Bundesliga - BVB: Mit dem Kopf bereits in München

Der Pokalkracher zwischen Bayern München und Borussia Dortmund wirft seine Schatten voraus. So weit, dass offenbar sogar Dortmunds Bundesliga-Auftritt in Mönchengladbach bereits davon betroffen war. Nur drei Tage vor dem Gipfeltreffen wirkte der BVB unkonzentriert und verschenkte so wichtige Punkte im Titelkampf - beziehungsweise vielmehr: im Rennen um Platz zwei.

"Zieht den Bayern die Lederhosen aus, die Lederhosen aus, die Lederhosen aus" - der Klassiker unter den Fan-Gesängen tönte aus dem Gäste-Block des Gladbacher Borussia-Parks, obwohl der Gegner des deutschen Meisters gar nicht aus dem Freistaat kam.

Diese Szene direkt nach Abpfiff des Borussen-Duells macht deutlich, worum es den Dortmundern dieser Tage in erster Linie geht.

Die in der Liga überlegenen Münchener sollen am Mittwoch (ab 20:30 Uhr im Liveticker auf www.eurosport.yahoo.de) aus dem DFB-Pokal gekegelt werden. Alles andere ist zweitrangig.

BVB hadert mit dem Schiedsrichter

So zweitrangig, dass man nach der 1:0-Führung der Dortmunder durch Mario Götze (Foulelfmeter/31. Minute) das Gefühl bekommen musste, die noch knapp eine Stunde laufende Partie sei bereits als gewonnen abgehakt. Im Kopf schien der BVB bereits in München zu sein. Fehlpässe und Unkonzentriertheiten häuften sich, Dortmund wurde immer harmloser. "Wir haben uns nicht gut bewegt. Das ist sehr untypisch für uns", erklärte Marco Reus.

Erst der Ausgleich von Gladbachs Amin Younes (67.) sorgte für einen Weckruf, den die Dortmunder aber nicht akzeptieren wollten. Sie haderten mit Schiedsrichter Günter Perl: "De Jong ist der Zielspieler und zieht klar zum Ball. Von daher ist es Abseits", so Meister-Trainer Jürgen Klopp. Und auch Sebastian Kehl sah eine Fehlentscheidung. "Das Gegentor ist aus meiner Sicht eine klare Abseits-Situation", urteilte der BVB-Kapitän.

Doch auch Kehl musste zugeben, dass sein Team den Punktverlust insgesamt auf die eigene Kappe zu nehmen hatte: "Wir hatten das Spiel im Griff und mussten es gewinnen." Das aber gelang auch deshalb nicht, weil Kehl selbst eine Großchance in der Nachspielzeit ausließ. "Das ist ganz bitter. Ich hätte das Spiel in der 92. Minute entscheiden müssen", so der BVB-Kapitän.

Vorfreude fehl am Platz?

Anschließend aber richtete sich der Blick bereits freudig nach vorne. "Wir müssen uns jetzt auf Bayern konzentrieren. Das wird ein schöner Fight, und wir freuen uns darauf", so Reus nach dem 1:1 an seiner alten Wirkungsstätte angesichts des anstehenden Duells mit dem Rekordmeister.

Aufgrund der aktuellen Situation ist allzu große Vorfreude aber nicht unbedingt angebracht. Auch wenn der in Gladbach zur Halbzeit mit einer Oberschenkelprellung ausgewechselte Mats Hummels bereits Entwarnung gab ("Das ist keine größere Sache"), Jakub Blaszczykowski leidet seit dem Kunstrasen-Auftritt beim Champions-League-Spiel in Donezk noch immer an muskulären Problemen im Hüft- sowie Adduktorenbereich und bleibt fraglich.

Da dem BVB in Gladbach auch die Stürmer Robert Lewandowski und Julian Schieber jeweils gesperrt fehlten, war Trainer Jürgen Klopp zur Rotation gezwungen und hatte damit keinen Erfolg - ganz anders als Bayern-Coach Jupp Heynckes am Tag zuvor beim 6:1-Erfolg gegen Werder Bremen.

"Die beste Mannschaft in Europa"

"Die rotieren fünf Mann heraus und man merkt es gar nicht", staunte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke ob der beeindruckenden Vorstellung des kommenden Gegners und fügte an: "Die Bayern sind für mich momentan die beste Mannschaft in Europa. Sie spielen großartig!"

Man kennt diese Einschätzungen vor Topspielen zwischen Dortmund und München: Der Gegner wird stark geredet und zum Favoriten erklärt. Doch diesmal ist es anders. Diesmal braucht man den Gegner nicht zum Favoriten komplimentieren, er ist es auch so.

Die freiwilligen und unfreiwilligen Rotationen vom Wochenende machen den Unterschied zwischen den beiden Spitzen-Teams des deutschen Fußballs in dieser Saison deutlich. Während in Dortmund alles passen und jeder fit sein muss, damit es Erfolge gibt, kann der FC Bayern scheinbar problemlos auf Top-Stars verzichten. Am Mittwoch wird Heynckes das aber sicher nicht tun. Umso schwerer wird die Aufgabe für Klopp und Co.

VIDEO: PSG-Fans zelebrieren den "Harlem Shake"

Quizaction - Testen Sie Ihr Sportwissen