Boxen - Ein Schlag änderte sein Leben

Mit nur einem Schlag war für Boxer Ricky Hatton nichts mehr wie zuvor. Doch er kämpfte sich zurück.

Manny Pacquiao hatte gerade den besten Schlag seiner Karriere gesetzt, einen linken Haken direkt an Ricky Hattons Kinn - da waren noch sechs Sekunden in der zweiten Runde ihres Super-Leichtgewicht-Kampfes auf der Ringuhr. Hatton ging wie vom Schlag getroffen zu Boden, war komplett weggetreten, als Pacquiao auf den Ringseilen seinen Sieg feierte.

Hatton lag regungslos auf dem großen Logo in der Mitte des Ringes des MGM Grand Garden und schon wenige Sekunden später war HBO-Kommentator Jim Lampley klar: "Ich bin kein Mediziner, aber es sieht schlimm für ihn aus." Weder Lampley noch die anderen Zuschauer konnten erahnen, wie schlimm es für Hatton wirklich werden sollte.

Jetzt, dreieinhalb Jahre nach dem fatalen Niederschlag in Las Vegas, bereitet sich der mittlerweile 34-jährige Hatton auf seinen ersten Kampf seit diesem unglücksvollen 2. Mai 2009 vor. In seiner Heimatstadt Manchester trifft der Engländer auf Vyacheslav Senchenko aus der Ukraine. Doch der Weg dahin war mehr als steinig und schwer.

Hatton lebt. Schon das grenzt an ein Wunder. Mehrfach sah er sich mit einem Messer in Hand, um durch einen gezielten Schnitt an den Handgelenken seinen Schmerzen ein Ende zu bereiten. Er nahm Kokain, befand sich einer Art ständigem Vollrausch. Sein Gewicht explodierte auf fast 100 Kilogramm. Panikattacken erfassten ihn am Tag wie in der Nacht. Er wünschte, er wäre tot.

"Es gab eine Zeit, in der es aussah, als gäbe es nur diese Option, dass es das Beste für mich wäre, einfach alles zu beenden", sagt Hatton. Zuerst beendete er - obwohl noch im besten Boxer-Alter - nach dem Kampf gegen Manny Pacquiao nur seine aktive Laufbahn. Es war der Beginn einer rasanten Talfahrt, die ihn in einen Rechtsstreit mit seinem ehemaligen Trainer und besten Freund Billy Graham führte und für die hässliche Trennung von seinen Eltern verantwortlich war.

Aber Hatton ist eine Kämpfernatur. "Ich möchte nicht als derjenige in die Geschichte eingehen, der von Manny Pacquiao gestürzt wurde", sagt der 34-Jährige. Mit seiner Rückkehr möchte er sich jedoch nichts mehr beweisen, denn seinen größten Triumph hat er bereits hinter sich. "Ich habe mein Leben geändert. Ich war so weit unten, wie man sich es nur vorstellen kann, aber ich habe das überwunden, bin in einer guten Verfassung und bereit zum Kampf."

Er kichert, als ihm die Frage gestellt wird, was denn passiere, sollte er im Ring nicht wieder zum alten Erfolgsboxer Ricky Hatton werden. Er weiß, dass das möglich ist, wenn auch nicht wahrscheinlich. Doch Hatton ist vorbereitet. "Ohne Frage habe ich den größten Sieg meines Lebens schon damit errungen, dass ich die Dämonen in meinem Leben vertrieben habe", sagt Hatton. "Egal, was im Ring passiert, ich bin schon der Gewinner."

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