Bundesliga - Kaltz: "Erkenne beim HSV kein System"

Manfred Kaltz, erfolgreichster Spieler in der 126-jährigen Geschichte des Hamburger SV, feiert seinen 60. Geburtstag. Im Interview kritisiert der Europameister von 1980 die aktuelle Situation beim HSV, lobt die spielerischen Fortschritte in der Nationalmannschaft unter Bundestrainer Joachim Löw und wünscht sich ein nachträgliches Abschiedsspiel - aber erst mit 75.

Herr Kaltz, Sie feiern am Sonntag im hessischen Bad Wildungen bei einem Hallenturnier ihren 60. Geburtstag. Eine Ehrung seitens des Hamburger SV, für den Sie binnen 20 Jahren 568 Bundesligaspiele absolviert haben, ist nicht geplant. Enttäuscht?

Manfred Kaltz: Ich habe nichts anderes erwartet, also kann ich auch nicht enttäuscht sein. Bei meinem 50. Geburtstag war es ja nicht anders. Man wird schon seine Gründe für dieses Verhalten haben. Aufregen werde ich mich darüber nicht. Vielleicht bekomme ich ja doch noch irgendwann ein Abschiedsspiel - das wünsche ich mir dann zum 75. Geburtstag.

Wie beurteilen Sie die aktuelle sportliche Situation beim HSV und die Entwicklung bei der deutschen Nationalmannschaft, für die Sie immerhin 69 Partien bestritten haben?

Kaltz: Ich kann leider beim HSV kein System erkennen. Von den Möglichkeiten her müsste der Verein kontinierlich zu den Top Fünf der Liga gehören, aber danach sieht es nicht aus. Eine Meisterschaft ist meilenweit weg. Bei der Nationalmannschaft hat es unter Joachim Löw deutliche spielerische Fortschritte gegeben. Nun muss man aber auch einmal einen Titel gewinnen.

Spielerische Fortschritte hat sich auch der HSV von der Verpflichtung von Rafael van der Vaart versprochen. Sie waren von Beginn an gegen diesen Transfer. Warum?

Kaltz: Wenn man ständig betont, dass man auf junge, entwicklungsfähige Spieler und Modernisierung setzt, macht man sich mit einer solchen Einkaufspolitik unglaubwürdig. Natürlich ist van der Vaart ein Superspieler, aber er ist eben auch teuer und überdies fast am Ende seiner Karriere angekommen. Und viele haben auch nicht vergessen, dass es einmal eine Zeit gab, in der er den HSV unbedingt sofort verlassen wollte.

Sie hingegen haben dem HSV erst nach 19 Jahren zu einem kurzen Gastspiel in Frankreich den Rücken gekehrt. Weshalb diese Vereinstreue?

Kaltz: Lange Zeit wollte ich auf jeden Fall in Deutschland bleiben, aber wohin hätte ich denn gehen sollen? Ich spielte doch schon in der besten deutschen Mannschaft. Später hat mich dann Italien gereizt, aber die Plätze waren rar. Erst war nur ein Ausländer pro Mannschaft erlaubt, später dann zwei.

In Erinnerung behalten wird man ihre Bananenflanken von rechts, die meist Horst Hrubesch per Kopf verwandelte. Wie ist es zu dieser "Erfindung" gekommen?

Kaltz: Das hat sich anfangs einfach so ergeben, später haben wir das schon gezielt geübt. Unser Trainer Ernst Happel hatte ein Auge für so etwas. Am meisten gelernt habe ich aber von Branko Zebec, auch wenn sein Training manchmal fast unmenschlich war.

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