Bundesliga - So baut Guardiola die Bayern um

Pep Guardiola ist noch längst nicht da, und trotzdem überschattet er bereits alles. Die Verpflichtung des Katalanen wird gefeiert und mit immensen Erwartungen verknüpft. Guardiola soll nicht nur die Bayern, sondern gleich die ganze Bundesliga auf ein neues Level befördern – allein durch seine Anwesenheit. Doch in erster Linie ist Guardiola kein Messias, sondern ein Fußball-Lehrer.

Bei all dem Getöse um den Effekt des großen Namens sowie die Bedeutung seiner Entscheidung pro solide geführtem FC Bayern und contra Investoren-Millionen aus England, besser kann auch Guardiola die Münchener nur auf dem Platz machen. Alles andere ist Marketing-Gedöns.

Umso wichtiger ist es, einen Blick auf den Fußball des 41-Jährigen zu werfen und mögliche Veränderungen des Bayern-Spiels aufzuzeigen.

Die Philosophie: Guardiola galt schon als Spieler als Führungspersönlichkeit und zeichnete sich neben seiner besonderen Übersicht auch durch sein starkes Passspiel aus. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich der FC Barcelona während seiner Amtszeit als Trainer genau in diese Richtung entwickelte. Guardiola legt hohen Wert auf Dominanz durch Ballbesitz und viele kurze Pässe, die den Gegner ständig in Bewegung halten und so ermüden.

Unter ihm hatte Barca in beinahe jedem Spiel Ballbesitzquoten von über 70 Prozent. Interessanterweise passt genau das auch zum FC Bayern, der gerade in den vergangenen Monaten ebenfalls immer mehr im Ballbesitz war - wenn auch auf eine andere, nicht ganz so kurzpasslastige Art.

Offensive: Um das Kurzpassspiel aus Barcelona umzusetzen, braucht Guardiola auch im Sturm sehr bewegliche und teilnehmende Spieler - etwas, was gerade Mario Gomez in Deutschland immer wieder abgesprochen wird. Auch Mario Mandzukic hat dort Verbesserungspotential. Dementsprechend wären personelle Veränderungen gerade im Sturm-Zentrum denkbar.

Es scheint möglich, dass neben den perfekt zu Guardiola passenden Flügelstürmern Franck Ribéry und Arjen Robben die Jungstars Thomas Müller oder Xherdan Shaqiri als dritte Offensivkraft ihre Chance bekommen, wenn man das Barca-System vollständig auf die Bayern umlegen will. Doch mit der Vorbereitung eines gesamten Sommers könnte Guardiola auch Gomez und Mario Mandzukic diesbezüglich noch um- beziehungsweise weiterschulen und würde dann zusätzlich von deren klassischen Stürmer-Qualitäten im Strafraum profitieren.

Dreierkette: Beim FC Barcelona kehrte Guardiola zu einer fast ausgestorbenen Deckungs-Variante zurück - zur Dreierkette. Auch beim FC Bayern würde er für diese Variante gute Voraussetzungen vorfinden. Er könnte Jerome Boateng, Holger Badstuber und Dante dafür einsetzen und immer bei Bedarf Javi Martinez mit nach hinten ziehen. Das Verteidiger-Trio wäre für dieses System gut geeignet und würde mehr Offensive auf den Flügeln ermöglichen.

Allerdings fielen dem wohl David Alaba und Philipp Lahm zum Opfer - eine Konstellation, die im Münchener Umfeld sicher auf viele fragende Gesichter stoßen und ohne sofortigen Erfolg für Unruhe sorgen würde. Deshalb erscheint das eher als unwahrscheinlich.

Die Wackelkandidaten: Guardiola sorgte in Barcelona schon zu Beginn seiner Amtszeit für Wirbel, als er gestandene Superstars wie Ronaldinho und Samuel Eto’o aussortierte. Das zeigt, dass der Katalane vor großen Namen keinen Halt macht, wenn er das Gefühl hat, dass ein Spieler nicht perfekt zu seiner angestrebten Spielweise passt.

Für die Bayern-Spieler bedeutet das, dass sich nahezu jeder hinterfragen muss - eine Ausbootung eines Stars wäre aber trotzdem überraschend. Schließlich kannte Guardiola die Mannschaft in Barcelona schon sehr gut, weil er zuvor Trainer der Reserve war. In München ist er hingegen ganz neu. Um ihren Platz im Kader müssen daher eher diejenigen Spieler fürchten, die schon unter Jupp Heynckes kaum zum Einsatz kommen und deren Verträge auslaufen - beispielsweise Anatoli Timoschtschuk oder Daniel van Buyten.

Mögliche Neuzugänge: Durch die Verpflichtung des "Mr. Barcelona" scheint es naheliegend, dass im Sommer neben dem Trainer auch Spieler des spanischen Tabellenführers nach München kommen. Ein Name, der sofort die Runde machte: Sergio Busquets. Doch gerade auf dessen Position ist man in München mit Martinez mehr als ausreichend besetzt. Hinzu kommt, dass die großen Stars der Katalanen zu teuer sind, als dass der FC Bayern ernsthaft über einen Transfer nachdenken dürfte - und die Spieler aus der zweiten Reihe wären für den ohnehin gut aufgestellten Bayern-Kader kaum eine Verstärkung.

Wahrscheinlicher ist daher, dass der eingeschlagene Weg, nach deutschen Talenten Ausschau zu halten, fortgesetzt wird - allerdings nicht ohne die Mitsprache des zukünftigen Trainers, der in den kommenden Monaten vor seinem Amtsantritt sicher schon eng mit Matthias Sammer zusammenarbeiten wird.

Veränderungen bei Guardiola selbst: Dass Guardiola für Änderungen beim FC Bayern sorgen wird, das ist klar - einige Möglichkeiten wurden oben bereits aufgezeigt. Doch dabei wurde auch klar: Nicht alles wird Guardiola vom FC Barcelona übernehmen können. Auch er selbst wird sich in München anpassen müssen.

Das zeigte sich schon bei der Vertrags-Unterschrift. In Barcelona unterschrieb der Katalane immer nur Ein-Jahres-Verträge, um nach jeder Saison entscheiden zu können, ob ihm die Entwicklungen im Verein noch gefallen und gleichzeitig auf diese Weise Druck auszuüben, dass sich alles nach seinen Wünschen entwickelt. In München hingegen hat man Guardiola sofort für drei Jahre gebunden und der dann 42-Jährige trifft auf ein bestehendes Konglomerat aus starken Männern: Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Matthias Sammer.

Hinzukommt, dass Guardiola Deutsch lernen muss, um in München richtig Fuß zu fassen. Im schwierigen medialen Umfeld der Bayern können Sprach-Barrieren für Probleme sorgen - frag' nach bei Giovanni Trapattoni.

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