Boxen - Sturm am Scheideweg: Aufstieg ins Supermittelgewicht?

In einem mickrigen, trostlosen und völlig überfüllten Raum suchte ein verbeulter Felix Sturm vergeblich nach Antworten auf die Fragen nach seiner sportlichen Zukunft. Statt seine Rückkehr auf den WM-Thron zu planen, musste sich der sonst so wortgewandte einstige Mittelgewichts-Weltmeister nach der Pleite gegen den Australier Sam Soliman damit beschäftigen wie seine Karriere überhaupt weitergeht.

"Die Niederlage ist natürlich bitter. Das bedeutet für mich jetzt einen kompletten Neuanfang, aber es gibt noch viele Optionen. Die muss ich nun genau analysieren", sagte Sturm weit nach Mitternacht noch immer sichtlich enttäuscht, als er sein gezeichnetes Gesicht der interessierten Menschenschar präsentierte.

Danach ließ er seinen Kopf aber wieder hängen und schaute wie paralysiert auf den kleinen Bildschirm seines Smartphones.

Ob er dort erste Antworten fand, scheint eher unwahrscheinlich. Im Mittelgewicht, das dürfte dem früheren Superchampion klar sein, scheint es für Sturm vorerst keine Optionen mehr zu geben.

In der IBF-Rangliste ist er nach der Niederlage weiter abgerutscht, der WBA hat Sturm nach umstrittenen Urteilen den Rücken gekehrt. Und in den Ranglisten der WBO und des WBC ist der 34-jährige Leverkusener nicht unter den Top 10 geführt. Alternativen?

Sturm sucht neue Wege

"Vielleicht wage ich einen Neustart im Supermittelgewicht. Die Größe dafür habe ich, und auch das Gewicht ist kein Problem", sagte Sturm, der ansonsten vor jedem Kampf etwa zehn Kilogramm "abkochen" musste. Die Flucht nach vorne und der Aufstieg in die höhere Klasse sei allerdings "sowieso nur Spekulation. Jetzt will ich mich erstmal ein paar Tage erholen und den Ärger vergehen lassen", erklärte Sturm.

Denn der nur phasenweise hochklassige, aber über zwölf Runden spannende Fight gegen Soliman lieferte Diskussionsstoff. Der deutlich aktivere Kämpfer war Soliman, die klareren Treffer landete hingegen Sturm. Zu allem Überfluss sorgte der erfahrene Ringsprecher Michael Buffer noch für Verwirrung, als er fälschlicherweise zunächst Sturm zum Sieger erklärte. Einstimmig (116:111, 114:113, 114:113) sahen die Richter allerdings Soliman vorne.

"Das Urteil ist gesprochen, der Kampf war schwer zu punkten", sagte Sturm überraschend gefasst. Sein Trainer Fritz Sdunek hingegen war fassungslos und konnte sich "die Entscheidung nicht erklären.

Es ist fragwürdig, dass Felix die ersten vier Runden nicht gewinnt." Hätte Sturm den perfekten Start in den Kampf fortgesetzt - in der zweiten Runde schickte er Soliman sogar auf die Bretter - wäre die Diskussion vielleicht müßig. Da Sturm ab der fünften Runde das Boxen aber phasenweise einstellte, ist das Urteil durchaus akzeptabel.

"Ich habe ihn angeklingelt und dachte, es kann schnell gehen", sagte Sturm, der vom Boxen erstmal nichts mehr wissen wollte: "In den nächsten Wochen mache ich Urlaub. Dann trainiere ich und schaue weiter. Aber die größten Boxer haben auch verloren, das ist Tatsache. Ich glaube an mich."

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