Bundesliga - Gekommen, um wieder zu gehen

Eines der größten Talente Europas spielt bei Werder Bremen. Der Belgier Kevin de Bruyne begreift die Bundesliga aber nur als Sprungbrett, in Gedanken ist der 21-Jährige schon längst wieder beim FC Chelsea.

Um zu sehen, wie wertvoll Kevin de Bruyne sein kann, muss man nicht lange suchen. Da reicht allein schon ein Blick auf den vergangenen Spieltag: Hoffenheim gegen Bremen. Beim 4:1 fehlte den Gästen mit Zlatko Junuzovic und Aaron Hunt die zentrale Mittelfeld-Achse. Für die kreativen Elemente, für die sonst der erfahrene Hunt sorgt, war diesmal Kevin de Bruyne verantwortlich.

Der Belgier bereitete nicht nur die ersten beiden Treffer vor. Beim Freistoß in der 73. Minute überließ de Bruyne seinem Teamkollegen Marko Arnautovic auch noch den Ball. "Schieß du!", sagte de Bruyne und gab sogar eine Empfehlung ab: "Versuche den Ball zu lupfen." Arnautovic tat wie ihm empfohlen – und es stand 3:1.  

15 Spiele in der Liga, vier Tore, vier Assists – nicht schlecht für einen 21-Jährigen. Das ist aber noch nicht alles: De Bruyne stand in den 15 Spielen 1345 von 1350 Minuten auf dem Platz, nur einmal wurde er ausgewechselt. Seit seiner Verpflichtung im Sommer darf sich der Rothaarige Stammspieler nennen. Ein weiterer Pluspunkt: Er kann rechts wie links schießen.

Falsch verstanden und schlecht übersetzt

De Bruyne kann aber auch anders. Es ist noch gar nicht so lange her, da sorgte der belgische Nationalspieler für Unstimmigkeiten in Bremen. Er kritisierte in einem Interview mit einer belgischen Zeitung seinen Trainer Thomas Schaaf ("Er ist noch nie zu mir gekommen und ich auch nicht zu ihm") und beklagte zudem fehlende Wärme im Klub. Die Mentalität der Deutschen habe ihn erschreckt, so de Bruyne. Und deshalb sei er froh, nur ein Jahr vom FC Chelsea ausgeliehen worden zu sein.

Die Wogen haben sich inzwischen geglättet, de Bruyne fühlte sich falsch verstanden und schlecht übersetzt. Er entschuldigte sich beim Verein und bei den Fans – die haben ihm längst verziehen, wohl auch weil dessen Leistung stimmt. De Bruyne jedenfalls hat versprochen, seine Integration zu forcieren, und das klingt dann so: "Ich lerne jetzt Deutsch, kann sogar schon etwas sprechen."

Auf dem Platz gab es mit der Integration von Anfang an keine Probleme. Aber so wie es aussieht, ist de Bruyne im nächsten Sommer schon wieder weg. Er ist gekommen, um gleich wieder zu gehen. Bremen hat ihn lediglich für ein Jahr ausgeliehen, eine anschließende Kaufoption gibt es nicht. Der Belgier, der als eines der größten Talente Europas gilt (Marktwert rund neun Millionen Euro), steht bei den "Blues" noch bis 2017 unter Vertrag. Sie verfolgen seine Entwicklung genau. Für de Bruyne ist es wichtig, dass er Spielpraxis sammelt. In Bremen kann er sich darüber nicht beklagen.

Hoffnung auf Weiterbeschäftigung

Trotzdem begreift der Spieler die Bundesliga lediglich als Sprungbrett. Anders sind solche Aussagen wie gegenüber der "Sport Bild" nicht zu deuten: "Ich bin nicht so dumm und unterschreibe bei Chelsea, wenn ich da nicht meine Chance sehen würde." Wer will es einem 21-Jährigen verübeln, dass er lieber beim Champions-League-Sieger FC Chelsea spielt als bei einem Verein wie Werder Bremen, der tolle Jahre hinter sich hat und gerade den Neuaufbau wagt?

Und doch kann sich Bremen vielleicht noch ein bisschen Hoffnung auf eine Weiterbeschäftigung machen. Die Vorbereitung auf die nächste Saison macht de Bruyne wie in diesem Jahr mit Chelsea. Und danach? "Sollte man sehen, dass ich nicht so viel zum Einsatz kommen werde", sagt de Bruyne, "dann wäre es sicher besser, nach einer anderen Lösung zu suchen."

Geht es nach Belgiens Nationaltrainer Marc Wilmots, kann die Lösung erst mal nur Bremen heißen. "Spielpraxis ist wichtig. Wenn einer die nicht hat, wird das zum Problem", so Wilmots zur "Sport Bild". Er empfiehlt de Bruyne, noch ein Jahr bei Werder dranzuhängen. Dort zu spielen, sei schließlich immer noch besser als in London auf der Bank zu sitzen.

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