Bundesliga - Eurosport-Experten: Guardiola-Wechsel "ein Schock"

In Deutschland ist die Verpflichtung von Pep Guardiola als Bayern-Trainer ab dem kommenden Sommer das große Thema. Doch nicht nur in der Bundesliga, sondern in ganz Europa machten Sportseiten mit dem Katalanen vor einem Bayern-Logo auf. Die von den internationalen Eurosport-Redakteuren erwarteten Auswirkungen sind immens, es wird sogar von einem "Schock" gesprochen.

Stefano Bernabino (Ressortleiter Fußball Eurosport International): Dieser Transfer ist ein großes "Thumbs up" für den gesamten deutschen Fußball und für das Modell, das die Bundesliga repräsentiert: Spektakel, hoher Zuschauerzuspruch, hohe Organisationsqualität in der Liga sowie im Management der Klubs und letztlich natürlich ökonomischer Erfolg. Auch wenn die Verpflichtung wie eine große Überraschung wirkt, glaube ich, dass der deutsche Fußball und besonders Bayern München perfekt zu Guardiola passen. Denn auch er ist ein großartiger Profi und sehr gut strukturiert beziehungsweise organisiert. Guardiola ist sehr katalanisch und dadurch irgendwie auch sehr bayerisch. Ich hoffe, er und die Bayern können in den kommenden drei Jahren die Champions League gewinnen!

England (Tom Adams, Fußball-Redakteur Eurosport Großbritannien): In England war man stark davon überzeugt, dass Guardiola in die Premier League kommen würde. Deshalb ist überall in den Sport-Nachrichten eine Art Schock zu spüren. Natürlich ist das ein großartiger Coup für die Bundesliga und ein weiterer Beweis dafür, dass der deutsche Fußball wieder auflebt. Bald könnte die deutsche Liga daher als stärkste Liga in Europa angesehen werden. Manchester-City-Trainer Roberto Mancini und Chelsea-Coach Rafa Benitez werden erleichtert sein, dass Pep die Bayern gewählt hat und damit endlich die Spekulationen in England aufhören.

Der Deal ist eine sensationelle Leistung der Bayern und macht auch Sinn: Guardiola ist ein Mann, der Stabilität in seiner Arbeit will - er hat bei Barca ständig Verträge unterschrieben, um sicherzustellen, dass die Struktur und das Umfeld seinen Vorstellungen entsprechen - und mit Rummenigge, Hoeneß, Beckenbauer und Co. gibt es eine klare, robuste Struktur, die ein Klub wie Chelsea nicht hat. Außerdem wird Pep bei den Bayern die Möglichkeit bekommen, dem Team seinen Stempel aufzudrücken, auch wenn die Mannschaft bereits einen eigenen Stil hat. Er kann mit einer Gruppe extrem talentierter junger Spieler zusammenarbeiten (vor allem: Kroos und Martinez). Er arbeitet im vielleicht tollsten Stadion Europas. Er hat viel Geld zur Verfügung. Und die Bundesliga ist Europas momentan lebendigste Liga. Für uns Engländer ist es natürlich eine Schande, dass er nicht nach England gekommen ist. Jetzt wird die ganze Welt nach Deutschland auf das Duell von Guardiolas Bayern und Klopps Dortmundern schauen

Frankreich (Maxime Dupuis, stellvertretender Redaktionsleiter Eurosport-Online Frankreich): Ich glaube, Guardiola hat die bestmögliche Wahl getroffen - nur Manchester United wäre noch besser gewesen. Aus meiner Sicht geht er zu einem sehr strukturierten Klub mit einer großen Geschichte - genau wie der FC Barcelona. Auch wenn die beiden Teams auf dem Platz nicht denselben Ausdruck haben, sie haben beide eine Spiel-Philosophie, die sich auf hohe Ballbesitzquoten stützt. Außerdem wird Guardiola genug Geld zur Verfügung haben, mit dem er arbeiten kann. Klar, City und Chelsea hätten auch das Geld gehabt, aber nicht die historischen Hintergründe. Letztlich hat man fast überall über ihn gesprochen, aber die Münchener haben keinen Ton von sich gegeben - und am Ende haben sie gewonnen. Der Deal ist sowohl für Guardiola als auch für die Bayern perfekt.

