Bundesliga - Kanzler Kohl stoppte Sammer-Transfer

Als am 9. November 1989 die Berliner Mauer fiel, war Reiner Calmund Manager bei Bayer Leverkusen. Und er erkannte schnell, wie viel gute Kicker es in der damaligen DDR-Oberliga gab. Also versuchte Calmund, die Besten für Bayer zu begeistern. Andreas Thom (BFC Dynamo), Ulf Kirsten und Matthias Sammer (beide Dynamo Dresden) unterschrieben - doch ein Mann hatte damit ein Problem: Helmut Kohl!

"Jeder sollte ein Monatsgehalt von 12.000 Mark bekommen. Dazu eine Jahresprämie von 150.000 Mark und eine Erfolgsprämie von ca. 100.000", berichtete Calmund. Am Ende aber landeten nur Kirsten und Thom in Leverkusen, Sammer blieb vorerst in Dresden - aus politischen Gründen.

"Ende November 1989 war der Kanzler dann in Dresden. Und da hieß es dann: Bayer darf und soll nicht den ganzen Osten leer kaufen", erklärte Sammer. Und auch bei Bayer Leverkusen selbst intervenierte Kohl.

"Er schaltete sich ein, teilte im November der Bayer AG mit, dass das nicht gehe, dass ein deutscher Weltkonzern alle Spieler aus dem Osten hole. Und darum gebeten, dass doch sein zu lassen. Da blieb uns nicht anderes übrig", beschrieb Calmund gegenüber der "Bild" die damaligen Ereignisse.

"Hiermit ist der Vorvertrag zerrissen"

Sammer selbst hatte danach auch kein gutes Gefühl mehr bei der Sache. "Bei mir hatte sich auch schon das Gefühl verfestigt: Ich möchte das nicht machen. Und Calli hat dann gesagt: Hiermit ist der Vorvertrag zerrissen."

Und so ging der heutige Bayern-Sportchef 1990 zum VfB Stuttgart - eine gute Wahl. "Stuttgart war für mich eine ganz, ganz wichtige Zeit. Ich habe dort mein großes Glück gefunden", erklärte Sammer, der in der Schwaben-Metropole seine Frau Karin kennenlernte.

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