Bundesliga - Ignjovski exklusiv: "Wir sind unberechenbar"

Aleksandar Ignjovski ist ein Kämpfer, muss er auch sein. Der 21-Jährige hat derzeit beim SV Werder Bremen einen schweren Stand. Im Interview der Woche mit eurosport.yahoo.de spricht Ignjovski über seine Chancen auf einen Platz in der Stammformation, die Gründe für den Bremer Höhenflug und die Arbeitsweise von Trainer Thomas Schaaf.

Das Interview führte Ljubo Herceg

Herr Ignjovski, Werder spielt endlich wieder ansehnlichen Fußball - woran liegt das?

Aleksandar Ignjovski: Nach der schweren letzten Saison haben wir wieder Spaß am Fußball und eine gute Truppe beisammen. Vor allem offensiv sind wir unberechenbarer - die Neuzugänge Elia, de Bruyne, Petersen aber auch Arnautovic wissen alle, wo das Tor steht.

Dabei befindet sich die Mannschaft im großen Umbruch und stellt mit einem Durchschnittsalter von 23,1 Jahren eine der jüngsten Bundesliga-Mannschaften.

Ignjovski: Ja, wir sind recht jung, doch wir haben auch Spieler wie Kapitän Fritz und Hunt, die uns führen. Es heißt nicht gleich, dass eine junge Mannschaft keinen Erfolg haben kann, auch wenn Sie nicht so erfahren ist. Das beste Beispiel ist Aaron, der einen großen Schritt in seiner Entwicklung gemacht hat und nun mit 26 Jahren als einer der Ältesten das Team führt.

Wie denken Sie über den Weggang von Klaus Allofs nach Wolfsburg?

Ignjovski: Es ist natürlich schade, dass er den Verein verlassen hat. Ich wünsche ihm auf seinem weiteren Weg alles Gute.

Wieso ist Bremen in dieser Saison stärker als im Vorjahr, als man nur Neunter wurde? Und das obwohl erfahrene und altgediente Werder-Spieler wie Pizarro, Marin, Borowski, Naldo sowie Wiese und etliche mehr den Verein verließen?

Ignjovski: Natürlich war und ist es schade, dass Bremen gute Spieler ziehen lassen musste. Doch ein Hunt oder Sokratis wären vielleicht nicht so in die Verantwortung genommen worden, wenn die alten Führungsspieler Wiese, Naldo oder Pizarro noch da wären. Spieler kommen und gehen, doch dadurch können andere Spieler aufrücken, ihre Chance ergreifen und sich in den Vordergrund spielen. Die Mannschaft sortiert und orientiert sich neu. Sehen sie nur, wie Hunt die Mannschaft gegen Mainz mitgerissen und uns zum Sieg geführt hat - das verdient Respekt.

Doch was macht den neuen Bremer Teamgeist aus?

Ignjovski: Wir sind eine junge Truppe, die sich auf und neben dem Platz gut versteht. Es gibt keine Grüppchenbildung - wir unternehmen viel zusammen und haben durch die Altersstruktur auch viele Gemeinsamkeiten. Das schweißt zusammen. Zudem herrscht eine gewisse Aufbruchsstimmung, die einen umso mehr motiviert.

Welchen Einfluss hat dabei Thomas Schaaf?

Ignjovski: Der Trainer und der Verein haben den eingeschlagenen Weg vorgegeben und wir als Mannschaft wollen das bestmöglich umsetzen. Trainer Schaaf setzt beim Umbruch auf uns junge Spieler und lässt so eine neue Hierarchie entstehen.

Hat sich Schaaf verändert? Wird im Training anders gearbeitet?

Ignjovski: Nein, das würde ich nicht so sagen. Aber natürlich hören wir jungen Spieler genauer hin, wenn ein erfahrener und erfolgreicher Trainer positive wie negative Kritik an einem selbst äußert. Man will sich ja verbessern. Der Umbruch ist zwar nicht einfach, doch der Trainer geht sehr positiv an die Herausforderung heran und strahlt das auch auf die Mannschaft aus. Über allem steht für ihn der Teamgeist, den er in jedem Training und bei jedem Spiel einfordert.

Oder liegt es an der Systemumstellung von der Raute zum 4-1-4-1 oder 4-3-3-System?

Ignjovski: Das neue System passt sehr gut zur neuen Mannschaft. Wir müssen zwar noch an der Balance zwischen Offensive und Defensive arbeiten, es mehr verinnerlichen, doch wenn wir wie gegen Gladbach alle mitarbeiten, rennen und kämpfen, alles geben - dann sind wir schwer zu bezwingen. Wir Spieler finden das System klasse.

