Bundesliga - Bayern: Jetzt sind sie fällig!

2012 haben die Bayern bereits ein Ziel erreicht, das sie selbst gar nicht ausgegeben haben: die Herbstmeisterschaft. Dieser bisweilen recht kurzlebige Ruhm hat für die Münchner in der Regel keine Bedeutung. Was zählt, ist der Mai.

Uli Hoeneß hatte da einst die Erkenntnis gewonnen, dass Nikoläuse recht schlechte Osterhasen abgeben würden - auch wenn das die Recycling-Künstler der Schokoladenindustrie anders sehen dürften.

Matthias Sammer hatte das zuletzt unterstrichen, als er die Möglichkeit durchspielte, im Mai eben ohne Schale dazustehen. "Dann bringt es nichts, auf seine Autogrammkarte zu schreiben: Ich war mal Herbstmeister."

Widersprechen möchte man da nicht. Die Bayern haben scheinbar eben einfach keine Lust mehr auf kindische Spielchen und Frotzeleien. Wahrscheinlich wissen sie an der Isar, dass man sich die große Klappe nur erlauben kann, wenn auch mal wieder was dahintersteckt.

Beim FCB ist das zwar zweifellos der Fall. Allerdings sind die internen Ansprüche natürlich ganz andere: Titel.

Das kann doch so nicht weitergehen!

Die letzten gab’s im Sommer 2010 mit dem Double. Danach stand ihnen national plötzlich eine ganze Menge Dortmund im Weg, international ein bisschen Pfosten und viel Unvermögen. Klar, dass sich das 2013 verdammt noch mal endlich ändern soll.

Also fokussiert man sich weiter aufs Wesentliche: auf sich selbst. Die Fehler der Vergangenheit hat man erkannt und behoben. Das Ausruhen auf Lorbeeren mag zwar bequem sein, doch wer ruht, kommt keinen Schritt vorwärts. Der Verweis auf längst anwesendes Top-Personal wie Franck Ribéry, Arjen Robben, Philipp Lahm, Mario Gomez oder Bastian Schweinsteiger ist für sich allein eben noch kein Beleg für die Qualität des Kaders.

Und deshalb wurde der trotzige Sparkurs beendet und die Kriegskasse geöffnet. Mit Erfolg, wie Ottmar Hitzfeld nun in der "Bild" feststellt: "Was die Breite des Kaders angeht, ist seit dem Sommer keine Mannschaft so stark besetzt wie Bayern." Hitzfeld spricht nicht vom nationalen Kräftevergleich, er spricht von Europa.

Der beste Kader Europas

Und tatsächlich, obwohl man sich über die Höhe der Ablöse für Javier Martinez weiterhin sehr wundern darf, wurde der Kader mit Sinn und Verstand gezielt verstärkt. Doch bei allen Lobes-Hymnen auf den Spanier, der Schlüssel-Transfer war er nicht.

Dieses Prädikat darf sich der weitaus günstigere Dante ans Revers heften. Wozu er fähig ist, hatte der Innenverteidiger zwar schon in Gladbach bewiesen. Doch dass er es auch umgehend bei den Bayern kann, das verdient Respekt.

Ähnliches gilt auch für Xherdan Shaqiri, der sich sowohl im offensiven Zentrum als auch auf dem Flügel als echte Option angeboten hat und nun mit erfrischender Chuzpe daran arbeitet, mehr als nur eben diese Option zu sein. Ein Schritt, der Mario Mandzukic bereits umgehend geglückt war. Im Vorfeld gleich mal als Mittelklasse-Gomez abgestempelt, gelang dem neuen Mario bestens die Vertretung des alten.

Hitzfelds These, die Bayern hätten den stärksten Kader Europas, ist gewagt. Völlig falsch ist sie aber nicht. Es mag in Barcelona und Madrid prominentere Stammkräfte geben, die besseren Optionen bei der Rotation haben aber die Münchner. Ein potenziell entscheidender Faktor, wenn die Saison über die Jahreswende auf die Zielgerade mit drei Wettbewerben einbiegt.

Merken, wenn's zu spät ist...

Die neue Zurückhaltung und verbale Bescheidenheit ist am Ende der Gesamtbetrachtung wohl das letzte Puzzleteil im großen Ganzen. Matthias Sammer lebt dieses neue Credo vor und artikuliert es häufig genug: erst die Arbeit bringt mögliches Vergnügen. Und nur wer sich voll auf seine Ziele konzentriert und sich nicht in psychologischen Plänkeleien verliert, kann diese Ziele auch erreichen - und mit diesem Kader sind die Bayern jetzt fällig für Titel.

"Wir sind auf einem sehr guten Weg, aber wir müssen ihn unbeirrbar weitergehen", mahnt Sammer mit Blick auf die Meisterschaft. "Was in der Champions League und im DFB-Pokal passiert, lassen wir einfach mal auf uns zukommen."

In der Ruhe liegt die Kraft, könnte man mit Blick auf die Bayern meinen. Oder man könnte einfach Messis schreibenden Landsmann Aldo Cammarota zitieren: "Bescheidenheit beruht auf der Hoffnung, dass andere Leute von alleine merken werden, wie großartig wir in Wirklichkeit sind."

Mal schauen, ob man 2013 was merken wird...

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