Bundesliga - Wiese wird schon wieder aussortiert

Die Posse um den ehemaligen Nationaltorwart Tim Wiese beim Krisenklub 1899 Hoffenheim geht in die nächste Runde. Wie Trainer Marco Kurz bekannt gab, wird der 31-Jährige gegen den SC Freiburg nicht mehr im Tor des Tabellen-17. stehen. "Tim ist in der jetzigen Situation absolut chancenlos. Egal, was er macht, er hat keine Möglichkeit, vernünftig bewertet zu werden", sagte Manager Andreas Müller.

Im Internet, in seiner eigenen Welt, ist Tim Wiese immer noch der Größte. Im Nationaltrikot hält der Torwart da jeden Ball, er posiert cool in seiner Lederjacke und mit bedrohlichem Blick. Nichts und niemand scheint ihm etwas anhaben zu können. Im rauen Bundesliga-Alltag beim Abstiegskandidaten 1899 Hoffenheim ist das seit Donnerstag ganz anders: Wiese kann nicht mehr. Und das hat für ihn anscheinend der Verein entschieden.

"Der Druck, fehlerfrei zu sein, mit dem er in jedes Spiel gehen muss, ist unmenschlich. Ich glaube, das kann er im Moment nicht leisten", so Manager Müller.

Beim Spiel am Samstag gegen den SC Freiburg (ab 15:30 Uhr im Liveticker auf eurosport.yahoo.de) wird Wiese (31) Zuschauer sein. Der neue Trainer Marco Kurz will ihn schützen. Ob Wiese überhaupt noch einmal in den Kampf gegen den Abstieg eingreifen wird oder darf, ist ungewiss. "Wir haben eine große Vorsorgepflicht gegenüber dem Menschen Tim Wiese", sagte Müller: "Aber auch dem Verein gegenüber."

Ersatz steht in den Startlöchern

Hoffenheim steht in der Bundesliga mit dem Rücken zur Wand. Hochambitioniert in die Saison gestartet, war die Hinrunde ein einziger Absturz für den Herbstmeister von 2008. Wiese, erst im Sommer von Werder Bremen gekommen und direkt zum Kapitän ernannt, hatte mit mehreren schwerwiegenden Patzern zwar einen entscheidenden Anteil daran - die öffentliche Kritik konzentrierte sich jedoch fast ausschließlich auf den ehemaligen Nationaltorwart. Ein Paket, das selbst für den extrovertierten und breitschultrigen Wiese zu schwer war.

"Diese Monate, die Tim miterleben musste, waren teilweise unmenschlich", sagte Müller: "Da haben wir uns jetzt in die Verantwortung genommen, ihn zu befreien, damit er stabil zu uns zurückkommen kann." Ersatzkandidat ist der Brasilianer Heurelho Gomes vom englischen Erstligisten Tottenham Hotspur, der bereits auf der Transferliste der Deutschen Fußball Liga steht.

Ein ständiges Hin und Her

Gomes twitterte schon, er sei in Deutschland zum Medizincheck. "Schön, wenn er da steht, kann ihn ja auch einer verpflichten", sagte Manager Andreas Müller. Allerdings werde Wiese in keinem Fall abgegeben. "Wir erwarten, dass er mit voller Kraft zurückkommt", sagte Müller. Die Maßnahme von Kurz sei darauf bedacht, Wiese "aus dem Fokus" zu nehmen. Was mit ihm passiert ist, sei "erschreckend", sagte Kurz.

Schon von Kurz' Vorgänger Markus Babbel war Wiese wegen schwacher Leistungen vom Kapitän zum Reservisten degradiert worden. Kurz ernannte ihn dennoch wieder zur Nummer eins, nahm ihm aber die Kapitänsbinde weg. Im ersten Spiel der Rückrunde, beim 1:2 bei Eintracht Frankfurt am vergangenen Wochenende, hatte der Torwart dann erneut einen schwachen Eindruck hinterlassen - Kurz stärkte ihm aber den Rücken. "Die Wahrnehmung von Tim Wiese ist für mich relativ unglaublich. Ich kann da nur den Kopf schütteln", hatte Kurz nach dem Spiel gesagt. Fünf Tage später zog er die Konsequenz.

VIDEO - Wutrede von TSG-Manager Müller

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