müssen, hielt er den Ball. Das Mittelfeld wurde von Valencia zugestellt, die Bayern bewegten sich in einem Trott statt im Vollsprint. "Der Mix hat nicht gestimmt", bestätigte Kapitän Philipp Lahm auf Nachfrage von eurosport.yahoo.de.

Selbstkritik bei Gomez und Müller

Auch der eingewechselte Mario Gomez, der sein Comeback gefeiert und die Vorlage zum Ausgleichstor von Thomas Müller (82.) geliefert hatte, war im Gespräch mit eurosport.yahoo.de nicht zufrieden: "Ich hätte gerne nicht gespielt, wenn wir stattdessen gewonnen hätten. Den Tausch hätte ich akzeptiert. Valencia hat spielstarke Akteure, die den Ball in den eigenen Reihen halten können, wir haben es nicht so gut gemacht. Am Ende war es ein gerechtes Unentschieden", bilanzierte er.

Torschütze Müller zeigte sich ebenfalls selbstkritisch. "Das war grundsätzlich kein Spiel, für das wir uns feiern können. Es ist sehr ärgerlich, dass wir nicht gewonnen haben. Wir spielen 60 Minuten in Überzahl und sind kurz vor Ende 0:1 hinten."

Durch seinen Treffer kamen die Münchner mit einem blauen Auge davon. Es könnte ein Warnschuss zur rechten Zeit gewesen sein. Wird dieser nicht erhört, wird die "Micro"-Krise schnell zur echten Krise.

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