Bundesliga - Shaqiri: Ausnahme vom Albtraum

"Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen." Mit dieser Erkenntnis betrat Xherdan Shaqiri vor rund einem Jahr nicht gerade Neuland, als sein Wechsel von Basel nach München offiziell wurde. In der Vergangenheit der Bayern finden sich für ambitionierte Talente weitaus mehr abschreckende Beispiele als vorbildtaugliche Blaupausen für die erfolgreiche Karriereplanung.

Ausnahmen wie Toni Kroos oder Mehmet Scholl bestätigen die Regel der Rauhs, Weisers, Sosas, Jansens, Podolskis, Baumjohanns, Schlaudraffs, Sternköpfe und wie sie alle hießen, bei denen sich einst dieser eine vermeintliche Traum erfüllt hatte, um sich dann nicht selten mangels fairer Chancen doch noch als Albtraum zu entpuppen.

Nun also Shaqiri. Bayerns neue Ausnahme.

Wer in jungen Jahren sein Talent in den Koffer packt, um die Reise an die Isar anzutreten, der hat neben dem klassischen Traum traditionell auch diesen Anspruch im Gepäck: Titel.

Und so klingt Shaqiris Vorhaben, mit den Bayern "noch mehr Titel zu gewinnen", wie das längst vertrautes Echo seiner gescheiterten Vorgänger. Passiv-Meister, die nach 34. Spieltagen mit wund gesessenem Hintern die Schale vom Münchner Rathaus-Balkon stemmen durften.

Selbstbewusste Unbekümmertheit

Doch bei dem 21-Jährigen läuft die Sache ein bisschen anders, aus dem Traum scheint Wirklichkeit zu werden. Und das hat unterschiedliche Gründe. Einerseits hat sich Shaqiri mit einer Bescheidenheit in München vorgestellt, die zwar eitlen Egoismus und großspurige Selbstüberhebung ausschließt, keinesfalls aber eine sympathische Unbekümmertheit, aus der die pure Spielfreude spricht.

Damit hat das 1,69 Meter große Energiebündel die Prognose seines Basler Ex-Trainers bestätigt: "Wenn er nach München geht, dann wird er auf jeden Fall Publikumsliebling“, hatte Thorsten Fink vorhergesagt – und Recht behalten. Vier Tore und sieben Vorlagen hat "Shaq" zur herausragenden Halbzeit-Bilanz der Münchner beigesteuert, darunter den Kopfball-Treffer nach kuriosem Luftduell mit Borissows 1,90-Mann Maksim Bordachev. Die Fans haben ihn jedenfalls längst ins Herz geschlossen.

"Es ist ziemlich genau das, was ich mir für das erste Halbjahr vorgenommen hatte. Ich habe gezeigt, dass ich nicht nur Ergänzungsspieler bin", meint der quirlige Dribbler bei der Schweizer "Blick" selbstbewusst. Jupp Heynckes, der die "Spielintelligenz" des "Straßenfußballers" schätzt, hatte dem Neuzugang regelmäßige Einsätze zugestanden. Shaqiri hatte seine Chancen genutzt und das Vertrauen mit Leistung zurückgezahlt.

Rechts, links, Mitte und hinten

Shaqiri ist für Heynckes nicht nur eine Option. Seine Stärke ist eine Vielseitigkeit, die in der Schweiz gerne als Poylvalenz bezeichnet wird. Auch deshalb hatten die Bayern rund zwölf Millionen Euro nach Basel überwiesen.

"Ich glaube, wenn man heutzutage polyvalent ist, dann ist das ein Vorteil gegenüber einem Spieler, der nur auf einer Position spielen kann", stellt Shaqiri fest. Er fühlt sich auf der 10 zwar selbst am wohlsten, kann jedoch auch ohne Anpassungsprobleme auf die Flügel ausweichen und wäre sogar als Außenverteidiger weitaus mehr als nur eine überraschende Notlösung.

"Beim FC Bayern muss man froh sein, wenn man überhaupt spielt“, betont Shaqiri. Zwar hat er natürlich den gesunden Anspruch auf Spielzeit, den Platz auf der Bank kann er mit Blick auf das Rotationsprinzip aber durchaus gut einordnen: "Damit muss ich rechnen, wir haben so viele Topspieler. Ich kann damit umgehen."

Der "freche Hund" will im Mai von der Leine

"Du musst den Konkurrenzkampf annehmen und dem Trainer beweisen, dass er auf dich zählen kann", erklärt er bei "11Freunde". Und genau diese charakterliche Qualität weiß Heynckes zu schätzen, von einem Spieler, der in Basel schnell zum Topstar wurde, mit seiner Nonchalanten Art aber dennoch die Füße auf dem Boden behielt.

Ein "ganz frecher Hund" eben, wie Fink erklärt. Doch Shaqiri macht nicht den Fehler, durch falsche Selbstreflexion seinen Status in Basel auf die Hierarchie beim FC Bayern zu projizieren.

Er wirkt geerdet, will mit seiner Art Fußball zu spielen für Schlagzeilen sorgen und nicht die Klatschspalten des Boulevards mit fragwürdigen Inhalten füllen. Eine nüchterne Einstellung, die wohl auch seinem Team-Paten zu verdanken ist. Anatolij Tymoschtschuk gilt schließlich selbst nicht gerade als nachtschwärmende Party-Granate.

Feiern kann "Shaq" zweifellos, doch er wartet dafür in München erst auf den passenden Anlass. Und so könnten beide zu Saisonende die Rollen tauschen - wenn Shaqiri dem Ukrainer zeigt, wie man zu Blasmusik im Gangnam-Style über einen Rathaus-Balkon dribbelt.

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