Bundesliga - FC Bayern: Matt geht's auch

Tja, Eintracht, was war das denn jetzt da in München? Geht man verärgert aus der Partie, oder mit hoch erhobenem Haupt? Alex Meier dachte in der Mixed Zone über die Frage kurz nach, runzelte die Stirn, fummelte einmal schnell am Ohr und fand dann seine Antwort: "Ich denke, beides."

In der Tat eine Aussage, die jene 90 Minuten irgendwie am besten charakterisiert.

München gegen Frankfurt. Auf dieses Spitzenspiel musste man lange warten. Letztmals war die Eintracht den erstplatzierten Bayern in der Saison 1993/94 dermaßen auf die Pelle gerückt, dass ein Duell dieses Prädikat vor Anpfiff verdient hatte.

Dass es nun die Erwartungen bis Abpfiff nicht erfüllen konnte lag dabei nicht unbedingt an den Gästen aus Hessen. Diese Eintracht, da war sich auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß sicher, "wird auch weiterhin für Überraschungen sorgen. Mit dieser Leistung sind sie immer in der Lage, auswärts ein Spiel zu gewinnen."

Nur eben nicht in München. Das hat Tradition. Von den letzten 29 Besuchen an der Isar war nur einer durchweg erfolgreich. Der 2:1-Auswärtssieg liegt allerdings zwölf Jahre zurück. Und auch jetzt im 30. Anlauf gab es wieder nichts zu holen, "weil ihnen am Ende einfach auch die Erfahrung fehlte", wie Hoeneß korrekt feststellte.

Angriffslustige Eintracht

Denn mit etwas mehr Glück oder etwas weniger Pech wäre für die engagiert und couragiert aufspielende Elf von Trainer Armin Veh auch Zählbares drin gewesen. "Bei allem Respekt vor Bayern müssen wir unser Spiel aufziehen und angreifen", hatte Eintracht-Verteidiger Bamba Anderson vor dem Spiel im Interview mit eurosport.yahoo.de erklärt. Natürlich haben diesen heroischen Vorsatz viele Bayern-Gegner vor Anpfiff, um sich dann in aller Regel und devoter Harmlosigkeit besiegen zu lassen.

Doch Anderson behielt Recht. "Wir können da nicht hinfahren und nur verteidigen." Frankfurt fuhr also da hin und griff an. Ob Stefan Aigner, Sebastian Rode, Alex Meier oder eben Anderson: "Wir hatten unsere Chancen", wie Meier etwas bedrückt feststellte. "Zwei, drei Chancen sind gegen Bayern schon viel. Wenn man gewinnen will, dann muss man die nutzen. Und das haben wir eben nicht getan."

Matt statt Glanz

Und für dieses Versäumnis wird man von den Bayern gerne mal bestraft. Nach der Gala gegen Lille, die als "glänzende Vorstellung" und "glanzvoller Auftritt" auf Europas Rotem Teppich medial umjubelt wurde, blieb der Glanz der Bayern gegen Frankfurt allerdings matt. Karl-Heinz Rummenigge sprach von fehlender Frische nach dem Spiel gegen Lille und Kapitän Philipp Lahm monierte das Defensivverhalten sowie mangelhaftes Umschaltspiel "in beide Richtungen" und einen Mangel an Spritzigkeit. Und so war es irgendwie logisch, dass Franck Ribéry die Initialzündung liefern musste.

Im Gegensatz zu seinen Teamkollegen war der Franzose wie immer stets in Bewegung, versuchte die Münchner Statik durch häufiges Rochieren aufzubrechen. In der 44. Minute belohnte er sich mit dem 1:0 nach Vorarbeit von Javier Martinez, der seinerseits von David Alaba fantastisch bedient wurde.

In der 77. Minute besorgte der Österreicher den Endstand dann selbst. Mit dem ruhenden Ball aus elf Metern, nach einem schmeichelhaften Foul von Vadim Demidov an Bastian Scheinsteiger. Bis dato hatte Keeper Kevin Trapp die Eintracht mit klasse Fußparaden im Spiel gehalten. Und so blieb für die Bayern nach dem glanzlosen Arbeitssieg die Erkenntnis: Matt geht's auch. Bei der Eintracht hingegen bildeten Stolz und Frust am Ende eine hessische Symbiose.

Bittere Pille für Boateng

Dennoch: Ein Beleg, warum Frankfurt als Aufsteiger in der Spitze mitmischt, lieferte das Team in Form von Moral und mutiger Spielfreude. "Man konnte sehen, dass Eintracht Frankfurt taktisch sehr gut organisiert ist. Zudem sind sie läuferisch sehr stark und kampfstark", lobte Rummenigge. "Es war ein hartes Stück Arbeit, dieses Spiel zu gewinnen."

Ein Sieg mit fadem Beigeschmack allerdings. Denn die Freude über das erfolgreiche Saisondebüt des lange verletzten Daniel van Buyten wurde von der Tatsache getrübt, dass der Belgier nach rund einer halben Stunde für Jerome Boateng ins Spiel kommen musste. Der Nationalverteidiger fällt mit Verdacht auf einen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich wohl länger aus.

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