Bundesliga - An der Weser geht die Angst um

Trainer Thomas Schaaf frustriert, die Spieler genervt, das Publikum enttäuscht: Statt doch noch einmal ins Rennen um einen Europa-League-Platz einzugreifen, rutscht Werder Bremen nach der 0:1 (0:1)-Niederlage gegen den FC Augsburg immer mehr ab - Richtung Tabellenende. Und plötzlich geht an der Weser die Angst um.

"Ab sofort befinden wir uns im Abstiegskampf" - Abwehrchef Sokratis war der Erste und vorerst der Einzige, der unmissverständlich auf die bedrohliche Situation hinwies. Nach drei Niederlagen in Serie stehen die Hanseaten erstmals in dieser Saison im letzten Tabellendrittel.

Und dem Griechen schwant für die kommenden Wochen nichts Gutes: "Unser Hauptproblem ist die fehlende Erfahrung." Genau die ließ der Nationalspieler allerdings selbst vermissen, als er wegen Ballwegschlagens die fünfte Gelbe Karte kassierte und deshalb am kommenden Samstag in Mönchengladbach zuschauen muss.

Gegen die Schwaben, die mit zwölf Punkten aus den vergangenen sieben Spielen nicht nur Relegationplatz 16 festigten, sondern sich auch Nicht-Abstiegsplatz 15 näherten, fehlte den Platzherren aber weniger die Erfahrung, sondern vielmehr der letzte Wille, sich gegen die kampfstarken Augsburger zu behaupten.

"Das war enttäuschend"

"Wir wollten die drei Punkte mehr als die Bremer", analysierte Augsburgs Abwehrchef Jan-Ingwer Callsen-Bracker nüchtern, Werder-Coach Schaaf konnte diese Wahrnehmung nur bestätigen: "Man muss sich einfach anders wehren. Das haben wir nicht getan, das war enttäuschend."

Und so leiteten die lautstarken Unmutsbekundungen des Großteils der 39.211 Zuschauer eine ungemütliche Woche an der Weser ein. Die Geduld des Publikums ist auch in der Hansestadt nicht unbegrenzt, die Pfiffe am Ende der Partie waren schrill wie noch nie in dieser Saison. Für Schaaf eine verständliche Reaktion der Besucher: "Nach einem solchen Spiel kann man keinen Applaus erwarten."

Weinzierl schielt auf Platz 15

Den heimsten ausschließlich die Gäste ein, deren Sieg durch ein Kopfballtor von Tobias Werner in der 29. Minute absolut verdient war. "Noch an Weihnachten hatte man uns totgesagt. Wenn wir aber die Effektivität der vergangenen Wochen beibehalten, ist Rang 15 noch möglich", sagte FCA-Coach Markus Weinzierl und lächelte dabei still in sich hinein.

Die Geduld der Verantwortlichen bei den Schwaben mit dem 38-Jährigen könnte sich auszahlen. Augsburg zelebrierte im Weserstadion eine ausgewogene Mischung aus konzentrierter Deckungsarbeit und sauber umgesetzten Kontern, die die Platzherren mehrfach in höchste Bedrängnis brachten. Zudem wächst das Selbstbewusstsein von Erfolg zu Erfolg.

Hausaufgaben machen gegen den Abstieg

"Unentschieden helfen einem in unserer Situation nur bedingt. Deshalb hatten wir uns schon einen Sieg vorgenommen, auch in Bremen", sagte Torjäger Sascha Mölders, der diesmal allerdings leer ausging. Nun gehe es daran, die Hausaufgaben Stück für Stück abzuarbeiten: "Wenn wir das gut machen, werden wir nicht absteigen."

Ein Satz, der theoretisch auch von Schaaf hätte kommen können. Praktisch aber wollte sich der Fußball-Lehrer auf diese Diskussion, anders als Sokratis, nicht einlassen: "Die Frage nach dem Abstieg ist für mich eine Scheißfrage. Wir arbeiten in alle Richtungen, um die Leistungen der Mannschaft zu verbessern. Das ist manchmal unbefriedigend und frustierend, aber verzweifelt bin ich deswegen nicht."

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