Bundesliga - Wolfsburg verpasst Befreiungsschlag

Der VfL Wolfsburg hat die Chance verpasst, sich etwas Luft im Tabellenkeller der Bundesliga zu verschaffen. Das Team von Lorenz-Günther Köstner kam im Nordderby mit dem Hamburger SV zum Abschluss des 15. Spieltags nur einem 1:1 (0:1). Maximilian Beister hatte die Gäste von der Elbe in der 26. Minute in Führung gebracht, Simon Kjaer (68.) erzielte für bedingungslos stürmende "Wölfe" den Ausgleich.

Die Lehren:

Hamburg kam besser aus den Startlöchern und erspielte sich schnell ein Übergewicht, konnte dieses jedoch nicht in hochkarätige Torchancen ummünzen. Wolfsburg fand nur bei Standards statt, aber ließ diese fahrlässig liegen. Mit dem Führungstreffer durch Beister belohnte sich die Mannschaft von Thorsten Fink für ein konzentriertes Spiel.

Kurz vor der Halbzeit hatte der starke Milan Badelj die Möglichkeit auf 2:0 zu erhöhen, verzog jedoch aus spitzem Winkel. Nach Wiederanpfiff fand Wolfsburg besser ins Spiel, Hamburg zog sich zurück und überließ den Gastgebern die Initiative.

Viel lief bei den "Wölfen" über die rechte Seite, Vieirinha und der in der Defensive kaum geforderte Fagner zogen immer wieder auf die Grundlinie und sorgten von dort für Gefahr. Nach dem Ausgleich erhöhten die Hausherren weiter das Tempo und drängten den HSV in der Schlussphase tief in die eigene Hälfte, belohnten sich aber nicht für einen starken zweiten Durchgang.

In der Summe ist das Unentschieden gerecht, obwohl sich Hamburg nicht über eine späte Niederlage hätte beschweren dürfen. Nach dem Ausgleich fehlte es den Norddeutschen an Entlastung, so spielte sich die Schlussphase fast ausschließlich vor René Adler ab.

Durch die Punkteteilung treten beide Mannschaften weiter auf der Stelle. Wolfsburg konnte die deutliche Pleite der Hoffenheimer nicht nutzen und verpasste es, den Vorsprung auf den Relegationsplatz auf sechs Punkte auszubauen. Hamburg misslang es, nach Punkten mit denen auf einem Europa-League-Platz liegenden Mainzern gleichzuziehen.

Die Stimmen:

Marcel Schäfer (VfL Wolfsburg): "Es ist bitter, aus dieser Woche mit drei Spielen nur zwei Punkte zu holen. Obwohl wir eigentlich immer ordentlich gespielt haben."

Klaus Allofs (Sportlicher Leiter VfL Wolfsburg): "Wir haben uns am Anfang sehr schwer getan und sind erst in der zweiten Hälfte in Fahrt gekommen. Zum Ende hin wäre mehr drin gewesen, aber das Remis ist in Ordnung."

Thorsten Fink (Trainer Hamburger SV): "Wenn Maxi das 2:0 macht, dann kommt mehr heraus, aber wenn man die letzte halbe Stunde bedenkt, ist die Punkteteilung gerecht."

Die Höhepunkte:

23. Gute Freistoßposition für die Hamburger an der linken Strafraumecke. Alle rechnen mit dem Freistoß auf das kurze Eck durch einen Rechtsfuß, aber Westermann läuft über den Ball. Aogo läuft an und zirkelt ihn knapp am langen Eck vorbei.

26. TOOOR für den Hamburger SV! Badelj bedient Rudnevs, der viel Übersicht beweist und auf Beister durchsteckt. Der war Naldo entwischt und steht alleine vor Benaglio. Mit viel Ruhe schiebt der Angreifer den Ball ins lange Eck - 1:0 für den HSV!

30. Nach dem Foul an Polak bekommt Wolfsburg wieder einen Freistoß an der Strafraumgrenze zugesprochen. Naldo läuft an - alle rechnen mit dem Hammer - aber der Brasilianer zirkelt den Ball gefühlvoll über die Mauer. Der kommt zwar nicht sehr platziert, aber Adler muss fliegen und kann den Ball noch über die Latte boxen.

43. Dicke Möglichkeit für Badelj! Nach der Flanke von Bruma verschätzt sich Kjaer und köpft den Ball direkt in den Fuß des Kroaten. Aus spitzem Winkel visiert er das lange Eck an und verpasst es nur um wenige Zentimeter!

56. Olic hebt den Ball mit ganz viel Gefühl auf Dost, der die Abstimmungsschwierigkeit zwischen Mancienne und Bruma geschickt nutzt. Am langen Pfosten kommt er völlig frei zum Kopfball, aber Adler reisst die Fäuste hoch und klärt zum Eckstoß, aus dem die Hausherren kein Kapital schlagen können.

68. TOOOR für den VfL Wolfsburg! Beim Eckstoß wird Adler von Dost im Fünfer hart angegangen und kann den Ball nicht festhalten, Aogo kann nur halbherzig klären. Schäfer nimmt den Ball auf dem linken Flügel auf, zieht zur Grundlinie und bedient Kjaer mustergültig, der zum 1:1 einköpft!

76. Jetzt hat Hamburg richtig Glück! Fagner kann sich zur Grundlinie durchtanken und flach in den Rücken der Abwehr flanken. Diego legt direkt ab auf Vieirinha, der mit der Fußspitze das lange Eck anvisiert und am Pfosten scheitert.

87. Hamburg wackelt! Diego beweist viel Übersicht und steckt links durch auf Schäfer, dessen Hereingabe sowohl Dost als auch Fagner am langen Pfosten verpassen. Die Hanseaten zittern sich Richtung Schlusspfiff.

90.+2 Adler hält den Punkt fest! Den langen Ball auf Schäfer legt der quer auf Lakic, der mit seinem Kopfball das kurze Eck anvisiert. Adler ist rechtzeitig unten und begräbt den Ball unter sich.

Der Kracher: Wolfsburger Aufschwung

Was auch immer Lorenz-Günther Köstner seinen Spielern in der Kabine sagte, es fruchtete. Nach Wideranpfiff kam Wolfsburg mit einem neuen Gesicht auf den Platz: Die Mannschaft spielte zielstrebiger nach vorne und belohnte sich mit dem Ausgleich für die Leistungssteigerung in Halbzeit zwei.

Im Abseits: Wolfsburger Ausgleich

Während sich die Wolfsburger über den ersten Saisontreffer von Simon Kjaer freuten, platzte René Adler der Kragen. Er beschwerte sich lautstark über ein Foul von Bas Dost an ihm im Fünfmeterraum, das dem Treffer vorausging. Schiedsrichter Sippel blieb hart – und bei seiner Fehlentscheidung: Er erkannte den Treffer trotz des klaren Stürmerfouls an.

Die Statistik: 6

Nur magere sechs Punkte holte Wolfsburg in dieser Spielzeit in sieben Spielen vor eigenem Publikum. Zu wenig für die Europa-Ambitionen der "Wölfe". Nur Aufsteiger Greuther Fürth präsentierte sich mit zwei Punkten im eigenen Stadion noch schwächer als die Niedersachsen.

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