Während Schaaf in der vergangenen Saison stark auf Sie baute (26 Einsätze), haben Sie bislang nur am ersten Bundesliga-Spieltag gespielt sowie beim Pokal-Aus. Seitdem saßen Sie nur auf der Bank oder gar auf der Tribüne.

Ignjovski: Ja, das ist nicht gerade einfach für mich, aber ich akzeptiere die Entscheidung des Trainers und biete mich weiterhin in jedem Training an. Ich gebe nicht auf und werde immer alles für das Team geben. Ich bin ein Kämpfer.

Liegt es vielleicht daran, dass Sie keine feste Position haben und mal links oder gar rechts hinten spielen sowie im defensiven Mittelfeld?

Ignjovski: Vergangene Saison lief es super für mich, überraschend gut, wenn man bedenkt, dass ich aus der 2. Liga von 1860 München zu einem großen Klub, wie Werder es ist, gekommen bin. Darüber hinaus war es eine schwere Zeit und trotzdem habe ich gespielt - und das gibt mir auch Hoffnung für jetzt.

Ihre Allround-Qualitäten sind in diesem Falle eher ein Nachteil. Ihre Lieblingsposition ist aber die des Abräumers vor der Abwehr. Sollten Sie die Position nicht mehr einfordern?

Ignjovski: Sehen Sie, letztes Jahr war es ein Vorteil, weil ich auf vielen Positionen spielen konnte, und dieses Jahr ist es vielleicht eher ein Nachteil. Trotzdem respektiere ich die Entscheidung des Trainers.

In der serbischen Nationalmannschaft (Foto) spielen Sie ausschließlich als Sechser und sind trotz ihres jungen Alters Stammspieler?

Ignjovski: Das ist auch meine Lieblingsposition, aber selbst ein Philipp Bargfrede ist nur Reservist, da momentan Zlatko Junuzovic schwer aus der ersten Elf zu verdrängen ist. Der Konkurrenzkampf ist hoch und zwingt einen, immer Gas zu geben, denn wenn man eine Chance bekommt, muss man sie auch nutzen.

Während auf den offensiven Positionen die fünf Plätze so gut wie fix sind, wurde in der Verteidigung viel gewechselt. Doch erst wurde Fritz Ihnen hinten links vorgezogen, jetzt Schmitz - wie wollen Sie wieder ins Team kommen?

Ignjovski: Trainieren, trainieren und noch mehr trainieren. Meine Chance wird kommen.

Die Neuzugänge haben bislang überzeugt: Petersen, Elia, de Bruyne, Selassie - hat Klaus Allofs wieder sein berüchtigtes Händchen gefunden?

Ignjovski: Das Gute in Bremen ist, dass man hier in Ruhe arbeitet und nicht in Hektik verfällt. Und die Arbeit von Herrn Allofs sollte man nicht nur an ein paar Transfers beurteilen, sondern am Gesamten - Allofs und Schaaf sind schon mehr als ein Jahrzehnt im Verein, und verkörpern das, was Werder ist. Ein sehr gut geführter Verein, der zu den Top-Klubs in der Bundesliga gehört. Daher habe ich keinerlei Bedenken, dass Bremen sich oben wieder festsetzen wird. Aber ganz klar, die Neuzugänge sind ein Gewinn für Bremen.

Die Skepsis vor der Saison war aber groß ob des totalen Umbruchs. Hat das Team daher gesagt: Jetzt erst recht!

Ignjovski: Wir schauen nur nach uns. Sollen die anderen doch schreiben und denken, was sie wollen. Abgerechnet wird am Ende der Saison. Wir haben uns als Mannschaft ein Ziel gesetzt und dafür geben wir alles.

Und wie lautet das Ziel? Was ist in dieser Saison möglich - Europa?

Ignjovski: Wir wollen in die Europa League, ganz klar.

Ihr Freund und ehemaliger Mitspieler Marko Marin kam bei Chelsea auch noch nicht so oft zum Einsatz. Haben Sie zu ihm noch Kontakt, seitdem er in London spielt?

Ignjovski: Ja, natürlich. Wir telefonieren häufig oder halten übers Internet Kontakt. Er war lange verletzt, kämpft sich aber nun langsam an die Mannschaft heran. Marko wird das schon packen, die nötige Qualität bringt er auf jeden Fall mit.

Herr Ignjovski, vielen Dank für das Interview.

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