Bundesliga - Shaqiri exklusiv: "Ich riskiere viel"

Bayern-Star Xherdan Shaqiri spricht im Interview der Woche über den Abgang von Jupp Heynckes, seine Titel-Erfahrung und einen möglichen Wechsel zum BVB.

Das Interview führte Daniel Rathjen

Herr Shaqiri, in der vergangenen Woche trugen sie sogar einen Gips. Wie schlimm war Ihre Verletzung wirklich?

Xherdan Shaqiri: Körperlich geht es mir eigentlich ganz gut, der Fuß war nur ein bisschen angeschwollen und ich musste ihn ruhigstellen. Es hätte schlimmer kommen können.

Ansonsten sind Sie in Ihrer Karriere bislang von großen Verletzungen verschont geblieben. Ist Ihr außergewöhnlicher Körperbau ein Grund dafür?

Shaqiri: Ich denke schon und ich hoffe, dass es so bleibt. Muskulös war ich schon immer, das habe ich in den Genen. Ich brauche dazu nicht jeden Tag zusätzlich in den Kraftraum zu gehen.

Sie werden nicht umsonst "Kraftwürfel" genannt. Gefällt Ihnen der Spitzname eigentlich?

Shaqiri (schmunzelt): Es gibt auch ein paar andere. Aber im Prinzip ist mir das egal.

Jupp Heynckes bezeichnet Sie gerne als "Rabauke" oder "Straßenfußballer". Haben Sie als Kind wirklich auf der Straße gekickt?

Shaqiri: Ja, klar. Ich habe das Fußballspielen auf der Straße in Augst (in der Nähe von Basel, d. Red.) gelernt, zusammen mit meinen Brüdern. Ich riskiere auch heute, wenn ich im Spiel bin, noch viel - wie ein Straßenfußballer. Ich probiere etwas und agiere oft aus der Intuition heraus.

Bemühen Sie sich, den Kontakt zu den Jungs von damals zu halten?

Shaqiri: Natürlich pflege ich ihn so oft ich kann. Leider habe ich nicht so viel Zeit, und während der Meisterschaft kann ich selbstverständlich nicht auch noch in meiner Freizeit Fußball spielen. Das wäre schwierig und gefährlich. Aber wenn ich im Urlaub bin, spielen wir schon gerne wieder alle zusammen.

Auch der FC Bayern ist eine große Einheit, die ab Sommer aber ohne Jupp Heynckes auskommen muss. Welche Bedeutung hat er für Sie?

Shaqiri: Eine sehr große Bedeutung. Er ist derjenige gewesen, der mich unbedingt holen wollte. Und ich spüre das Vertrauen von ihm. Ich weiß, dass ich mich unter ihm sehr gut weiterentwickeln kann. Es ist schade, dass er ab Sommer nicht mehr Trainer ist. Doch damit muss ich leben, jetzt wollen wir ihm einen schönen Abschied bereiten - mit so vielen Titeln wie möglich.

Was zeichnet Heynckes aus?

Shaqiri: Er ist sehr erfahren und man sieht, dass die Mannschaft mit ihm Erfolg hat und dass er sie sehr gut im Griff hat. Aber auch wenn ich es - wie erwähnt - schade finde, dass er geht, der Fußball ist eben so. Es gibt Trainerwechsel, das muss man akzeptieren.

Jupp Heynckes hat zu Beginn der Saison gesagt, man müsse Sie erst auf Bundesliga-Niveau "hochtrainieren" - inwieweit fühlen Sie sich schon gestärkt?

Shaqiri: Ich hatte eine Eingewöhnungsphase, und seit Mitte Oktober befinde ich mich auf einem sehr guten Level, bin in einem sehr guten Zustand. Ich kann der Mannschaft helfen und ich spüre, dass ich immer besser werde.

Es gab skeptische Stimmen, die Ihnen einen Durchbruch beim FC Bayern nicht zugetraut haben. Motiviert Sie so etwas zusätzlich?

Shaqiri: Ich höre bei so etwas nicht so genau hin. Ich war ein normaler Neuzugang, der sich schnell integriert hat, auch weil die Mannschaft mir dabei geholfen hat. Die guten Leistungen kamen dann automatisch.

Sie haben bislang mehr als 1000 Spielminuten auf der Habenseite und als einziger Münchner in allen drei Wettbewerben getroffen...

Shaqiri (lacht): Das ist sicher schön, dass ich in drei Wettbewerben getroffen habe, aber wichtig ist, dass wir als Mannschaft Erfolg haben. Ich bin hergekommen, um Titel zu holen. Aus meiner Zeit in Basel weiß ich, wie das geht.

Ihr erstes Tor für den FC Bayern war ausgerechnet ein Kopfballtreffer!

Shaqiri (lacht laut): Ja, ich muss ab und zu schmunzeln, wenn ich mir das Tor aus dem Spiel gegen Borissow nochmal auf Video anschaue. Es war schon schön und wird mir immer in Erinnerung bleiben...

