Bundesliga - Bayern: FC Augsburg im Visier

Durch den Platzverweis von Boateng wird die Bayern-Abwehr zur Baustelle. Rummenigge und Heynckes mosern. Sind Transfers wirklich ausgeschlossen?

Intern diskutieren, in der Öffentlichkeit eine einheitliche Meinung bilden - nach diesem Grundsatz soll beim FC Bayern in dieser Saison eigentlich gearbeitet werden, um die Ruhe zu wahren.

Doch der Platzverweis für Jerome Boateng in der Champions League und die Verletzung von Holger Badstuber brachten den Plan durcheinander. Vor dem Auswärtsspiel gegen den FC Augsburg (Samstag, 15:30 Uhr im Liveticker auf eurosport.yahoo.de) herrscht eine leichte Anspannung an der Säbener Straße.

"Ich würde es als keine kommode Situation bezeichnen. Keine Frage: Diese Rote Karte passt uns nicht ins Konzept", bringt es Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge auf den Punkt.

Vor allem in der Champions League könnte es brenzlig werden. Dante droht bei einer weiteren Gelben Karte eine Sperre - und im Achtelfinale warten große Kaliber. In der Winterpause könnte personell nachgerüstet werden.

"Nicht kategorisch ausschließen"

"In der Rückrunde werden die Titel vergeben, da müssen wir top aufgestellt sein", mahnt Sportvorstand Matthias Sammer. "Stand jetzt müssen wir nichts tun, aber wir sollten es nicht ausschließen, nicht kategorisch nein sagen", fügt er an.

Trainer Jupp Heynckes verweist in diesem Zusammenhang auf die vorhandenen Alternativen. Zur Not könnten auch Javier Martinez, Luiz Gustavo (nach Leisten-OP derzeit in der Reha) und Anatoli Timoschtschuk aushelfen. Außerdem gibt es noch den fast 35-jährigen Daniel van Buyten, der am Mittwoch beim 4:1 gegen BATE Borissow nach langer Zeit mal wieder über 90 Minuten souverän agierte.

"Nein, wir wären definitiv nicht gut beraten, uns wegen zwei Spielen in der Champions League nach einem neuen Spieler umzuschauen. Im Winter einen Innenverteidiger zu finden, der überhaupt in der Champions League eingesetzt werden darf und der uns qualitativ verstärken würde, den wird es wahrscheinlich nicht geben. Wir werden in der Lage sein, diesen Personalengpass in ein, zwei Partien zu kompensieren", merkt Rummenigge an.

Auch Heynckes meint: "Top-Innenverteidiger, die interessant wären, spielen alle schon Champions League oder Europa League." Das heißt: Sie wären für den FC Bayern nicht mehr international spielberechtigt.

Erbe von van Buyten?

Im Ernstfall jedoch, der bei einer weiteren ernsthaften Verletzung eines Verteidigers eintreten würde, könnte der Klub eventuell einen Transfer, der eigentlich für Sommer 2013 geplant gewesen wäre, vorziehen. Eine Option wäre Jan Kirchhoff.

Momentan steht der 22-Jährige noch beim FSV Mainz 05 unter Vertrag, sein Kontrakt läuft aber aus. Nur im Winter wäre mit ihm noch Kasse zu machen. Es ist kein Geheimnis, dass auch die Bayern die Entwicklung des Defensivallrounders seit längerer Zeit beobachten.

Mit seiner Körpergröße von 1,95 m erinnert er schon jetzt an van Buyten, den er beerben könnte. Der Vertrag des Belgiers läuft ebenfalls am Saisonende aus. Kirchhoff selbst sagt: "Bei meinem Berater haben sich Interessenten gemeldet, das stimmt." Der deutsche Rekordmeister soll darunter gewesen sein.

Wenig Alternativen auf dem Markt

Viele Transfer-Möglichkeiten gibt es in der europäischen Elite tatsächlich nicht - allenfalls Johnny Heitinga vom FC Everton wäre noch zu nennen. Der Niederländer war in der Vergangenheit schon mal mit den Bayern in Verbindung gebracht worden.

"Es heißt abzuwägen, abzuschätzen und strategisch vorbereitet zu sein, wann man eine Entscheidung treffen muss", formuliert Sammer.

In Augsburg gibt es indes keine Engpässe. In der Bundesliga ist Boateng schließlich spielberechtigt.

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