Bundesliga - Hammer! HSV schießt BVB ab

Bittere Heimniederlage und Rot gegen Torjäger Robert Lewandowski: Borussia Dortmund wurde vier Tage vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League am Mittwoch bei Schachtjor Donezk kalt erwischt. Mit dem 1:4 (1:2) gegen den Hamburger SV kassierte der deutsche Meister in einer turbulenten Begegnung die dritte Niederlage der Saison im eigenen Stadion und die erste in der Rückrunde.

Die Lehren:

Borussia Dortmund verpatzt die Generalprobe vor dem Achtelfinale der Champions League gegen Schachtjor Donezk am kommenden Mittwoch (20:45 Uhr im Liveticker auf eurosport.yahoo.de). Den Beginn der Partie hatte der BVB völlig verschlafen, die Führung kam fast aus dem Nichts. Doch der Tiefschlaf ging nach dem prompten Ausgleich weiter und dem Son-Traumtor zum 1:2 weiter. Dortmund-Angreifer Robert Lewandowski erwies seiner Mannschaft mit dem Platzverweis einen Bärendienst, als er nach einem unnötigen Einsteigen gegen Per Skjelbred zu Recht vorzeitig zum Duschen geschickt worden war.

Borussia Dortmund fand nur schwer ins Spiel und auch das Kurzpassspiel fand heute nur ansatzweise statt. Im zweiten Durchgang wurden lange Bälle auf den kleinen Mario Götze in vorderster Front gespielt, die immer wieder von Jeffrey Bruma oder Heiko Westermann geklärt wurden. Erst nach Brumas Roter Karte war der BVB die aktivere Mannschaft, schaffte es aber nicht mehr, das Spiel noch einmal umzubiegen. Der BVB ist immer noch mit 39 Punkten Zweiter, hat nun jedoch vermutlich auch noch die letzte Chance auf den Meistertitel verspielt.

Seit 2007 hatte der Hamburger SV in Dortmund keinen Sieg mehr feiern können, doch irgendwann reißt jede Serie einmal. Hamburg bleibt die größte Wundertüte der Bundesliga. Gegen Spitzenteams zeigt die Fink-Elf beeindruckende Leistungen, gegen vermeintlich schwächere Teams lassen die Rothosen Punkte liegen und spielen oftmals schwach. Doch am heutigen Tage scheint der gebürtige Dortmunder Thorsten Fink die richtigen Worte gefunden zu haben. Der HSV wirkte von Anfang an hellwach, ärgerte den BVB mit aggressivem Pressing und zeigte sich in der Chancenverwertung effektiv.

Außer Hamburg hat es in dieser Spielzeit noch keine Mannschaft geschafft, Borussia Dortmund gleich zweimal zu besiegen. Das Hinspiel endete 3:2. Vorerst rücken die Hamburger auf Platz fünf. Doch Coach Fink wäre gut beraten, die sicherlich aufkommenden Europa-League-Ansprüche der Hamburger Medien weiterhin kleinzureden. Dafür ist die Form der Norddeutschen (noch) zu unbeständig.

Die Stimmen:

Rafael van der Vaart (Hamburger SV): "Ja, es ist unglaublich. Wir haben es gefeiert wie eine Meisterschaft, glaube ich. Keiner hat es erwartet, dass wir hier gewinnen können. Von Anfang an waren wir die bessere Mannschaft, haben einen Fehler gemacht, als wir das Tor kassiert haben. Aber sonst haben wir das Spiel eigentlich dominiert, finde ich."

Heung-Min Son (Hamburger SV): "Wir haben eine gute Leistung gebracht. Es ist ein Traum in Dortmund mit 1:4 zu gewinnen, das ist etwas Besonderes. Ich denke, dass wir einfach gut gespielt haben und alle gekämpft haben."

Jürgen Klopp (Trainer Borussia Dortmund): "Das Spiel hat unterschiedliche Geschichten. Die eine ist die, dass Hamburg tatsächlich zu Beginn besser im Spiel war. Da muss man sagen, dass uns das Fehlen der Spieler im Training unter der Woche doch ein bisschen mit reingespielt hat. Lewi erzwingt dann das 1:0. Super gemacht. Dann bekommen wir im Gegenzug gleich das 1:1. Danach das Weltklasse-Tor von Son, das muss man auch mal so sagen. Letztendlich hat das Spiel dann die Wendung genommen, nach der Roten Karte wurde es hektisch und wild. Am Ende haben wir alles versucht, aber nichts dafür bekommen. Das müssen wir heute mal so hinnehmen."

