Bundesliga - Bayern: Zu fein für Drecksarbeit

Zwei Spiele ohne Sieg - beim FC Bayern laufen momentan ein paar Dinge schief. Immerhin: An Selbstkritik mangelt es den Bayern-Profis nicht. eurosport.yahoo.de hat die Münchner auf der Reise nach Valencia begleitet. Eine Fehleranalyse.

Jupp Heynckes ist in besonderem Maß routiniert.

67 Jahre ist der Trainer alt, aus ihm spricht die geballte Kompetenz. In seiner vielleicht letzten Saison will er alles perfekt machen und am Ende mit seinem FC Bayern auf dem Marienplatz unbedingt Titel präsentieren.

Für den Erfolg gibt er alles, arbeitet Tag für Tag akribisch - oft von morgens bis spät abends. Er analysiert, sichtet, wertet aus. An diesem Donnerstag gab er der Mannschaft trainingsfrei, er selbst wird sicherlich keine Ruhe finden.

Denn nach den zwei Unentschieden gegen Nürnberg und Valencia ist Heynckes unruhig geworden. Er wirkt dünnhäutig, weil ihm nicht gefiel, was er sah. Auch die laute Kritik von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge auf dem Bankett nach dem 1:1 im Estadio Mestalla schmeckte ihm nicht. Trotz aller Professionalität kann er das nicht verbergen.

"Ich weiß, was ich zu tun habe, wir sind selbstkritisch genug. Wir haben nichts erreicht und müssen bis Weihnachten die Distanz halten in der Liga", knirschte er stattdessen. Belehren lässt er sich schon gar nicht. "Ich habe mir in dieser Saison abgewöhnt, Kommentare irgendjemand anderer zu kommentieren."

Kernproblem: Bequemlichkeit

Vor der wichtigen Woche mit Spielen gegen Hannover, Freiburg und Dortmund ist er in erster Linie auch als Motivator gefragt, denn in der Bequemlichkeit liegt derzeit das Kernproblem der Bayern.

Gegen Nürnberg war sich das Starensemble um Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos zu fein für Drecksarbeit, gegen Valencia fehlte ebenfalls der Biss in entscheidenden Situationen. Heynckes vermisste sogar noch mehr: Man habe gesehen, "dass Valencia eine Mannschaft hat mit Spielern, die ans Limit gehen, wo meine Mannschaft noch Spielraum hat", sagte er in aller Deutlichkeit.

Franck Ribéry, der trotz starker Schmerzen spielte ("Es war eine Katastrophe!", sagte er selbst), war gegen Valencia kein Vorwurf zu machen. Kroos und Claudio Pizarro wurden hingegen ausgewechselt. Vor allem sie blieben hinter den Erwartungen zurück.

Gustavo-Ausfall ist schmerzhaft

Dem Bayern-Spiel fehlte es an Tempo, vorne an Bewegung. Schweinsteiger erwischte nicht seinen besten Tag - und Javier Martinez hat noch Anpassungsschwierigkeiten. "Erst in der Rückrunde werden wir einen 100 Prozent fitten Martinez sehen", hatte Rummenigge schließlich schon angekündigt. Der verletzungsbedingte Ausfall von Luiz Gustavo tut doppelt weh.

Selbst die Abwehr, zuletzt stabil und eingespielt, offenbart Schwächen. Es bleibt fraglich, ob die zwei Linksfüße Dante und Holger Badstuber das ideale Innenverteidiger-Pärchen sind. In Valencia waren sie es definitiv nicht.

Frischer Wind durch Gomez?

Für neuen Schwung könnte schon in Kürze der wieder genesene Mario Gomez sorgen. Nach seinem Comeback brennt er auf den ersten Einsatz von Beginn an. Doch auch er hat gesehen, "wir in Zukunft Dinge wieder anders machen müssen, um besser zu spielen".

Das bedeutet auch: Der FC Bayern muss sich wieder mehr aus der Abhängigkeit von Ribéry lösen. Die Form der Mannschaft hängt viel zu sehr mit der Befindlichkeit des Franzosen zusammen. Schweinsteiger, Kapitän Philipp Lahm und Manuel Neuer hören das nicht gerne. Damit konfrontiert sagen sie meist: "Wir haben auch schon genug Spiele ohne Ribéry gewonnen." Doch genau deshalb müssen sie nun ihre Führungsqualitäten unter Beweis stellen und die Mannschaft in die Pflicht nehmen.

Während Schweinsteiger einmal mehr einen Kommentar zum Spiel in der Mixed-Zone verweigerte, appellierte Lahm eindringlich an die Kollegen: "Wir sind noch nicht in der Winterpause!"

Auch Heynckes ist sich dessen bewusst. Natürlich. Einer Euphorie im Spätherbst traut er seit vergangenem Jahr nicht mehr.

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