Bundesliga - Eintrachts Überflieger jagt Rekord

Der freche Aufsteiger aus Frankfurt schwebt über den Wolken. Neben Trainer Armin Veh steht vor allem ein Spieler im Mittelpunkt: "Mr. Doppelpack" Alexander Meier. Neun Tore in zwölf Spielen - darunter drei Mal zwei Treffer gegen Hoffenheim, Freiburg und Augsburg - sprechen für sich. Abheben will der Stürmer-Schlacks aber nicht. Dafür hat der 29-Jährige in seiner Karriere zu viel erlebt.

Zweite Liga, Verletzungen und Abstieg. Meier kann nichts mehr erschüttern.

Wer in diesen Tagen mit dem Frankfurter spricht, steht einem in sich ruhenden Fußball-Profi gegenüber. Mit beiden Beinen auf dem Boden genießt der Angreifer die schönen Momente - im Stillen natürlich. Über sein Gesicht huscht nur ein kurzes Lächeln.

Zur Zeit weiß keiner in Frankfurt, über was er sich mehr freuen soll. Über Platz drei in der Tabelle oder die Tore von Meier, der in dieser Saison nach den Sternen greift. Das Potenzial besitzt er seit Jahren. Vereine wie Stuttgart oder Salzburg waren an ihm interessiert - Meier aber will bis zur Rente bei Eintracht Frankfurt bleiben.

Uwe Bein: Frankfurt erntet die Früchte

"Der Junge weiß manchmal gar nicht, was er alles kann. Der kann so viel. Ich wollte ihn schon vor ein paar Jahren zum VfB holen, weil er da schon gut war", erklärt Trainer Armin Veh. Im Jahr 2011 übernahm der manchmal etwas kauzige, aber äußerst fachkompetente Fußballer-Lehrer die Eintracht - seitdem geht's nach oben.

Im Aufstiegsjahr formte Veh in der Zweiten Liga eine schlagkräftige Truppe, für die Schlagworte wie Zusammenhalt an erster Stelle stehen. Die Neuzugänge integrierten sich perfekt, so dass bereits einige in Frankfurt von den legendären 1990er Jahren träumen, in denen Uwe Bein & Co. den Gegnern Knoten in die Beine spielten.

"Es macht einfach Spaß, wenn man sieht, wie die junge Mannschaft nach vorne agiert. Da kann man einfach nur den Hut ziehen", so Bein im Hessischen Rundfunk. "Nach dem Aufstieg konnte niemand damit rechnen, dass Frankfurt so gut spielt. Aber Veh hat hervorragende Arbeit abgeliefert - jetzt erntet er die Früchte."

Aufbruchsstimmung beim Aufsteiger

Nicht nur Veh, sondern auch Meier. Nach gewonnen Heimspielen "schwebt" der Stürmer gemeinsam mit Eintracht-Maskottchen Attila über den Platz. Die Aufbruchsstimmung beim stark auftrumpfenden Aufsteiger ist unübersehbar. Die Fans lieben ihren Angreifer, der seit acht Jahren beim hessischen Traditionsverein unter Vertrag steht.

Leise und zurückhaltend arbeitete sich Meier in schweren Phasen immer wieder heran - trotz Knieproblemen, Adduktorenverletzungen und Muskelfaserrissen. Den wichtigsten Schritt vollzog er aber neben dem Platz. "Er hat in den vergangenen Jahren einen großen Sprung in seiner Persönlichkeitsentwicklung gemacht", lobt Veh den 1,96-m-Riesen.

Nach Stationen beim Hamburger SV und St. Pauli war Meier 2004/05 maßgeblich am Aufstieg unter Friedhelm Funkel in die Bundesliga beteiligt. Sechs Jahre später ging's wieder runter. In den ersten acht Spielen nach der Winterpause gelang Frankfurt in der Saison 2010/11 kein einziges Tor - zudem blieb die Eintracht zehn Spiele ohne Sieg.

Bekennender Bayern-Fan in der Jugend

"Diese Zeiten sind zum Glück vorbei, aber wir müssen weiter realistisch bleiben und dürfen nicht abheben", mahnt Meier, dessen Marktwert seit 2006 von einer halben Million Euro mittlerweile um das Fünffache gestiegen ist. Zum Eintracht-Rekord von Anthony Yeboah (68 Tore) fehlt ihm nur noch ein Treffer. "Das weiß ich gar nicht", so der Angreifer.

Typisch Meier, der in seiner Jugendzeit ein bekennender Bayern-Fan war und mit der Eintracht eigentlich nichts am Hut hatte. Damals verbrachte er mehr Zeit auf dem Bolzplatz als vor dem Fernseher. Mittlerweile ist Frankfurt Herzensangelegenheit und nach seinen 17 Toren in der vergangenen Saison liegen ihm die Fans zu Füßen.

Aber selbst nach diesem Zweitliga-Coup und seinen neun Toren in der Bundesliga hebt der sympathische Überflieger nicht ab. Im Mittelpunkt steht die Mannschaft - danach kommt lange nichts. Verantwortung müssen nach Meinung von Meier weiterhin alle übernehmen. Damit der momentane Höhenflug nicht vorzeitig gestoppt wird.

Von Blütenträumen im November hält er in jedem Fall gar nichts: "Wenn wir 40 Punkte haben, können wir über andere Ziele reden. Jetzt sammeln wir erstmal die Punkte gegen den Abstieg."

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