Bundesliga - Heynckes: Der Bessermacher

Der FC Bayern ist so gut wie Meister. Was spielerisch leicht wirkt, ist tatsächlich harte Arbeit. Dahinter steckt das Verdienst von Trainer Heynckes.

Jürgen Klinsmann ist anno 2008 mit dem ambitionierten Ziel angetreten, jeden Spieler jeden Tag etwas besser machen zu wollen.

Gelungen ist ihm das bekanntlich nicht.

Louis van Gaal verhalf immerhin Holger Badstuber, Thomas Müller sowie David Alaba zum Durchbruch und beorderte Bastian Schweinsteiger auf die Sechser-Position, ehe er sich mit Präsident Uli Hoeneß überwarf.

Doch was Jupp Heynckes seit Sommer 2011 in München geleistet hat, ist unvergleichlich. Unter ihm wurde der Verein tatsächlich besser.

Nach dem 21. Spieltag besticht der Rekordmeister durch eine beängstigende Dominanz und unglaublichen 15 Punkten Vorsprung: Die Frage ist längst nicht mehr, ob der Klub Meister wird, sondern nur noch wann - und wie viele Rekorde dabei gebrochen werden.

"Wir spielen einen Fußball, der selten zuvor beim FC Bayern gezeigt wurde", weiß Heynckes. Noch bringt der 67-Jährige diese schlagkräftigen Aussagen in Nebensätzen unter, seine Stimme ist dabei leise und er fügt sofort kräftiger an: "Erstmal müssen wir etwas gewinnen. Zu großen Mannschaften gehört auch, dass sie Titel gewinnen."

Nur Gewinner unter Heynckes

Sein großes Plus: Die Spieler stehen voll hinter ihrem Trainer. Egal, bei wem man sich im Team umhört, kritische Worte kommen niemandem beim Gedanken an Heynckes über die Lippen. De facto gibt es unter ihnen auch nur Gewinner - vielleicht abgesehen von den Ergänzungsspielern Claudio Pizarro, Diego Contento, Anatoli Timoschtschuk und Rafinha.

Vor allem Toni Kroos, Franck Ribéry, Manuel Neuer, Schweinsteiger, Müller oder Alaba haben unter ihm einen erheblichen Entwicklungssprung vollzogen.

Trotz der Fülle von Stars im Kader gibt es nur leichte Beben der Unzufriedenheit wie bei Arjen Robben. Doch da Heynckes selbst ihm glaubhaft versichern kann, dass er tatsächlich gebraucht wird, zeigte sich der Niederländer nach seinem Einsatz über 90 Minuten gegen Schalke wieder zahm wie ein Lämmchen.

Mario Gomez, der ebenfalls überraschend in die Startelf gerutscht war und das Vertrauen mit einem Tor zurückgezahlt hatte, schwärmte gar: "Der Trainer hat Mut, er hat einen Arsch in der Hose. Ich bin ihm sehr dankbar. Mario Mandzukic hat einen Lauf. So einen Spieler auf die Bank zu setzen, ist nicht einfach. Das zeigt das Profil unseres Trainers."

Ruhe durch Rotation und Moderation

Die Zeit ohne englische Wochen war hart und hat zunehmend Unruhe erzeugt. Bevor es eskalierte, schaffte Heynckes Ruhe - durch Rotation und Moderation. Bei den Spielern kommt seine Art an. Die von Heynckes vorgelebte charakterliche Mischung aus Besessenheit, Akribie, Perfektionismus, Demut und Aufrichtigkeit wurde verinnerlicht.

Zwischen der Mannschaft und ihnen passe kein Blatt, fügte Gomez an.

Wenn die Münchner Titel gewinnen, dann werden sie es auch für Heynckes tun. Denn für ihn ist am Saisonende definitiv Schluss als Coach des FC Bayern. Nicht, weil er nicht mehr will, sondern weil ihm Pep Guardiola vor die Nase gesetzt wurde.

Es ist bekannt und durch Hoeneß bestätigt, dass Heynckes durchaus noch bereit gewesen wäre, ein Jahr dran zu hängen. "Er war vielleicht überrascht über diese Entscheidung. Aber ich glaube, er hat sich jetzt damit prima arrangiert. So wie er arbeitet und die Mannschaft einstellt, spricht ja gar nichts dafür, dass da irgendwelche Dissonanzen da sind", sagte Hoeneß im "Doppelpass".

Guardiola könnte es schwer haben

"Das war eine strategische Entscheidung. Wir konnten Pep Guardiola jetzt kriegen, und wahrscheinlich hätte man ihn die nächsten zehn Jahre nicht mehr kriegen können. So sehr wir mit Jupp Heynckes zufrieden sind, war das für die Zukunft für den Verein die richtige Entscheidung. Das hat mit Jupp Heynckes rein gar nichts zu tun, denn er macht eine sensationelle Arbeit", lobt Hoeneß.

Ob sein Kumpel in Zukunft jedoch auch eine innige Männerfreundschaft zu Karl-Heinz Rummenigge oder Matthias Sammer pflegen wird, muss sich erst noch zeigen.

Eines steht jetzt schon fest: Sollte Heynckes sich mit ein, zwei oder gar drei Titeln verabschieden, könnte das Erbe für seinen Nachfolger nicht schwerer sein.

Besser geht es kaum.

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