Russland (Ilya Minsky, Fußball-Redakteur Eurosport-Russland): Es ist eine clevere Entscheidung von Guardiola. Er geht zum größten Klub der Liga, wo er mit Sicherheit die Möglichkeit haben wird, seinen Ruf als "ultimativer Gewinner" weiter festigen zu können. Das wäre in England bei Chelsea oder Manchester City schwieriger geworden. Ich bin sehr gespannt, ob er die Bayern zum Champions-League-Sieg führen wird. Wenn ihm das gelingt, wird er endgültig zu den größten Trainern zählen - neben José Mourinho und Fabio Capello. Wenn nicht, wird sein Heiligenschein an Leuchtkraft verlieren.

Spanien (Iván Castelló, Fußball-Redakteur Eurosport Spanien): Für die Bayern ist das ein großartiger Coup und ein großer Schritt in Richtung Champions-League-Sieg irgendwann in den nächsten Jahren. Guardiola ist ein echter Publikums-Magnet und ein richtiger Teamleader. Durch ihn wird die Bundesliga möglicherweise zur besten Liga Europas werden. Guardiola mag das Spiel (nicht nur die Ergebnisse) und spricht auch gerne darüber. Er kommt mit lediglich drei Verteidigern aus und benutzt Flügelspieler. Das passt perfekt zu Ribéry und Robben, aber noch viel besser zu Jungstars wie Müller. Der glücklichste Mann in der Welt wird jetzt möglicherweise Javi Martinez sein, der nun einen Landsmann als Trainer bekommt. Guardiola arbeitet gerne mit jungen Spielern und er wird das Vereinsgelände an der Säbener Straße lieben - genau wie natürlich die Siegermentalität der Bayern. Übrigens: Nach unseren Informationen hat auch ein Gespräch mit dem Ex-Schalker Raúl Einfluss auf Guardiolas Entscheidung gehabt.

Arabien (Abdullah Talafha, Fußball-Redakteur Eurosport Arabien): Für Guardiola war das wirklich die beste Wahl. Er wird in der Bundesliga relativ leicht Titel gewinnen und mit dem vielen Geld sowie den vielen talentierten Spielern in München ein gefährliches Team für die Champions League formen können. Er wird die Mannschaft höchstwahrscheinlich als Meister übernehmen und deshalb sofort zu Saisonbeginn mit dem Supercup einen ersten Titelgewinn anstreben, der ihm viel Rückenwind verleihen würde. Ich denke, er ist nicht in die Premier League gegangen, weil es dort sehr schwer ist, einen Titel zu erringen - auch wenn er natürlich ein sehr talentierter Trainer ist. In Deutschland hat er mit den Bayern vielleicht vier bis sechs schwierige Spiele, aber in England gibt es mehr als sechs wirklich harte Gegner. Guardiola passt zu den Bayern, weil er dort zwei großartige Flügelspieler (Ribéry und Robben) sowie viele junge Talente (Müller, Kroos...) vorfindet - und einen sehr guten Torhüter um die desaströse Valdes-Ära von Barcelona zu vergessen. Glückwunsch übrigens an Mancini, Benitez, Ancelotti und Co., dass sie ihren Job behalten dürfen.

