Bundesliga - Reuter: Trainingsplatz statt Skipiste

Normalerweise hätte Stefan Reuter in den vergangenen Tagen auf Ski gestanden. Seine Ski allerdings hat er kurz nach Weihnachten "gleich wieder in die Ecke gestellt" und seine Ski-Klamotten "in die Waschküche" geschmissen. Der abstiegsbedrohte FC Augsburg hatte sich am 23. Dezember von Jürgen Rollmann getrennt, Reuter, kurz zuvor schon kontaktiert, übernahm mehr oder weniger von jetzt auf gleich.

Und er stürzte sich in die Arbeit. In den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr "war ziemlich viel los bei mir", berichtete er am Donnerstag bei seiner offiziellen Vorstellung.

In Kitzbühel, wo er kurz Urlaub machte, hat er von den beiden Branchengrößen Borussia Dortmund und Bayern München die Manager Michael Zorc und Matthias Sammer getroffen. Auch der ehemalige Mitspieler Jürgen Klinsmann hat sich gemeldet - Augsburg hat einen Amerikaner verpflichtet.

"Der Weihnachtsurlaub ist kurz ausgefallen", erklärte der neue Geschäftsführer Sport. Neben Reuter saß der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Bircks, und der wirkte erleichtert. "Wir sind froh, dass es so kurzfristig geklappt hat", sagte er. Warum es nicht gleich Reuter geworden ist vor gut drei Monaten, sondern der geschasste Rollmann?

"Wir haben gedacht, wir können uns ihn nicht leisten", sagte Bircks mit einem etwas verlegenen Lächeln.

Reuter: "Keine Nachlässigkeiten erlauben"

Immerhin ist Reuter genug Zeit geblieben, sich erste Gedanken zu machen über den FCA. Mit Trainer Markus Weinzierl hat er sich schon getroffen, sie haben dabei über "Gott und die Welt" geredet. Reuter sieht in der Mannschaft des Tabellenvorletzten, dem zehn Punkte zum Nichtabstiegsplatz, aber immerhin nur drei bis zum Relegationsplatz fehlen, "Potenzial". Und zwar "auf alle Fälle so viel, dass man die Klasse halten kann."

Reuter ist offensichtlich klug genug zu wissen, dass er mehr nicht sagen muss. Oder sollte. Kämpferische Parolen verkniff er sich. Er hat den FC Augsburg ab und an spielen sehen in dieser Saison, und er hat mitbekommen, dass die Mannschaft "oft gut gespielt hat" und "mithalten konnte" - aber viel mehr halt nicht. Die Analyse von Reuter endete in der Feststellung: "Wir dürfen uns keine Nachlässigkeiten erlauben." Heißt: Kleinste Fehler sind fatal.

Der FC Augsburg hat viele kleine Fehler gemacht, und weil er in der Hinrunde in 17 Spielen nur zwölf Tore geschossen hat, waren diese Fehler auch nicht auszugleichen. Abhilfe schaffen soll in der Rückrunde Dong-Won Ji (21), südkoreanischer Nationalspieler, erst mal ausgeliehen vom englischen Premier-League-Klub AFC Sunderland. Dazu kommt Abwehrspieler Michael Parkhurst (USA). Weitere Transfers will Reuter "nicht ausschließen", obwohl er Wintertransfers nicht mag.

Viel Arbeit für Reuter - 16 Verträge laufen aus

In seiner ersten Ansprache an die Mannschaft hat Reuter auch der Mannschaft mitgeteilt, dass der FC Augsburg vor einer "schwierigen Aufgabe steht", dass deshalb volle Konzentration gefordert sei, dass "jeder an seiner Grenzen gehen muss" und sich "keiner hängen lassen darf".

Ein Druckmittel für Reuter: Viele Spieler müssen sich in der Rückrunde zeigen, immerhin 16 Verträge laufen aus. Das ist freilich auch "ein Berg" voll Arbeit, wie Reuter erkannt hat.

Statt auf der Skipiste wird Reuter in Zukunft unter anderem auf dem Trainingsplatz stehen. Er will nah an der Mannschaft sein, ganz nah. "Es ist wichtig, eine Mannschaft ganz klar zu führen, dass alle an einem Strang ziehen, dass man geschlossen auftritt", sagte der 44 Jahre alte 69-malige Nationalspieler. Und dazu werde er "sicher das eine oder andere Mal in Trainingsklamotten zu sehen sein".

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