Boxen - Promoter Sturm will mitmischen

De la Hoya, Zbik, Geale. Die Plakate der größten Fights hängen über seinem Schreibtisch. Die Gegenwart sieht der Ex-Weltmeister Felix Sturm bei einem Blick in den Laptop. Sturm hat, zumindest in diesen Tagen, die Seiten gewechselt: Maßanzug statt Boxhandschuhe, Büroarbeit statt Sparring, Organisieren statt Schwitzen. Vor seinem großen Kampfabend als Promoter gibt sich der 33-Jährige kämpferisch.

"Sauerland soll kein Monopol haben. Wir werden zwar nicht so groß wie dieser Stall sein, aber mindestens genauso tollen Sport bieten", sagte ein sichtlich entspannter Sturm. Wie vor einem eigenen Fight im Ring strotzt Sturm vor seinem Kampfabend in Düsseldorf vor Selbstvertrauen. Die Worte sprudeln wie gewohnt nur so aus ihm raus.

Kein Wunder, denn durch das eröffnete Insolvenzverfahren gegen den Hamburger Boxstall Universum bieten sich dem einstigen Mittelgewichts-Champion in seiner Rolle als Unternehmer ganz neue Perspektiven.

Auf den ersten Blick könnte sich Sturm an der Konkursmasse bedienen. Davon will er selbst offiziell aber gar nichts wissen. "Für die Boxer", sagt Sturm nachdenklich, "tut es mir sehr leid. Es ist sehr schade, wie mit ihnen umgegangen wurde." Vor der Gründung seiner Ich-AG stand er bis 2010 selbst bei Universum unter Vertrag.

In der Ruhe liegt die Kraft

Verbale Giftpfeile gegen Universum will er im Nachhinein aber nicht abschießen. Im Gegenteil. "Als sie da waren, haben sie mich nicht interessiert, und jetzt interessieren sie mich auch nicht", versichert Sturm. Vielmehr wolle und müsse er auf seine Firma schauen, die er ruhig "Step by Step aufbauen" will. Am Ende dieses Weges will er im Idealfall einen Kreis von 15 bis 18 Boxern unter seinen Fittichen haben.

Mit Hilfe eines Fernsehsenders wird dieses Unterfangen deutlich vereinfacht, "denn man sieht ja, dass es ohne Sender nicht geht", sagt Sturm. Sauerland kooperiert mit der ARD, die Klitschkos mit RTL. Und weil sich Sturm Sat.1 geschnappt hatte, schaute Universum in die Röhre. Etwa acht Kampfabende seien für das kommende Jahr bereits geplant, bei dreien ist Sturm selbst der Hauptkämpfer. Die Protagonisten sind nun - natürlich nur im Ring - aber erstmal andere.

"Killer Queen" Susi Kentikian wird dann ebenso kämpfen wie Firat Arslan, der kurzfristig Ruslan Chagaev ersetzt. Sturm ist sich sicher, dass er neben diesen beiden festen Größen im Boxsport auch weitere Stars formen kann.

"Das ist so, weil sie Brüder sind"

"Entscheidend", behauptet Sturm, "ist doch einfach, dass mit den besten Boxern bestimmte Geschichten verknüpft sind." Ihn selbst machte der Kampf gegen Oscar de la Hoya zum Star, bei einem Arthur Abraham nannte er den im Ring gebrochenen Kiefer. Und die Klitschkos? "Ja, da ist es eben so, weil sie Brüder sind." Auf den ersten Blick ein simples Rezept.

Sturm sieht es außerdem als großen Vorteil, dass er selbst noch im Ring steht. "Ich weiß, wie meine Leute denken und fühlen. Ich würde mich nicht als Chef, sondern eher als Helfer bezeichnen", sagt Sturm über Sturm.

Das kommt anscheinend gut an, denn nicht nur seine Angestellten (Kentikian: "Das kann sich positiv entwickeln, das hat eine gute Zukunft") vertrauen Sturm. Auch Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), traut Sturm einiges zu. "Er hat alle Karten in der Hand und echt gute Chancen, ein kleiner De la Hoya zu werden", sagt Pütz. Den "Golden Boy" hat Felix Sturm ja zumindest auf dem Werbeplakat schon in Reichweite.

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