Bundesliga - Dortmund gefühlter Gewinner

Offiziell endete das Giganten-Duell zwischen dem FC Bayern und dem Deutschen Meister ohne Sieger. Riese Roman Weidenfeller, der mit einer überragenden Leistung einen großen Teil zum Punktgewinn der Dortmunder beitrug, sieht das anders.

Er flog, er faustete, er feierte: Mit seinen herausragenden Paraden rettete Keeper Roman Weidenfeller Borussia Dortmund das Remis.

Teamkollegen und Experten überschlugen sich nach dem 1:1 im Spitzenspiel in der Allianz Arena gegen den FC Bayern vor Lob für den Schlussmann, den Bundestrainer Joachim Löw seit jeher verschmäht.

Drei Mal in drei Minuten reagierte er glänzend gegen Toni Kroos (86.), Thomas Müller (88.) und Javi Martinez (89.) und schritt mit einem zufriedenen Lächeln durch die Mixed-Zone. Seine Schultern wirkten dabei doppelt so breit als normal.

Das Selbstbewusstsein spiegelte sich auch in seiner Spielanalyse wider. Mit einer gewissen Genugtuung in der Stimme stellte er fest: "Das 1:1 war ein gerechtes Ergebnis, doch es ist für uns mehr wert als für den FC Bayern, denn der FC Bayern hat es wieder nicht geschafft, gegen uns zu gewinnen."

Den Führungstreffer von Kroos (66.) hatte Mario Götze acht Minuten später egalisiert. "Damit haben wir ein Ausrufezeichen gesetzt, weil wir gezeigt haben, dass wir immer in der Lage sind zurückzuschlagen. In der Tabelle hat sich nichts geändert, der Abstand ist gleich geblieben - es werden noch viele Punkte verteilt, in der Meisterschaft ist noch alles offen!", fügte Weidenfeller an, während Mats Hummels in einer entlegenen Ecke wild mit seiner Freundin Cathy knutschte.

Vorne nicht präsent genug

Sie mögen sich als Gewinner gefühlt haben, allerdings tat sich der Meister in der ersten Halbzeit auch schwer gegen flexible Bayern, die auf jeder Position wirbelten. Franck Ribéry war überall zu finden, Bastian Schweinsteiger agierte sehr offensiv, Müller war unberechenbar. "Wir wollten vorne Druck machen, waren aber nicht so präsent wie wir hatten sein wollen", bemängelte Götze.

BVB-Trainer Jürgen Klopp hatte gegen die Bayern - wie auch schon in der Champions League gegen Real Madrid - überraschend ein verstärktes defensives Mittelfeld mit Sven Bender, Ilkay Gündogan und Jakub Blaszczykowski aufgeboten. Durch die hohe Flexiblität des Gegners bekamen sie zunächst jedoch nicht den erhofften Zugriff. Erst im zweiten Abschnitt wurde der BVB besser.

"Das Spiel hatte unterschiedliche Phasen. Am Anfang waren wir etwas zögerlich, da hatten wir vielleicht zu großen Respekt. Aber nach 20 Minuten haben wir das Spiel besser in den Griff bekommen und waren relativ dominant, haben dann nach der Pause drei richtig gute Möglichkeiten. Tja, und dann nimmst du kurz den Fuß vom Gas und schon sind die Bayern wieder da", erkannte Klopp.

Letztlich empfand er das Resultat als gerecht und war damit einer Meinung mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der den Punkt in München noch als "Erfolgserlebnis" verbuchte. "Wir haben gezeigt, dass wir da sind", betonte er.

Wiedersehen in der Champions League?

Mit zwei in Folge gewonnen Meisterschaften ist beim BVB eine gewisse Gelassenheit zu spüren. Obwohl die Bayern auf dem Weg zum Titel "wahrscheinlich nicht zu stoppen sind", wie Watzke ergänzte, wissen die Westfalen, dass es auch noch den DFB-Pokal und die Champions League gibt. Dort können sie den Dauerrivalen noch richtig ärgern.

Einziger Wermutstropfen des Trips in den Süden war die Verletzung von Abwehrspieler Neven Sobotic. Der Serbe fiel nach einem Duell mit Ribéry unsanft auf den Rasen und musste ausgewechselt werden. "Ich habe ein Ziehen in der Leiste verspürt, am Montag weiß ich, was es ist."

Klopp befürchtet Schlimmes: "Das ist ein Kerl wie ein Baum. Und er konnte kaum noch laufen. Wenn der raus muss, weiß man, dass es etwas Ernstes ist."

Allerdings erwischte es den FC Bayern noch böser: Abwehr-Recke Holger Badstuber zog sich einen Kreuzbandriss zu und wird dem Rekordmeister viele Monate fehlen.

Video: Götze nach dem Spitzenspiel

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