Bundesliga - Wer macht den Hecking in Nürnberg?

Nach dem Abgang von Dieter Hecking will der 1. FC Nürnberg bis zum Trainingsstart am 3. Januar seinen neuen Trainer präsentieren. Im Gespräch sind neben U23-Coach Michael Wiesinger ein Weltfußballer und einer, der neun Jahre lang beim FC Bayern in der Jugendabteilung sein Handwerk lernte. Es könnte aber auch zu einem Tauschgeschäft mit Wolfsburg kommen.

Eigentlich hätte FCN-Sportdirektor Martin Bader nicht damit gerechnet, dass eine Trainersuche zwischen den Jahren nötig würde. Doch nachdem Hecking ihm am Donnerstag mitteilte, dass es Gespräche mit Wolfsburg gibt, bekam Bader viel zu tun. Dieter Hecking "auch emotional zu packen", sei ihm in den vergangenen Tagen das größte Anliegen gewesen. Auch eine Vertragsverlängerung mit Gehaltserhöhung bot Bader an, aber er habe "schnell gemerkt, dass das keinen Sinn hat". Nun also werden die Feiertage für Bader und seine Mitarbeiter beim "Club" zu Arbeitstagen. Die folgenden Männer könnten in diesen Tagen in Telefon-Kontakt mit dem Sportdirektor stehen:

Michael Wiesinger (39 Jahre, 1. FC Nürnberg II): Es wäre zweifelsohne die vorerst bequemste Lösung für den "Club". Wiesinger trainiert aktuell die zweite Mannschaft des 1. FC Nürnberg und liegt mit dieser auf einem respektablen fünften Platz in der Regionalliga Bayern. Zwischen November 2009 und November 2010 schnupperte Wiesinger Zweitliga-Luft als Trainer des FC Ingolstadt. Bader kann sich den 39-Jährigen als neuen Chefcoach der ersten Mannschaft jedenfalls vorstellen. "Er ist zumindest eine sehr gute Alternative, sonst würde er nicht bei uns im Verein arbeiten. Es wäre ja absurd, wenn wir Trainer im Nachwuchsbereich hätten, denen wir nicht auch vertrauen", so Bader gegenüber "Sport1". Und Wiesinger selbst sagt gegenüber "Sky": "Ich würde mir die Rolle als Nachfolger von Hecking zutrauen." Wahrscheinlichkeit: 30 Prozent

Lorenz-Günther Köstner (60 Jahre, VfL Wolfsburg II): Es klingt zu einfach, doch es ist trotzdem möglich. Köstner arbeitet zwar seit 2009 in Wolfsburg für die Reserve, hat nach dem Magath-Aus aber schon zum zweiten Mal Bundesliga-Luft beim VfL geschnuppert und ist momentan dementsprechend hoch im Kurs. Hinzu kommt, dass Nürnberg dank Hans Meyer und dem Pokalsieg 2007 gute Erinnerungen an erfahrene Trainer hat und Köstner als gebürtiger Franke auch regionalen Bezug zum "Club" hat. Wahrscheinlichkeit: 20 Prozent

Heiko Vogel (37 Jahre, vereinslos): Als Thorsten Fink im Oktober 2011 dem Ruf aus Hamburg folgte und sich dem HSV als neuer Coach anschloss, rückte der bisherige Co-Trainer Heiko Vogel auf und avancierte zum neuen Chef-Trainer des FC Basel. Mit dem FCB gewann der 37-Jährige 2012 die Meisterschaft, musste aber nach miserablem Saisonstart im Oktober dieses Jahres seine Koffer packen. Seither wird der ehemalige Jugend-Trainer des FC Bayern München mit diversen Bundesliga-Vereinen in Verbindung gebracht. Der "kicker" nannte ihn auch schon als potenziellen Nachfolger für den beim FC Augsburg in der Kritik stehenden Markus Weinzierl. Wahrscheinlichkeit: 15 Prozent

Lothar Matthäus (51 Jahre, vereinslos): Oft belächelt und unterschätzt ist der Weltfußballer von 1991 inzwischen durchaus ein interessanter Kandidat für einen Trainerposten in der Bundesliga. Gegen Matthäus spricht zwar, dass er keinen Job als Coach besonders lange innehatte, doch der Rekordnationalspieler wird trotzdem seit Jahren immer wieder gehandelt, wenn in Deutschland eine Stelle vakant wird. Wie Köstner ist auch er Franke und würde schon daher gut zum "Club" aus Nürnberg passen. Wahrscheinlichkeit: 10 Prozent

Thomas Doll (46 Jahre, vereinslos): Die Trainerkarriere von Thomas Doll begann furios. Er machte aus dem Abstiegskandidaten HSV im Jahr 2005 ein Spitzenteam und wechselte später nach Dortmund. Doch dann ging es bergab - sein Ruf wurde immer schlechter. Durch seinen Abschied in die Türkei und nach Saudi-Arabien entzog sich Doll vier Jahre lang der Schussbahn deutscher Medien. Jetzt ist er seit Januar ohne Verein, weil er in Riad nach einem Streit mit dem Sportdirektor zurücktrat. Erfolglos war Doll in Saudi-Arabien aber nicht - er holte im Schnitt 2,2 Punkte pro Spiel. Zeit für eine zweite Chance in der Bundesliga? Wahrscheinlichkeit: 3 Prozent

Ralf Rangnick (54 Jahre, Sportdirektor Red Bull Salzburg und RB Leipzig): Rangnick trat im September 2011 von seinem Posten als Schalke-Trainer wegen eines Burnouts zurück. Nach intensiver Erholung wechselte der 54-Jährige als Sportdirektor zum ambitionierten Konzern Red Bull und ist sowohl für den Regionalligisten RB Leipzig sowie Österreichs Erstligisten Red Bull Salzburg verantwortlich. Rangnicks Vertrag läuft noch bis zur Saison 2015. Leipzig befindet sich momentan auf Aufstiegskurs gen dritte Liga, Salzburg kämpft in Österreich als Zweitplatzierter um die Meisterschaft. Bislang gibt es keinerlei Äußerungen Rangnicks, dass er mit seinem Posten als Sportdirektor unzufrieden sei. Sollte dies sich ändern und er wieder ins Trainer-Geschäft einsteigen wollen, wäre Nürnberg eine passende Alternative. Dennoch ist ein Wechsel momentan unwahrscheinlich. Wahrscheinlichkeit: 2 Prozent

Wahrscheinlichkeit aller anderen Alternativen: 20 Prozent

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