Bundesliga - Die Zeitbombe Robben tickt

Er wollte spielen, spielen, spielen. Doch gegen Stuttgart spielte der Bayern-Star lediglich keine Rolle. Dem Rekordmeister droht ein Konflikt.

Sein Gesicht sprach Bände. Es arbeitete in ihm.

Anstatt sich für seine Teamkollegen zu freuen, lehnte Arjen Robben am Sonntag in der Mercedes-Benz-Arena in der zweiten Halbzeit mit verschränkten Armen an der Bande hinter dem Tor von Manuel Neuer.

Physio-Trainer Marcelo Martins, der aufgrund seiner lockeren und sympathischen Art beim FC Bayern einen hervorragenden Draht zu den Spielern pflegt, redete noch auf ihn ein.

Zu diesem Zeitpunkt stand fest: Der Niederländer wird gegen den VfB Stuttgart nicht mehr eingesetzt. Das 2:0 durch Tore von Mario Mandzukic (50.) und Thomas Müller (72.) brachte der Rekordmeister auch ohne den Superstar über die Bühne.

Die Zeitbombe ist aktiviert und kaum einer, der weiß, wie Robben tickt, würde sich wundern, wenn sie in Kürze explodiert. Schon am vergangenen Wochenende hatte der 29-Jährige gegenüber eurosport.yahoo.de vehement einen Stammplatz gefordert: "Ich hoffe, dass ich schnell wieder von Anfang an spiele. Das ist das, was ich brauche. Am Ende ist es das Wichtigste, in der Startelf zu stehen und ein Spiel durchzumachen", hatte er betont.

"Das Momentum spricht gegen ihn"

Robben ist ehrgeizig und er ist es gewohnt, gebraucht zu werden, wenn er - wie jetzt - komplett fit ist. Der Begriff Ersatzspieler war und ist seit jeher ein Fremdwort für ihn. Und es wurmt ihn enorm, dass er sich genau jetzt damit befassen muss. Denn Trainer Jupp Heynckes sieht keine Veranlassung auf dem rechten Flügel zu wechseln, zumal sich Robbens Hauptkonkurrent Müller in prächtiger Form befindet.

Sportvorstand Matthias Sammer sieht das ebenso: "Robben war in der Hinserie lange verletzt, hat dann sehr gut trainiert und ist auch jetzt in einer sehr guten Verfassung. Aber das Momentum spricht aktuell gegen ihn. Die anderen haben ein bisschen Vorsprung, sie haben das gut gemacht", konstatierte der 45-Jährige bei "Sky".

Gomez muss bittere Pille schlucken

Mario Gomez, Jerome Boateng und Claudio Pizarro müssen ihre Person ebenfalls in den Dienst der Mannschaft stellen. Im Sturm regiert Mandzukic und untermauert dies mit Toren und Vorlagen. In der Innenverteidigung bekommt Daniel van Buyten Spielpraxis, um in der Champions League gegen Arsenal London auf der Höhe zu sein. Denn dort ist Boateng gesperrt.

Es müsse nicht jeder "Halleluja!" schreien, sagt Sammer, "aber ich möchte überhaupt nicht erleben, dass jetzt Egoismen eintreten und völlig unnötigen Diskussionsstoff bringen. Am Ende des Tages werden, wenn wir einen Pokal gewinnen, diesen ALLE in den Händen halten. Wir lassen nicht einmal den Ansatz von Egoismen zu!"

Heynckes bleibt eisern

Auch Trainer Jupp Heynckes fährt eine klare Linie: "Ich verstehe die Spieler, wenn sie unzufrieden sind. Aber das spielt keine Rolle, sie müssen das akzeptieren. Ich entscheide und ich werde diese Entscheidungen auch nicht mehr erklären."

In seinem letzten Jahr als Trainer in München ordnet er alles dem Erfolg unter. Warum sollte er etwas ändern, wenn es läuft?

Daran gibt es immerhin keinen Zweifel. Zwar wird es - vor allem in der "Königsklasse" - noch richtig ernst, aber in der Liga zieht der Spitzenreiter einsam seine Kreise, elf Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen sagen alles.

"Die Saison wird noch so schwierig, wir werden jeden Spieler brauchen", hebt Sammer hervor.

Robben wird demnach nichts anderes übrig bleiben, als sich zu gedulden - auch wenn er am liebsten explodieren würde.

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