Mal abgesehen von diesem Tor, wie schwer ist es für Sie als Profi, nicht abzuheben?

Shaqiri: Ich komme aus einer bescheidenen Familie und ich weiß, wie man sich in dem Geschäft bewegt und mit Schulterklopfern umgeht. Und ich denke, die Leute merken auch, dass ich bescheiden bin. Ich weiß ganz genau, was ich mache - auch schon in meinem jungen Alter. Mir ist bewusst, wie man Verantwortung übernehmen kann.

Woher kommt diese Bodenständigkeit?

Shaqiri: Es ist einfach mein Naturell, dass natürlich von meiner Familie geprägt worden ist. Wir sind alle bodenständig und bescheiden. Mittlerweile arbeiten meine Eltern nicht mehr, haben es aber lange getan. Mein Vater war Maurer. Ich schaue auch auf sie und schenke ihnen etwas zurück.

Verbietet es Ihnen Ihr Charakter auch zu murren - wie vielleicht andere ihrer Teamkollegen -, wenn Sie mal nicht in der Startelf stehen?

Shaqiri: Wir dürfen jetzt keine Unruhe stiften, sondern als Mannschaft zusammenhalten. Der Trainer kann nun mal nur elf Spieler aufstellen. Da hat er es schwer genug und deshalb muss man seine Entscheidungen jedes Wochenende akzeptieren. Wir haben noch sehr viele Spiele und brauchen jeden.

Kannst du Arjen Robben verstehen, wenn er mal schlechte Laune wegen seiner Rolle als Ersatzspieler schiebt?

Shaqiri: Dass man nicht zufrieden ist, gehört zum Fußball dazu. Man muss es akzeptieren und sich im Training anbieten. Unruhe zu verbreiten bringt nichts.

Dass es viel Konkurrenz beim FC Bayern gibt, dürfte Ihnen schon vor dem Wechsel bewusst gewesen sein. Wie brutal ist dieser wirklich?

Shaqiri: Jeder Spieler zieht voll mit und will unbedingt spielen, das wird im Training deutlich. Alle geben Vollgas und es geht aggressiv zu. Wenn wir elf gegen elf spielen, hat das höheres Bundesliga-Niveau. Ich finde das gut, denn nur wenn jeder 100 Prozent gibt, können wir Erfolg haben.

Wie schalten Sie in der Freizeit vom Fußball ab?

Shaqiri: Ich bin viel zu Hause und meine Familie und Freunde kommen oft zu Besuch. Außerdem spiele ich gerne Tischtennis. Ich gehe aber auch gerne raus und unternehme viel außerhalb des Fußballplatzes.

Sie haben in Basel eine Lehre als Herrenausstatter begonnen, wie würden Sie den typischen Münchner "Style" beschreiben?

Shaqiri (lacht): Ich habe noch nicht groß auf die Kleider der Leute geschaut. Als erstes habe ich mir natürlich den Marienplatz angeschaut, der ist das Wichtigste, weil ich hoffe, dass ich im Sommer dort stehen und die Meisterschaft feiern kann.

Pep Guardiola dagegen ist für einen eleganten Stil bekannt - liegt Ihnen "Tiki-Taka"?

Shaqiri: "Tiki-Taka" passt sicherlich zu mir. Ich vermute aber auch, dass der Trainer viele neue Dinge einbringen wird. Für uns als Mannschaft wird entscheidend sein, dass wir seine Vorstellungen schnell umsetzen und verfeinern. Grundsätzlich freue ich mich auf Guardiola, er hat Erfolge vorzuweisen und hat in Barcelona einen schönen Fußball spielen lassen. Er wurde nach München geholt, um wieder Titel zu holen. Der Druck wird auch für ihn groß sein.

Aktuell stehen die Chancen auf den Titel exzellent. Ist die Meisterschaft schon entschieden?

Shaqiri: Nein, noch nicht. Wichtig ist, dass wir auch am Ende ganz oben stehen. Da sind wir sind auf einem guten Weg.

In den letzten Jahren ist die Rivalität zwischen Bayern und Dortmund wieder aufgeflammt. Sind Sie schon so sehr Münchner, dass Sie einen Wechsel zum BVB für immer ausschließen können?

Shaqiri (lacht): Ich glaube nicht, dass ich zum BVB wechseln würde. Denn dann könnte ich mich in München nicht mehr blicken lassen - das wäre mir zu riskant! Aber im Ernst: Die Spiele gegen Dortmund sind Top-Spiele. Ich freue mich darauf.

In der Champions League wartet indes Arsenal. Wie stufen Sie die Chancen ein?

Shaqiri: Ich schaue mir regelmäßig Spiele von Arsenal im TV an. Das ist eine sehr gute Mannschaft, gegen die es nicht einfach wird. Aber wenn wir die Champions League gewinnen wollen, müssen wir Arsenal überwinden. Priorität hat die Meisterschaft und dann schauen wir, was wir noch holen können. Aber ich hoffe, dass wir ins Finale kommen.

Quizaction - Testen Sie Ihr Sportwissen