Bundesliga - Fürth redet sich seine Lage schön

Am Montagmorgen wollte Ludwig Preis schon wieder an seinem Arbeitsplatz sitzen. "Um sieben Uhr bin ich im Büro. Wenn ich es schaffe", sagte der Leiter der Abteilung Logistik einer Tee-Firma mit Sitz im fränkischen Vestenbergsgreuth. Ein paar Tage lang hatte er die Profi-Mannschaft der SpVgg Greuther Fürth trainiert, dann coachte er sie zu einem 0:0 gegen Bayer Leverkusen.

"Die 90 Minuten haben eingeschlagen", sagte Preis danach aufgewühlt, "die Leute haben gesehen: Die Mannschaft kann ja kicken."

Das mit dem Kicken mag stimmen, aber die Fakten signalisieren: Der SpVgg Greuther Fürth ist auch nach der Trennung von Trainer Mike Büskens keine Trendwende gelungen.

Preis stellte um, er strich etwa den früheren Nationalspieler Gerald Asamoah aus dem Kader, "weil ich schon zwei Stürmer hatte". Preis setzte auf eine "junge Rasselbande", er verhalf Thomas Pledl (18) und Johannes Geis (19), die er aus der von ihm betreuten U23 kennt, zu ihrem ersten Bundesligaspiel von Beginn an. Genutzt hat es wenig.

"Selbstvertrauen und Glaube sind zurückgekehrt"

Fürth ist nach wie vor Tabellenletzter, sie hat es im 23. Spiel nicht geschafft, das 14. Saisontor zu schießen, hat auch ihr zwölftes Heimspiel nicht gewonnen. Und der Abstand zum Relegationsplatz ist nach diesem Spieltag auf fünf Punkte gewachsen. Doch beim Kleeblatt wird dieses 0:0 offensichtlich ein wenig anders wahrgenommen. "Wir haben uns zurückgemeldet", bekräftigte Präsident Helmut Hack mit bebender Stimme, "das Selbstvertrauen und der Glaube sind nach Fürth zurückgekehrt." Mehr aber auch nicht.

Tatsächlich hatten die Fürther das Unentschieden ihrem Torhüter Wolfgang Hesl und der Trägheit von Leverkusen zu verdanken. Und doch redeten sie wie ein Haufen Verdurstender, der in der Wüste auf eine Oase zuzurennen glaubt. "Wir hatten wieder die Leidenschaft und die Überzeugung, die uns in den letzten Spielen gefehlt hat und die wir brauchen", sagte Mittelfeldspieler Stephan Fürstner. Unter Büskens, erklärte Hack, sei "der ganze Verein" zuletzt "depressiv" gewesen. Nach der Trennung aber steht er trotzdem nicht besser da.

Alle Hoffnung auf das Endspiel gegen Augsburg

"Im Fußball ist alles möglich, wenn man einen Lauf bekommt", sagte der junge Thomas Pledl. "Wenn wir weiter so punkten, haben wir vielleicht am letzten Spieltag ein Endspiel gegen Augsburg." In der Tat führt der 34. Spieltag den FC Augsburg, derzeit 16., und Fürth zusammen, und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. "Wir haben die Qualität für die erste Bundesliga", sagte Präsident Hack, "wir werden darum kämpfen, dass der Verein eine Zukunft hat - egal ob in der ersten oder zweiten Bundesliga."

Zunächst mal muss Hack dafür allerdings einen neuen Trainer suchen. Einen, der nach einem Abstieg den sofortigen Wiederaufstieg anpacken kann. Preis würde sich das vermutlich zutrauen, aber er hat die dafür erforderliche "Fußball-Lehrer"-Lizenz nicht. Zumindest bis zum Auswärtsspiel am kommenden Samstag beim Hamburger SV wird er die Profis noch betreuen. "So schlecht", fand Hack, "war das ja nicht."

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