Italien (Luca Stacul, Chefredakteur Eurosport-Online Italien): Der Transfer von Guardiola zu den Bayern ist etwas schockierend. Jeder glaubte an eine englische Zukunft für den Katalanen, was in Sachen Sprache der einfachere Schritt gewesen wäre - und wahrscheinlich auch finanziell der lukrativere. Aber vom reinen Fußball-Standpunkt aus betrachtet, könnte München die richtige Wahl sein: Das aktuelle System der Bayern wurde von Louis van Gaal entwickelt und ähnelt dem des FC Barcelona. Hinzu kommt, dass der bayrische Lebensstil sicher weniger stressig ist, als der beispielsweise in London. Und darum geht es Guardiola mit Sicherheit, denn wenn ihm Geld wichtig wäre, dann hätte er nicht ein Jahr Auszeit genommen. Jetzt liegt es aber an ihm, denn Guardiola muss zeigen, dass er fähig ist, auch ohne Messi, Xavi oder Iniesta Titel zu gewinnen und den aktuellen "Ewiger Zweiter"-Ruf der Bayern und der Deutschen aufzulösen.

Polen (Bartosz Rainka, Fußball-Redakteur Eurosport Polen): Die polnischen Fans freuen sich, dass die Bundesliga stärker wird, weil viele unserer Spieler dort spielen. Die Unterschrift von Guardiola zeigt, dass die Liga auch für die besten Trainer und Spieler der Welt attraktiver wird - vielleicht sogar attraktiver als jede andere Liga der Welt. Trotzdem ist dieser Transfer natürlich sehr überraschend. Jeder in Polen hat erwartet, dass Pep zu Chelsea oder Manchester City gehen würde. Aber in München wird er mehr Zeit haben, dem Team "seinen Fußball" beizubringen. In Polen ist man jetzt natürlich gespannt, ob als nächstes auch Robert Lewandowski von Dortmund nach München geholt wird, um den Sturm zu verbessern.

Schweden (Malena Johansson, Fußball-Redakteurin Eurosport Schweden): Es ist ein sehr sympathischer Schritt von Guardiola, einen unabhängigen Klub wie den FC Bayern zu wählen - und die Bundesliga anstelle der hoch kommerzialisierten Premier League. Das gefällt mir sehr. Und ich erwarte, dass er schon bei der ersten Pressekonferenz perfektes Deutsch sprechen wird. Danach wird es dann natürlich interessant sein, wie der "Guardiola-Stil" abseits der sehr speziellen Gegebenheiten in Barcelona aussieht. Wie viel "Barcelona-Style" wird er versuchen, in München zu installieren? Luis Enrique hat damit beim AS Rom in der Serie A schließlich Probleme bekommen, und hoffentlich wird Guardiola nicht die Energie und die Geschwindigkeit des deutschen Fußballs abtöten, indem er versucht, den sehr kontrollierenden Stil von Barcelona zu stark zu implementieren. Insgesamt glaube ich, dass es für Guardiola die interessanteste Aufgabe war, die er sich aussuchen konnte.

Türkei (Eray Kas, Fußball-Redakteur Eurosport-Türkei): Dieser Transfer ist eine Win-Win-Situation für Guardiola und die Bundesliga beziehungsweise den FC Bayern. Er wird die Qualität und das Interesse an der Bundesliga nach oben schrauben - und Guardiola findet in München ein Team vor, mit dem er beweisen kann, dass er ein erfolgreicher und kompletter Taktiker ist. Ich glaube nicht, dass Guardiola den "leichten Weg" gewählt hat - er ist nicht gezwungen, ein schlechtes Team zu wählen, nur damit er sich beweisen kann. Bayern hat eine Tradition, seinen jungen Spielern eine Chance zu geben, und man darf wohl davon ausgehen, dass Guardiola das fortführen wird. Natürlich wird Guardiola auch einen positiven Effekt auf die deutsche Nationalmannschaft haben. Aber abschließend möchte ich nochmal daran erinnern, dass Guardiola einst sagte, dass er nicht bei den Bayern zusagen werde, weil das gegenüber Heynckes respektlos sei. Dazu wird er sich bis zum Sommer ein paar Fragen gefallen lassen müssen.

VIDEO - FC Bayern verpflichtet Pep Guardiola

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