Bundesliga - TSG 1899 mit "Kurz-Geschichte" zum Happy-End?

Als die Kurz-Geschichte bei 1899 Hoffenheim begann, lag das Happy End für die Profis noch hinter einem Berg von Arbeit verborgen. "Die Spieler werden froh sein, sich mittags ausruhen zu können. Einen freien Tag wird es bis zum Rückrundenstart nicht geben. Und wenn, dann nur, weil die Jungs richtig gut arbeiten", sagte Trainer Marco Kurz vor seiner ersten Einheit im Trainingszentrum der TSG.

Um 15:30 Uhr bat der Coach seine Schützlinge unter dem verhaltenen Beifall von knapp 300 Kiebitzen auf den Platz.

Im Anschluss an eine kurze Ansprache des Trainers im Mittelkreis tanzten die Spieler nach der silbernen Pfeife ihres neuen Übungsleiters. Auch der zuletzt verletzte und auf die Bank verbannte Kapitän Tim Wiese war mit von der Partie.

Kurz will mit einer harten Gangart, eiserner Disziplin und Neuzugängen für die mit Abstand schwächste Defensive der Eliteklasse den ersten Abstieg des Klubs verhindern. "Es gibt Richtlinien und einen Verhaltenskatalog. Disziplin und Pünktlichkeit sind selbstverständlich", sagte der 43-Jährige, den die Kraichgauer fünf Tage vor Weihnachten vorgestellt hatten: "Ich brauche keine Träumer, keiner darf sich in die Tasche lügen. Jeder muss seinen Beitrag dazu leisten, damit wir nicht absteigen."

Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, hat sich Kurz ganz im Stil eines Malochers in einem Zimmer auf dem Trainingsgelände einquartiert. Der Nachfolger des erfolglosen Interimstrainers Frank Kramer hat einen Vertrag bis 2014 unterschrieben, er will seinen neuen Schützlingen die richtige Einstellung vorleben. So soll der Herbstmeister von 2008 trotz der sieben Punkte Abstand zum rettenden Ufer doch noch den Relegationsplatz verlassen.

"Jetzt die Weichen stellen"

"Unser Ziel ist es, noch eine Mannschaft vor uns zu schnappen", sagte der sechste Hoffenheimer Coach in zwei Jahren, dessen neues Team die schlechteste Hinrunde der Klubgeschichte absolviert hat: "Jetzt müssen die Weichen gestellt werden, damit wir im ersten Rückrundenspiel am 19. Januar gegen Borussia Mönchengladbach seriös um drei Punkte spielen können."

Genau das konnten die Hoffenheimer, die am 3. Dezember Coach Markus Babbel entlassen hatten, in den vergangenen Monaten nicht mehr. Der Klub von Mäzen Dietmar Hopp, der in der Hinrunde nur zwölf Punkte gesammelt hat, kassierte zuletzt sechs Pleiten in Folge. Aus den zurückliegenden zwölf Partien holten die Kraichgauer, die drei Zähler vor den direkten Abstiegsplätzen liegen, nur einen Sieg.

Das alles ist Kurz, der im März 2012 nach 16 Spielen ohne Sieg in Folge beim 1. FC Kaiserslautern entlassen worden war, nicht verborgen geblieben. "Wir müssen härter, besser und konstruktiver arbeiten als andere Klubs, um eine großartige Rückrunde zu spielen", sagte der gebürtige Stuttgarter: "Wir müssen der Mannschaft Sicherheit geben, die Ausrichtung und die Leidenschaft müssen erkennbar sein."

Santana nach Sinsheim?

Daran will Kurz vor allem ab Montag im Trainingslager in Portugal arbeiten. Für Manager Andreas Müller wäre es "wünschenswert", wenn die Verstärkungen für das defensive Mittelfeld und die Innenverteidigung bereits mit an die Algarve reisen könnten.

Im Gespräch ist der Dortmunder Abwehrspieler Felipe Santana, aber auch der langzeitverletzte Mittelfeldspieler Sebastian Rudy soll ersetzt werden. Abgänge sind keine geplant, allerdings muss die Rolle des zuletzt verletzten und auf die Bank verbannten Kapitäns Tim Wiese geklärt werden.

Die alten Kumpel Müller ("Wir werden genau verfolgen, wer wie mitzieht") und Kurz, die beide in Stuttgart geboren sind und 1997 gemeinsam den UEFA-Cup im Trikot von Schalke 04 gewonnen haben, arbeiten bei all diesen Themen Hand in Hand. Schließlich möchte Kurz nach dem erhofften Klassenerhalt "das Projekt Hoffenheim langfristig wieder in die richtige Spur bringen".

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