Bundesliga - Schalke: Trotz, Angst und Verunsicherung

Die aktuelle Situation auf Schalke erinnert an längst vergangene Zeiten, als bei den "Knappen" partout keine Ruhe einkehren wollte. Mit zwei Pünktchen aus den vergangenen fünf Bundesligaspielen ging es in die Winterpause - eine miesere Bilanz als die Abstiegskandidaten Fürth und Augsburg.

Königsblau hatte in der Hinrunde einen spektakulären tabellarischen Parabelflug hingelegt: Platz acht am ersten Spieltag, zwischendurch Platz zwei und dann zurück auf Rang sieben.

In der Zwischenzeit zog Schalke ungeschlagen ins Achtelfinale der Champions League ein und feuerte Trainer Huub Stevens, während Lewis Holtby seinen Absprung an die White Heart Lane bekannt gab. Auf Schalke wird abseits des Platzes also wieder mal mehr geboten als darauf.

Verängstigt und verunsichert

Die satte 0:5-Klatsche gegen den FC Bayern im Trainingslager von Doha ließ sich aufgrund der erschreckenden Darbietung nicht mehr mit dem harmlosen Charakter eines Testspiels rechtfertigen, zumal man bereits zwei Tage zuvor beim mühsamen 3:2 gegen Al-Sadd auch nicht gerade das Selbstbewusstsein aufpoliert hatte.

"Jeder Fußballer ist extrem unzufrieden, wenn er ein Spiel so deutlich verliert“, meint Torjäger Klaas-Jan Huntelaar auf der Homepage von Schalke 04. "Wir waren auch alle sehr verärgert über das Ergebnis. Das darf uns einfach nicht passieren, dass wir so viele Fehler machen. Trotzdem müssen wir das Spiel jetzt abhacken und nach vorne schauen. So werden wir uns sicherlich in Zukunft nicht mehr präsentieren."

Doch genau da haben nicht nur viele Schalker Fans ihre Zweifel. Klub-Ikone Olaf Thon hatte das Ergebnis sogar "ein bisschen geängstigt".

Und auch an Jens Keller ging das 0:5 nicht spurlos vorbei: "Zugegeben, eine gewisse Verunsicherung ist da", meinte der neue Mann auf dem Trainerstuhl im "kicker" über ein Ergebnis, das in der Presse als "Demütigung", "Blamage" und "Offenbarungseid" bezeichnet worden war.

Stevens war das schwächste Glied

Horst Heldt stellte sich den Kritikern trotzig entgegen: "Wir sind nicht bereit, unser Ziel Champions League nach einem 0:5 gegen Bayern aufzugeben. Wir werden daran festhalten. Hier gehen doch nicht die Lichter aus!", echauffierte sich Schalkes Sportdirektor im "WAZ"-Interview. "Es ist klar, dass wir jetzt zerrissen werden, aber das muss man aushalten."

Man tut sich auf Schalke einfach schwer, die aktuelle Form der "Knappen“ nach dem Trainerwechsel von Stevens auf Keller realistisch einzuordnen. Zumal mit Jermaine Jones ein Führungsspieler die Schuld an der Talfahrt explizit der Mannschaft und nicht dem entlassenen Stevens ankreidet.

"Als Trainer bis du da das größte Arschloch, weil du nichts machen kann“, erklärt Jones im Exklusiv-Interview mit Eurosport. "Du versuchst das Bestmögliche, stellst die Mannschaft auf, die du für die beste hältst. Wenn man dann Spiel für Spiel verliert, wird die Luft für den Trainer immer dünner. Wir Spieler bekommen die Kritik, aber am Trainer wird es ausgelassen."

Unterdessen bestätigt der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies, dass man Stevens einen Platz im elfköpfigen Gremium der "Knappen" anbieten wolle. "Sollte er den Wunsch haben, werde ich das unterstützen."

Mangelnde Flexibilität

Ganz ohne Schuld ist aber auch Stevens nicht, da es der knorrige Niederländer versäumt hatte, dem Team eine taktische Flexibilität einzuimpfen. Ein Umstand, den die Leistungsdiskrepanz zwischen Bundesliga und Champions League verdeutlicht.

In der Liga hätten die meisten Gegner gegen Schalke plötzlich auf Konter gespielt, meint Jones. Eine Taktik, die der Schalker Spielweise sehr nah kam. "Wir haben eigentlich auch eher die Spieler für ein super Konterspiel", erklärt der 31-Jährige.

In der Champions League sei das einfacher gewesen, da konnte Schalke wieder kontern, da einen Gegner wie der FC Arsenal "eher unterschätzt haben. Das hat uns mehr gelegen", so Jones gegenüber Eurosport. "Deshalb haben wir auch nicht die Balance zwischen Bundesliga und Champions League gefunden."

Freitagabend: Ende der Blockade?

Lewis Holtby, der das königsblaue Trikot der "Knappen" zu Saisonende für das Textil der Spurs wechseln wird, zielt im Exklusiv-Interview mit Eurosport auf den psychologischen Faktor: "Den Glücksmoment durch Siege haben wir schon lange nicht mehr gehabt. Wenn sich das dann so durchschleppt, dann gibt es einen Knackpunkt im Unterbewusstsein. Man vertraut dann nicht mehr so den Dingen, die man davor immer gemacht hat.“ Diese Blockade müsse man nun überwinden, fordert der 22-Jährige.

Schon am Freitagabend wird sich zeigen, ob dies gelingt. Schalke wird die Rückrunde vor kritischem Publikum in der eigenen Arena gegen Hannover eröffnen (ab 20:30 Uhr im Liveticker bei eurosport.yahoo.de).

VIDEO - Jones denkt über seine Zukunft nach

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