Bundesliga - "Stabilität statt Spinnerei": Frust in Wolfsburg

Die Rückkehr zu seinem alten Verein hatte sich "Wölfe"-Coach Dieter Hecking ganz anders vorgestellt. Seine Mannschaft dominierte zwar, vergaß aber das Toreschießen. Der ambitionierte Klub steckt im Mittelmaß fest. Klaus Allofs schüttelte am Ende eines missratenen Tages nur noch den Kopf, Dieter Hecking redete Klartext und erteilte allen Europacup-Träumen eine deutliche Absage.

Das 1:2 (0:2) im 22. Niedersachsen-Duell bei Hannover 96 hinterließ ein angefressenes sportliches Führungs-Duo des VfL Wolfsburg. Mit einem Sieg hätten die "Wölfe" den Kontakt zu den internationalen Plätzen wiederherstellen können.

Doch 56 Minuten in Überzahl und 25:4 Torschüsse reichten noch nicht einmal für einen Punkt. Nun fristen die Wölfe ein unbefriedigendes Dasein im grauen Mittelmaß.

"Nicht von etwas träumen"

"Bevor man von mehr spinnt, muss man erstmal die Stabilität haben und die Konstanz", sagte Hecking nach seiner Rückkehr nach Hannover, wo er als Spieler und Trainer einst erfolgreiche Jahre verbracht hatte. Nun gelte es erst einmal, den Abstand zu den Abstiegsplätzen zu vergrößern: "Mit einem Sieg hier hättest du 25 Punkte gehabt und es hätte noch ein Stück weit besser ausgesehen. Aber man sollte nicht von etwas träumen, wenn es nicht schon da ist."

Hecking verließ Hannovers Arena nach seiner ersten Niederlage als Wolfsburg-Trainer ebenso mürrisch wie Sportdirektor Allofs. Zuvor hatte der 56 Jahre alte frühere Bremen-Manager noch angekündigt, seine Profis trotz einer engagierten Leistung nicht in Watte zu packen: "Mit Handauflegen kommen wir nicht weiter", sagte Allofs, "es hätte gut gepasst, wenn wir hier gepunktet hätten."

Seitenhieb auf Magath

Der Sportdirektor fügte mit frustriertem Gesichtsausdruck hinzu: "Wir waren hochüberlegen, hatten aber zwei Aussetzer." Außerdem konnte sich Allofs einen Seitenhieb auf Vorgänger Felix Magath nicht verkneifen: "Wenn das Feld bestellt gewesen wäre, dann wäre ich nicht da. Dann ist es nämlich auch so, dass meist geerntet wird," sagte Allofs in der NDR2-Bundesligashow.

Die Ernte viel auch in Hannover aus. Tatsächlich machte Wolfsburg vor 38.800 Zuschauern klar das Spiel, agierte dominant und hatte mit Diego einen starken Regisseur in seinen Reihen. "Wir haben nur vergessen zu treffen", sagte der Brasilianer treffend.

Im letzten Drittel des Spielfeldes verließ den VfL zu oft die Übersicht und die letzte Zielstrebigkeit. Nur Verteidiger Alexander Madlung konnte als Joker in der 46. Minute den starken Hannover-Torwart Ron-Robert Zieler überwinden. Die Sturmspitze Bas Dost blieb ebenso blass wie der eingewechselte Ivica Olic. Zu wenig für einen Angriff auf Europa.

Kjaer mit Riesen-Bock an der Aussenlinie

Vor allem weil sich der VfL in der Abwehr die von Allofs angesprochenen Aussetzer genehmigte. Beim 0:1 blieb Simon Kjaer stehen, weil er den Ball im Aus gesehen hatte - Mohammed Abdellaoue bedankte sich (3.). Beim 0:2 verlor die Defensive Mame Diouf völlig aus den Augen (38). Dennoch hatte Hecking "ein klasse Spiel" seiner Mannschaft gesehen, die an der "brutalen Effizienz" des Gegners gescheitert sei.

Hannovers Trainer Mirko Slomka stimmte seinem guten Kollegen zu. Auch er hatte Wolfsburg als besseres Team wahrgenommen. Nach dem "völlig berechtigten" Platzverweis für Neuzugang Sébastien Pocognoli (34./grobes Foulspiel) habe der VfL sein Team "mehr oder weniger auseinandergespielt." Allerdings habe die 96-Defensive den Kampf angenommen und "mit Bravour" um den Sieg gekämpft. Der Lohn: Hannover bleibt an Platz sechs dran.

Glücklicher Sieg mit bitterem Beigeschmack

Doch Slomka konnte sich kaum über den Sieg freuen. Denn mit Mario Eggimann gesellt sich der nächste Stammspieler ins ohnehin schon gut besuchte Lazarett. Der 32 Jahre alte Schweizer war umgeknickt und musste in der 32. Spielminute ausgewechselt werden. Die bittere Diagnose lautete: Knöchelbruch. Nach Verteidiger Felipe und den Mittelfeldspielern Leon Andreasen und Lars Stindl ist das der nächste schwerwiegende Ausfall für Slomka.

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