Die Höhepunkte:

15. Riesenchance für den BVB! Piszczek flankt von rechts nach innen. Götze nimmt den Ball mit der Brust an und schiebt den Ball aus recht spitzem Winkel aus sieben Metern halbrechter Position am linken Pfosten vorbei.

17. TOOOR für den BVB! Die Dortmunder gehen mit 1:0 in Führung. Missverständnis zwischen Westermann und Adler. Nach einem langen Ball spritzt Lewandowski dazwischen und schiebt das Leder Adler durch die Beine. 14. Saisontor für den Polen.

18. TOOOR für den HSV! Und der Ausgleich folgt auf dem Fuß. Jansen spielt auf links herrlich in Richtung des Strafraums Aogo nimmt das Leder an und passt in die Mitte. Da muss Rudnevs nur noch den Fuß hinhalten. Neuer Spielstand: 1:1.

21. Van der Vaart steckt auf Son durch, der in abseitsverdächtiger Position das Leder annimmt. Er stürmt auf Weidenfeller zu und versucht ihn zu umspielen. Aus spitzem Winkel schafft er es nur noch, den Ball an den linken Pfosten zu schießen. Von dort geht das Spielgerät zurück ins Feld. Doch ein Nachschuss von Diekmeier kann abgeblockt werden.

26. TOOOR für den Hamburger SV! Bruma spielt den langen Ball nach rechts auf Son, der sich durchsetzt und nach innen zieht. Mit links wählt er den Schlenzer aus 17 Metern. Das Leder geht an den linken Innenpfosten und von dort aus ins Netz. Neuer Spielstand: 1:2!

31. Lewandowski bekommt die Rote Karte. Mit voller Wucht kommt er gegen Skjelbred zu spät und tritt ihm in die Beine.

45.+2 Piszczek spielt den Ball von rechts in den Rücken der Abwehr. Dort schließt Kehl aus zehn Metern ab, Adler ist rechtzeitig unten und kann den zentral geschossenen Ball nach vorne abwehren. Reus stürmt zum Ball und Götze schiebt ein. Doch der Treffer zählt wegen Abseitsstellung von Reus nicht.

59. Reus ist durch und Bruma grätscht als letzter Mann hinein. Gräfe zückt die Rote Karte. Nun spielen Zehn gegen Zehn.

62. TOOOR für den Hamburger SV! Jansen spielt den Ball links raus zu van der Vaart. Dessen butterweiche Hereingabe nickt Rudnevs zum 1:3 ins Netz!

89. TOOOR für den Hamburger SV! Son macht den Deckel drauf. Nach einer Jansen-Hereingabe von links steht der Südkoreaner völlig blank am zweiten Pfosten und schiebt ein. Neuer Spielstand: 1:4.

Der Kracher: Hamburgs Sturmduo

Hamburgs Zwei-Mann-Sturm entschied das Spiel in Dortmund: Sowohl Heung-Min Son als auch Artjoms Rudnevs netzten doppelt ein. Der Lette Rudnevs hat nun 10 Tore auf dem Konto. Son liegt mit neun Treffern knapp dahinter.

Im Abseits: Die letzten BVB-Heimspiele

Entgegen der weitläufigen Annahme ist der Signal Iduna Park zu Dortmund keine echte Festung. Der BVB konnte nur zwei der letzten sieben Heimspiele gewinnen. Auswärts ist die Klopp-Mannschaft besser: 20 Punkte stehen 17 Heimpunkten gegenüber.

Die Statistik: 2009

Das 1:4 gegen Hamburg war nach langer Zeit mal wieder eine richtige Klatsche für den amtierenden Meister. Es ist die zweithöchste Heimniederlage. Nur am 12. September 2009 unterlag der BVB einem Team höher. Gegen die Bayern setzte es eine 1:5-Niederlage.

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