Bundesliga - Schaaf: Traurig und enttäuscht

Dass Klaus Allofs Werder Bremen von jetzt auf gleich in Richtung Wolfsburg verlassen hat, war für Trainer Thomas Schaaf ein Schock: "Ich bin nicht glücklich darüber, aber Klaus wollte einen neuen Weg gehen - das ist okay so." 13 Jahre lang arbeiteten sie als Duo in Bremen, verstanden sich blind. Dass Schaaf seinem Partner nun zum VfL folgt, schloss dieser aber aus: "Nein, das ist kein Thema."

Es ist nicht immer leicht, zu erahnen, was tatsächlich in Thomas Schaaf vorgeht. Der Werder-Trainer gibt sich mitunter gerne etwas brummig und kühl, redet meist nicht mehr als nötig. Zwei Tage lang hatte Schaaf eisern geschwiegen, sich nicht zum Abschied seines langjährigen Partners Klaus Allofs geäußert.

Als er am Donnerstag durch den dichten Bremer Nebel schritt, die Hände tief in die dicke Jacke vergraben, und sich am Rande des Trainingsplatzes den Fragen der Journalisten stellte, da konnte Schaaf nicht verbergen, wie traurig und enttäuscht er war.

"Situation, die nicht sehr erfreulich ist"

"Ich bin nicht glücklich darüber. Ich habe eine Situation anzunehmen, die nicht sehr erfreulich ist", sagte Schaaf, "aber Klaus wollte einen neuen Weg gehen - das ist okay so." Dennoch war es ein Schock, als ihm Allofs seine Entscheidung mitteilte. Ob er es habe kommen sehen, wurde Schaaf gefragt. "Nein", sagte er knapp. Es hatte ihn eiskalt erwischt, das musste er erst einmal verdauen. "Das hat schon einen Moment gedauert, das können Sie mir glauben", sagte Schaaf.

Über 13 Jahre lang hatten sie Seite an Seite bei Werder Bremen gearbeitet, er als Chefcoach und Allofs als Geschäftsführer. Spielertransfers, Krisenmanagement, Trainingspläne, jedes Detail sprachen sie miteinander ab. Mit der Zeit war ein blindes Verständnis für den anderen entstanden, ein Vertrauensverhältnis, das in dieser Art in der Bundesliga Seltenheitswert hat.

"Wir haben ein Gespür für den anderen entwickelt, irgendwann auch die Denkweise des anderen verfolgt. Das ist etwas Besonderes gewesen", sagte Schaaf. Ein bisschen klang er wie einer, der melancholisch auf seine Ehe zurückblickt, nachdem er verlassen wurde. Und ein bisschen muss es sich für Schaaf auch so anfühlen.

Ihre berufliche Ehe bei Werder hatten sie erst im Dezember 2011 gemeinsam verlängert, Allofs war sogar maßgeblich daran beteiligt, dass sich Schaaf dazu entschied, bei Werder weiterzumachen. Und dann machte sich Allofs einfach von heute auf morgen aus dem Staub. "Es ist ihm schwergefallen, mir seine Entscheidung mitzuteilen, ja. Ich habe das gemerkt", sagte Schaaf. Und beide kennen sich zu gut, als dass er nicht wusste, dass es keinen Sinn hatte, Allofs irgendwie zum Bleiben zu bewegen. Die Entscheidung war endgültig.

Suche nach dem neuen Vertrauten

Doch Schaaf war enttäuscht. Schließlich hatten sie gemeinsam den Neuaufbau der Bremer Mannschaft geplant, es war ein gemeinsames Ja zu Werder gewesen. "Vor einer Vertragsverlängerung überlegt man natürlich, wie lange man den Weg schon zusammen geht. Und natürlich auch, bei welchem Arbeitgeber. Wenn man sich dann darauf einigt, das Ganze nochmal anzupacken, dann ist das schon eine wichtige Entscheidung, über die ich mir ganz genau Gedanken gemacht hatte", sagte Schaaf. Er muss sich von seinem Partner hintergangen fühlen, der ihn nun so im Stich gelassen hat. Tut er aber nicht.

"Ich hatte mir auch etwas anderes vorgestellt. Aber im Fußball gibt es immer Veränderungen", sagte Schaaf. Dass er Allofs nun nach Wolfsburg folgt, schloss er mit einem kategorischen "Nein" aus, "das ist kein Thema". Ob es im Sommer eins werden könnte, sagte Schaaf zwar nicht. Doch mit seinem Nachsatz: "Es ist eine Entscheidung von Klaus Allofs, nach Wolfsburg zu gehen", machte er zumindest klar, dass das nicht für ihn gilt.

Schaaf, der Zurückgelassene, muss zunächst einmal eine viel wichtigere Aufgabe stemmen: einen neuen Partner, einen neuen Vertrauten zu finden. "Ob das überhaupt geht, das wird sich herausstellen", sagte Schaaf mit Zweifel in der Stimme.

Aufsichtsratsboss Willi Lemke hatte seinem Trainer ein Mitspracherecht eingeräumt, wenn es um die Besetzung des neuen Manager-Postens ginge. Vermutlich eher aus der Sorge heraus, Schaaf könne auch noch das Weite suchen. Danach sieht es momentan nicht aus. Doch bei Werder liegt in diesen trüben Novembertagen noch vieles im Nebel.

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