Bundesliga - Holtby exklusiv: "Kopf sollte frei sein"

Lewis Holtby verlässt am Ende der Saison Schalke in Richtung Premier League, wo er sich seinen großen Traum erfüllen will. Im Exklusiv-Interview mit Eurosport spricht der Mittelfeld-Stratege über seine Entscheidung für Tottenham Hotspur und die Schalker Krise in der Liga.

Lewis Holtby, Sie hatten sich früh entschieden, den Vertrag bei Schalke 04 nicht zu verlängern. Warum?

Lewis Holtby: Ich wollte dem Verein frühzeitig klarmachen, wohin es geht, auch aus Respekt. Zudem sollte der Kopf auch frei sein. Das ist für mich und den Verein wichtig.

Und was gab den Ausschlag für Tottenham?

Holtby: Ich bin davon überzeugt, dass das Gesamtpaket aus Trainer, Verein, Spielern und Umfeld einfach zu meinem Traum passt und zu dem, was ich mir von der Premier League vorstelle. Ich habe ja gesagt, dass ich die Premier League schon als Kind verfolgt habe. Das war aufgrund der Herkunft meines Vaters sehr naheliegend. Ich möchte mir Träume erfüllen und das ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Ich verlasse die Bundesliga auch nicht gerade mit wenigen Spielen, für mein Alter ist das schon ganz ordentlich. Es ist vielleicht eine mutige Entscheidung, aus meiner Sicht aber die richtige. Ich bin Schalke dankbar, dass ich die Chance hatte, auf diesem Topniveau zu spielen, um mich so weiterzuentwickeln, dass es für meinen Traum reicht.

Welche Rolle hat Steffen Freund bei Ihrem Wechsel zu den Spurs gespielt?

Holtby: Direkt über den Wechsel habe ich nicht mit ihm gesprochen. Aber es ist natürlich schön für mich, in dem Verein auch einen deutschen Ansprechpartner zu haben. Er ist ein sehr guter Trainer und Co-Trainer. Mit André Villas-Boas ist dort zudem natürlich ein Trainer der Extraklasse. Ich freue mich auf diese Herausforderung. Aber ich gebe davor natürlich noch alles für Schalke, um unsere Ziele zu erreichen.

Wie schwierig ist es bei Schalke, sich in so kurzer Zeit an einen neuen Trainer zu gewöhnen?

Holtby: Ich hatte ja schon einige Trainer in meiner kurzen Zeit als Profi. Man muss selbst persönlich seine fußballerische Bestleistung auf dem Platz abrufen und dabei authentisch bleiben, was ich auch immer war. Alles andere kommt dann. Es werden natürlich zwischen Trainer und Spielern Gespräche geführt und dann versucht man, sein Bestes für die Spiel-Philosophie zu geben. Ich bin auch davon überzeugt, dass der Trainer hier einen guten Schritt machen wird.

Was wird Jens Keller verändern?

Holtby: Es gibt für die Spieler neue Chancen. Die Spieler in der zweiten Reihe fangen bei null an und haben die Chance, sich aufzudrängen. Die Handschrift wird sich noch abzeichnen.

Was habt Ihr aus dem Ende der Rückrunde gelernt, was man nun besser machen kann?

Holtby: Wir könnten mal wieder punkten und siegen (lacht). Den Glücksmoment durch Siege haben wir schon lange nicht mehr gehabt. Wenn sich das dann so durchschleppt, dann gibt es einen Knackpunkt im Unterbewusstsein. Man vertraut dann nicht mehr so den Dingen, die man davor immer gemacht hat. Wir arbeiten jetzt daran, dass wir da anknüpfen, wo wir angefangen haben. Wir wissen, dass wir es können. Jetzt müssen wir es nur auf dem Platz zeigen.

Wieso lief es in der Champions League so gut und in der Bundesliga so schlecht?

Holtby: Das kann ich leider nicht beantworten, obwohl ich es gerne könnte. Aber so ist das eben im Leben, man hat nicht zu jeder Frage eine Antwort. Man kann nur versuchen, diese Blockade abzuarbeiten. Wir versuchen, uns als Mannschaft aus dieser Misere rauszukämpfen. Der Teamgeist war immer hoch. Wir müssen an unsere Stärken glauben. Alles andere kann man nicht beurteilen, sondern muss es mit seinem Kopf, seinem Herzen und seinen Beinen entscheiden.

Quizaction - Testen Sie Ihr Sportwissen