Bundesliga - Alarm in Stuttgart: "Wir liegen im Dreck!"

Der VfB Stuttgart steckt nach der fünften Pleite in Folge tief in der Krise. So schlecht waren die Schwaben zuletzt vor knapp 26 Jahren. Sollte die Negativserie weitergehen, wird Trainer Bruno Labbadia auch der schönste Vertrag nichts nutzen.

Nachdem Fredi Bobic ein paar Sekunden vergeblich auf die Fragen der Journalisten gewartet hatte, ergriff der Sportdirektor des VfB Stuttgart selbst das Wort.

"Gibt es Fragen oder sind wir alle tot?", fragte der Europameister von 1996 nach dem 1:4 (0:1) der Schwaben am 21. Spieltag gegen Werder Bremen in die Runde.

Danach gab es Fragen, und tot ist der VfB trotz der fünften Niederlage in Folge auch nicht - aber so schlecht wie seit fast 26 Jahren nicht mehr. Eine derartige Pleitenserie hat der Klub zuletzt im Mai/Juni 1987 erlebt. Unter Trainer Egon Coordes setzte es damals sieben Pleiten in Folge, der Coach musste danach seinen Stuhl räumen.

Der aktuelle Trainer Bruno Labbadia steht noch nicht in der Schusslinie - auch weil er seinen Vertrag erst Ende Januar verlängert hat. Doch sollte die Negativserie weitergehen, wird dem Coach auch der schönste Vertrag nichts nutzen. Schon nach der kommenden Woche könnte es für Labbadia eng werden. Der Trainer braucht am Donnerstag in der Europa League gegen den KRC Genk und am Sonntag im Derby bei 1899 Hoffenheim Erfolge.

Labbadia glaubt an die Stärken

Das weiß Labbadia, dessen Schützlinge vor 41.200 Zuschauern haarsträubende Fehler fabrizierten, selbst nur zu gut. "Die Situation ist wie sie ist, und die kann keinen freuen. Dass wir es können, das wissen wir. Aber es wird natürlich wieder ein Kraftakt. Es ist schade, dass wir wieder in dieser Situation sind", sagte Labbadia. Der 47-Jährige kann nur froh darüber sein, dass sich der Unmut der Fans ("Vorstand raus") derzeit auf die Klubführung um Präsident Gerd E. Mäuser konzentriert.

"Die Fans sind natürlich enttäuscht, das ist doch normal. Uns geht es doch nicht anders", sagte Bobic, der angesichts von lediglich 25 Punkten auf dem Konto erst einmal Abstand zum Tabellenende gewinnen will: "Klar ist es jetzt ungemütlich. Wir liegen im Dreck. Da kommt man nur mit Erfolgserlebnissen wieder raus. Das wird ein harter und schwieriger Weg. Leider haben wir unsere gute Ausgangsposition nach der Hinrunde kaputt geschossen. Nun müssen wir erst einmal 40 Punkte holen."

Zahlreiche individuelle Fehler

Doch selbst um dieses Minimalziel zu erreichen, muss sich das Team gewaltig steigern. Die Bremer Mehmet Ekici (34. und 74.), Aaron Hunt (60.) und Kevin de Bruyne (90.+2) wurden zum Toreschießen förmlich eingeladen, so konnten die Gäste erstmals seit November 2011 (!) wieder zwei Partien in Folge gewinnen. Der zwischenzeitliche Ausgleich von Ibrahima Traoré (50.) änderte nichts an der weitgehend desolaten Vorstellung der Stuttgarter.

"In der Defensive haben wir uns oftmals naiv angestellt. Diese individuellen Fehler muss man natürlich abstellen. Aber wenn man in einer Negativspirale ist, kann man die nur schwer stoppen. Da fehlt dann einfach das Selbstvertrauen", äußerte Bobic, der von den Profis eine Reaktion erwartet: "Wir dürfen nicht arrogant oder überheblich sein und denken, dass es von alleine besser wird. Wir müssen die Europa League nutzen, um Selbstvertrauen zurückzugewinnen."

Sehnsucht nach Cacau

Zurückgewinnen wird der VfB seinen schwer verletzten Nationalstürmer Cacau wohl erst im kommenden Monat. Er plane sein Comeback für "Mitte oder Ende März" sagte der Stürmer bei "sky". Der gebürtige Brasilianer hatte im Oktober des vergangenen Jahres einen Riss des Innenbandes sowie des hinteren Kreuzbandes im linken Knie erlitten.

Bis dahin will Torjäger Vedad Ibisevic die Wende bereits erzwungen haben. "Das hört sich vielleicht komisch an, aber ab jetzt kann es nur noch besser werden", sagte der Bosnier: "Wir wollen so schnell wie möglich da raus und werden das auch schaffen. So viele individuelle Fehler kann man gar nicht jedes Spiel machen."

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