Bundesliga - Ein Raubtier in Fußballschuhen

Robert Lewandowski hatte sein kanariengelbes Trikot bereits bis zur Höhe des Bauchnabels angelupft, aber dann ließ er das Textil doch wieder sinken. Und Arkadiusz Milik, Leverkusener Einwechselspieler und 18-jähriger Sturmkollege von Lewandowski im polnischen Nationalteam, ging zu seiner großen Enttäuschung leer aus.

So wie seine Mannschaft beim spektakulären Duell der beiden Vizemeister-Kandidaten, in dem vor allem ein Mann einmal mehr seinen aktuell unschätzbaren Wert für Meister Dortmund unter Beweis stellte: Robert Lewandowski.

Als er einem polnischen Radiosender nach Spielschluss geduldig alle Fragen beantwortete, trug der 24-Jährige noch immer sein BVB-Trikot am Leib und noch immer sein freundlich-neutrales Lächeln im Gesicht. Mit dieser für ihn typischen Haltung verweigert Lewandowski seit Wochen auch jede Aussage über seine Zukunft bei den Westfalen.

Im Sommer 2014 läuft der Vertrag des Angreifers bei der schwarz-gelben Borussia aus, und erst kürzlich betonte Trainer Jürgen Klopp, dass er den spielstarken Stürmer gerne noch länger an den Verein binden würde.

Der Wert steigt und steigt und steigt

Der Marktwert des gebürtigen Warschauers liegt inzwischen bei 28 Millionen Euro. Am meisten Ausdauer unter Europas interessierten Topklubs zeigte in der jüngeren Vergangenheit Manchester United, doch auch Bayerns künftiger Chefcoach Pep Guardiola soll an einer ballsicheren Offensivkraft wie Lewandowski Geschmack gefunden haben.

Bei der Partie in Leverkusen dürfte die Fangemeinde des 50-maligen Nationalspielers nun weiter angewachsen sein. Schließlich war Dortmunds Nummer neun beim 3:2 in der BayArena nicht nur der ruhige, unaufgeregte Pol im Angriffsspiel der Gäste, sonder nebenher auch an allen Borussen-Treffern beteiligt.

Vorlegen und abschließen

Das frühe 1:0 durch Marco Reus bereitete er geistesgegenwärtig mit einem zauberhaften Pass vor, vor dem ebenfalls frühen Elfmetertor seines Landsmanns Jakub Blaszczykowski war er von Bayer-Keeper Bernd Leno im Strafraum gefoult worden - und für das Siegtor nach gut einer Stunde sorgte Lewandowski dann höchstpersönlich, als er einen missratenen Rückpass des Leverkuseners Philipp Wollscheid im Stile eines gnadenlosen Pumas ausnutzte.

Die geschmeidige, raubtierhafte Spielweise des schlanken Goalgetters, der im arbeitsintensiven Spiel der Klopp-Elf auch zuverlässig seine Defensivaufgaben erledigt, hat Robert Lewandowski mittlerweile zu einer fast unentbehrlichen Kraft im BVB-Gefüge gemacht.

"Seitdem er bei uns zum Stürmer Nummer eins geworden ist, wird er immer besser", goutierte Linkverteidiger Marcel Schmelzer die Leistung des Polen nach Borussias Sprung auf Platz zwei, vorbei an Leverkusen. Und selbst der mit Lobeshymnen sonst eher sparsame Hans-Joachim Watzke raffte sich zu einer ultimativen Würdigung Lewandowskis auf.

Besser geht's nicht!

"Besser als er heute, kann man nicht spielen“, behauptete der BVB-Boss steif und fest über den Mann, der sich in der Scorerliste jetzt auf Platz zwei hinter Münchens Thomas Müller (elf Tore, zehn Assists) eingeklinkt hat. Auf 13 Treffer und sechs Torvorlagen kommt Lewandowski seit dem frühen Sonntagabend - exakt dieselben Werte wie Leverkusens Stefan Kießling, der dafür aber ein Spiel mehr gebraucht hat als der Dortmunder. Zudem blieb dem ein weiterer Assist verwehrt, weil Blaszczykowski den zweiten an Lewandowski verursachten Strafstoß verschoss.

"Jetzt ist ein anderer als Schütze dran", bot Blaszczykowski postwendend an. Eine Offerte, bei der eine Raubkatze in Fußballschuhen, gleich neben ihm, sofort die Ohren spitzte. "Ich war bereit und wollte schießen, aber Kuba hat sich sicher gefühlt“, erzählte Robert Lewandowski mit seinem undurchdringlichen Schmunzeln auf den Lippen, ehe er mutmaßte: "Vielleicht bin ich ja beim nächsten Mal dran."

Dann machte er sich auf den Weg in die neue Woche, in der ein Länderspiel mit Polen in Irland ansteht. Ebenso wie für den Neu-Leverkusener Arkadiusz Milik – und vielleicht gab es das begehrte Lewandowski-Trikot für den jungen Mann ja nachträglich, auf der Reise nach Dublin.

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