Bundesliga - Hamburgs Schweinsteiger heißt Badelj

131 Ballkontakte, 99 angekommene Pässe, elf gewonnene Zweikämpfe und eine zurückgelegte Laufdistanz von 11,49 Kilometern. Diese herausragenden statistischen Werte gehören keinem Xavi, keinem Bastian Schweinsteiger und auch keinem Toni Kroos. Sie gehören Milan Badelj, seines Zeichens Mittelfeldfeldspieler des Hamburger SV - und derzeit einer der am meisten unterschätzten Bundesliga-Akteure.

Die Daten stammen vom jüngsten 2:0-Heimerfolg der Hanseaten gegen die Krisen-Kraichgauer aus Hoffenheim. Doch die Leistung von Badelj war keine Eintagsfliege, schon gar nicht ist sie als zufällig zu bezeichnen.

Vielmehr hat sich der Kroate, der vor der Saison für knappe vier Millionen Euro von Dinamo Zagrab an die Elbe wechselte, zum unangefochtenen Dirigenten des HSV-Orchesters entwickelt. "Er passt perfekt bei uns in den zentral-defensiven Bereich, trägt das Spiel nach vorne und kann es sehr gut lesen. Dazu ist er auch technisch hervorragend, sein Puls geht nie nach oben", singt HSV-Coach Thorsten Fink ein Loblied auf den Hamburger Schweinsteiger.

Der unauffällige Taktgeber

Häufig ist Badelj derjenige, der den ersten Ball aus der Abwehr erhält und die Offensivaktionen einleitet. "Er hat etwas, was wir bislang in unserem Kader noch nicht hatten", sagt HSV-Sportdirektor Frank Arnesen. "Er ist ein Spielmacher, aber kein klassischer Zehner."

Viele Fans hatten nach der Rückkehr von Rafael Van der Vaart ihren Heilsbringer in dem Niederländer gefunden. Doch spätestens seit dessen Verletzung ist vielen Anhängern klar geworden, was den Insidern schon früh auffiel. Van der Vaart ist der Mann für die großen spektakulären Momente, den Taktstock führt jedoch Milan Badelj.

Oft unauffällig, aber nach bestem Kloppschen Idealbild extrem mannschaftsdienlich und führungsstark auf dem Rasen und dabei außerordentlich bescheiden und zurückhaltend außerhalb des Platzes. Genau der Spielertyp hat dem HSV in den vergangenen zwei turbulenten Jahren eindeutig gefehlt.

Nicht schnell - aber schnell im Kopf

Aufgewachsen ist Badelj in Gajnice, einer Wohngegend im Westen von Zagreb. "Als Kind habe ich mit meinen Freunden immer auf so einem kleinen Betonplatz in der Nähe unserer Wohnung Fußball gespielt", erinnert sich der Kroate im "Hamburger Abendblatt". Badelj fing mit fünf Jahren beim Bezirksverein Ponikve an, war aber auch weiterhin jede freie Minute auf dem kleinen Betonplatz zu finden.

"Milan hat eine unorthodoxe Art und Weise, die man nicht im Verein lernt", sagt sein Ex-Nationaltrainer Slaven Bilic. "Er ist ein sehr intelligenter Spieler mit einer überragenden Technik. Der Junge ist nicht der Schnellste. Aber er ist der Schnellste im Kopf, er kann drei bis vier Pässe vorausahnen."

Ernst wurde es für Badelj dann, als er in der Jugend von NK Dinamo Zagreb landete. In der Folge verlief seine Karriere im Eiltempo. Von der U16 an durchlief Badelj alle kroatischen Jugendnationalmannschaften

Am 27. Juli 2008 debütierte er dort auch in der höchsten kroatischen Spielklasse - der 1. HNL. Im folgenden Jahr wurde er an NK Lokomotiva Zagreb verliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Ein Jahr später kehrte er zurück und wurde Stammspieler, Leitwolf und Kapitän des kroatischen Serienmeisters. Mit seinen jungen 24 Jahren hat Badelj bereits vier Meisterschaften und zwei Pokalsiege auf seinem Konto. Ein Sieger-Gen, das dem HSV offensichtlich gut zu Gesicht steht.

Badelj vermisst Europapokal

Angekommen ist der Mittelfeldstratege ohne Frage in Hamburg, auch wenn er zugibt, einen entscheidenden Faktor aus seiner Heimat zu vermissen. "Normalerweise hatte ich immer den Rhythmus mit zwei Spielen in einer Woche. Ich vermisse es." Zweifel über seine Entscheidung kommen jedoch nicht auf.

"Hamburg war definitiv die richtige Entscheidung. Es ist eine tolle Stadt. Der Verein hat viel Tradition und eine Seele", verrät Badelj in der "Hamburger Morgenpost" - und er verrät zugleich eine Lösung für die fehlenden Europacup-Auftritte gefunden zu haben. "Ich freue mich einfach noch mehr auf die Spiele in der Bundesliga.“

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