Boxen - Nur ein Sieg zählt: Sturm unter Druck

"Hard Way Back": Bei seinem Weg zurück auf den Box-Thron hat sich Felix Sturm gequält wie lange nicht mehr. Selbst auf die heißgeliebte Geburtstagstorte verzichtete er. Denn gegen Sam Soliman zählt nur eines: ein klarer Sieg.

Der Weg zurück auf den Box-Thron ist hart, verdammt hart: 400 Sit-ups täglich, unzählige Sparringsrunden - und dann darf sich Felix Sturm für die wochenlange Schinderei nicht einmal an seinem 34. Geburtstag belohnen.

"Natürlich würde ich sehr gerne von der Torte essen, aber ich muss leider auf die Waage. Das nervt schon ein bisschen", gestand der frühere Weltmeister in Düsseldorf.

Dort fand am Donnerstag, seinem Ehrentag, das offizielle Wiegen vor dem Fight gegen den Australier Sam Soliman statt. Bescherung und die lang ersehnte Geburtstagssause soll es aber erst 24 Stunden und einen Sieg später geben. Alternativen? Fehlanzeige.

Sturm in der Bringschuld

Sturm, seit einem knappen halben Jahr entthronter WBA-Superchampion im Mittelgewicht, ist zum Gewinnen verdammt. Ein klarer und überzeugender Erfolg, nichts Anderes zählt. Denn nach der schmachvollen Niederlage gegen den Australier Daniel Geale ist Sturm in der Bringschuld - für seine Fans, für sich und vor allem für seine Familie. "Meine Frau hat mir alles zu 110 Prozent abgenommen, ich konnte mich diesmal voll und ganz auf das Boxen konzentrieren. Jetzt will ich zeigen, dass ich der Beste bin", sagte der gebürtige Bosnier selbstbewusst wie eh und je.

Das Duell am Freitag (23:00 Uhr), das unter dem Motto "Hard Way Back" ("Harter Weg zurück") steht, könnte unter Umständen aber auch für lange Zeit Sturms letzter Angriff auf den Box-Olymp sein. Nur ein erfolgreiches Abschneiden spült ihn auf Platz eins der IBF-Weltrangliste - ein Kampf um die WM-Krone wäre garantiert. Bei einer weiteren Niederlage müsste aber selbst der siegessichere Sturm vielleicht erkennen, dass er seinen Zenit überschritten hat.

Sturm wirkt zu hochnäsig

Denn die erfolgreiche Karriere ist mittlerweile sowieso schon irgendwie ins Stocken geraten: Zu überheblich, zu arrogant, zu hochnäsig hatte der Wahl-Kölner in der Vergangenheit vor seinen Fights gewirkt. Stets betonte er, sich nur auf sich konzentriert zu haben. Dies reiche ja. Viel zu häufig fehlte ihm im Seilgeviert dann aber die taktische Raffinesse - die längst überfällige Quittung erhielt er gegen den ausgefuchsten Geale im September des vergangenen Jahres. Nun sei aber alles anders, versicherte Sturm.

Soliman: "Ich werde Spaß haben"

"Ich habe Soliman ganz genau studiert. Das Sparring verlief super, die Sparringspartner haben ihn perfekt kopiert. Und deshalb habe ich für den Kampf auch eine gute Strategie entwickelt", stellte der wie immer austrainierte Sturm fest. Fast gleichzeitig warnte er aber, dass "Sparring eben auch eine andere Sache" sei und er im Duell mit der Nummer eins der IBF-Weltrangliste "höllisch aufpassen muss."

Warme Worte, wie sie Sturms Kontrahenten äußerst selten zu hören bekommen. Vielleicht wirkte Soliman vor dem Fight auch deshalb so überraschend entspannt und gelassen. Er wolle Spaß haben, betonte der potenzielle Partycrasher, "und ich werde Spaß haben. Das wird ein großartiger Fight", sagte der 39 Jahre alte frühere Kick-Boxer.

Dass sein Widersacher trotz des hohen Alters noch topfit ist, weiß auch Sturm. Der unorthodox kämpfende Soliman könne "von der ersten bis zur letzten Runde gehen." Entscheidend sei da, dass Sturm die Nerven behielte. "Ich habe ja keine andere Wahl. Ich weiß, dass ich ihn klar schlagen muss - und werde. Und danach wird dann gefeiert", sagte Sturm.

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