Bundesliga - Hildebrand: Zurück vom "Höllenritt"

Er rockte unter Felix Magaths "jungen Wilden" die Liga, wurde Nationaltorwart und mit Stuttgart 2007 Deutscher Meister. Timo Hildebrand erlebte sämtliche sportlichen Höhen, um anschließend umso tiefer zu fallen. Seine Entscheidung, den VfB zu verlassen, erwies sich als sein schlimmster sportlicher Fehler. Auf Schalke bekam Hildebrand eine neue Chance, an die er wohl selbst nicht mehr glaubte.

Es geschieht nicht oft, dass ein 0:0 - insbesondere zwischen dem VfB Stuttgart und dem 1. FC Köln - in die Bundesliga-Geschichtsbücher eingeht.

Am 4. Oktober 2003 war dies anders: Um exakt 17:03 Uhr brandete damals bei den Zuschauern tosender Jubel auf, der in erster Linie Timo Hildebrand galt. 803 Minuten lang griff der damals 24-Jährige nicht mehr hinter sich und löste damit den Bundesliga-Rekord von Oliver Kahn ab.

Erst ein irregulärer Treffer von Werder Bremens Angelos Charisteas stoppte Hildebrands Weltrekord-Jagd bei 884 Minuten. "Eine sensationelle Serie", war auch DFB-Teamchef Rudi Völler damals voll des Lobes.

Deutscher Meister 2007

Weitere Highlights in Hildebrands Karriere ließen nicht lange auf sich warten: Ende 2003 sorgte er mit dem VfB in der Champions League für Furore, 2004 gab er sein Nationalelf-Debüt, stand im selben Jahr im EM-Kader und war Teil des "Sommermärchens" 2006. Mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft 2007 war er auf dem Höhepunkt seines sportlichen Schaffens und auf dem besten Weg, Jens Lehmanns Nachfolger beim DFB zu werden. "Er weiß natürlich, dass seine Zeit spätestens nach der Weltmeisterschaft 2006 kommen kann und kommen wird", machte ihm auch Völler Hoffnung, bald das Bundesadler-Trikot mit der Nummer 1 zu tragen. Doch es sollte anders kommen.

Hildebrand schloss sich nach der Meistersaison ablösefrei dem FC Valencia an - die wohl gravierendste Fehlentscheidung seiner Karriere. In seinem 18 Monate anhaltenden Spanien-Abenteuer wechselte Hildebrand zwischen Tor, Ersatzbank und Tribüne hin und her. "Ich hatte mir es auch anders vorgestellt", blickt der 33-Jährige im Exklusiv-Interview mit eurosport.yahoo.de reumütig zurück. "Ich wollte einfach etwas Neues erleben. Das hat nicht so funktioniert, wie es hätte sein können oder sollen."

Nach seinem Hoffenheim-Intermezzo (Januar 2009 - Juli 2010) wagte Hildebrand einen erneuten Versuch auf der iberischen Halbinsel, kam während seiner Zeit bei Sporting Lissabon aber nur zu drei Pflichtspieleinsätzen. Der Tiefpunkt war erreicht.

Fährmanns Pech ist Hildebrands Glück

Eine schwere Verletzung eines Torwartkollegen bedeutete dann einen erneuten Wendepunkt in Hildebrands Laufbahn. Kurz nach Ralf Fährmanns Kreuzbandriss im Oktober 2011 verpflichtete S04-Manager Horst Heldt seinen ehemaligen Schützling. Und Hildebrand weiß noch immer, was er am FC Schalke hat: "Ich habe jetzt wieder einen Top-Klub und bin einfach nur dankbar, das auf so einem Niveau noch mal erleben zu dürfen. Wenn man mal keinen Verein hatte, dann weiß man das viel mehr zu schätzen."

Doch auch beim Revierklub lief für ihn nicht alles so wie gewünscht. Vor der Saison legte sich Ex-Trainer Huub Stevens auf den 33-Jährigen als Nummer eins fest, bis dieser sich eine Kapselverletzung im rechten Knie zuzog und fast für die gesamte Rückrunde Lars Unnerstall den Vorzug lassen musste.

Schwache Saisonbilanz

Für Stevens-Nachfolger Jens Keller ist der Routinier "die klare Nummer 1". Zum Rückrundenauftakt gegen Hannover 96 schlug es beim Schlussmann allerdings gleich viermal ein - bei vier Schüssen auf sein Tor. Ohnehin ist die Saisonbilanz des gebürtigen Wormsers katastrophal (50 Prozent abgewehrte Torschüsse) und auch schlechter als Unnerstalls (64 Prozent). Für Heldt kein Problem: "Er hat schon in Augsburg eine sehr gute Leistung gezeigt und auch wiederholt gegen Fürth."

Am Samstag gastiert der FC Schalke beim FC Bayern (18:30 Uhr im Liveticker bei eurosport.yahoo.de). Möchten die "Knappen" dort etwas mitnehmen, benötigen sie zweifelsohne einen Hildebrand in Top-Form - wie in der Vorsaison, als er lange Zeit überragend hielt, allerdings das 0:1 durch Frank Ribéry mitverschuldete.

Doch auch wenn Hildebrand mit dem FC Schalke die Partie beim deutschen Rekordmeister verlieren sollte, wird er dies - nach dem "Höllrenritt" (Heldt), den er beruflich durchlebte - richtig einordnen können: Denn dass der 33-Jährige solche Highlights, wie Bundesligaspiele gegen den FC Bayern oder Achtelfinal-Partien der Champions League, als Stammtorwart überhaupt noch mal erleben wird, das hat er vor nicht allzu langer Zeit wohl selbst nicht geglaubt.

VIDEO: Exklusiv: Timo Hildebrand im Eurosport-Interview

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