Boxen - Maske-Lehrmeister Wolke wird 70

Trainer Manfred Wolke ist ein Besessener des Boxens. Er machte aus den einstigen DDR-Talenten Henry Maske und Axel Schulz Superstars und holte das deutsche Profiboxen aus seiner Schmuddelecke. Auf den stillen Wolke fielen aber nur vereinzelt die Strahlen des Ruhmes. Jetzt feiert der Olympiasieger von 1968 seinen 70. Geburtstag.

"Manfred hat nie ein Blatt vor den Mund genommen, das tat manchmal weh, und dafür wurde ihm nicht immer Beifall geklatscht", sagte Maske, Wolkes erfolgreichster Schützling, dem SID: "Er hat immer die höchste Qualität gefordert. Ohne Manfred Wolke wäre ich nie so weit gekommen. Er ist mein bedeutendster Lehrer."

Gemeinsam wagt das erfolgreiche Amateur-Duo nach der Wende den Schritt ins Profigeschäft. "Das war ja ein Sprung ins eiskalte Wasser", sagte Wolke dem SID, "viele haben uns gewarnt, dass Henry bei den Profis nicht mithalten kann, dass wir nach ein paar Wochen auf der Straße liegen würden." Aber natürlich kam es bekanntlich ganz anders.

Im Osten gelten sie zunächst als Verräter, Wolke fliegt wie Maske, den er 1988 zu Olympia-Gold geführt hatte, aus der angestammten Trainingshalle in Frankfurt an der Oder. Aus einer heruntergekommenen Garage heraus erobern sie danach gemeinsam die Box-Welt.

"Nur was für Verrückte"

Als Maske 1996 seine Karriere beendet, ist er längst der "Gentleman", über 17 Millionen Menschen verfolgen das Spektakel am Fernseher, die A-Prominenz sitzt am Ring. In den Anfangszeiten sah das noch ganz anders aus. Da versuchten die Rotlichtgrößen am Ring, den Nummerngirls unter den Rock zu gucken. Doch mit Wolke und Maske wird Boxen in Deutschland schick.

Dabei ist "Boxen nur was für Verrückte", sagt Wolke und meint den absoluten Willen, den unbedingten Fokus auf den Sport - alles andere ist für ihn Nebensache. "Boxen kann man nicht nebenbei machen. Das ist zu gefährlich", sagt er: "Nur bedingungslose Hingabe bringt den Erfolg." Maske sagt: "Mittelmaß war nichts für ihn. Misserfolge haben an ihm genagt."

"Feingeist des Boxens"

Doch der Schleifer Wolke forderte seine Schützlinge nicht nur körperlich. Der gebürtige Potsdamer wollte keine kämpfenden Maschinen produzieren. "Ich wollte den Jungs nicht nur die Rechte oder Linke beibringen. Ich wollte sie als Menschen verändern, fit für das Leben nach der Profikarriere machen und Persönlichkeiten ausbilden. 'Hau drauf' war mir zu wenig", sagt Wolke. Maske nennt seinen Lehrmeister einen "Feingeist des Boxens".

Ohne seinen "Henny" und Schwergewicht Schulz, den Wolke ebenfalls fast zum Weltmeister machte, blieben die Erfolge später aus. Fritz Sdunek und Ulli Wegner lösten ihn als Trainer-Gurus ab. Nur 2007, zu Maskes Revanche-Kampf gegen Virgil Hill, stand Wolke noch einmal im Licht der Öffentlichkeit. Die Trennung von Promoter Sauerland Ende 2009 verlief nicht ohne Groll. "Aber das ist längst vergessen", sagt Wolke.

Wolke dankt seiner Frau

Natürlich würde er seine Erfahrung noch immer gerne vermitteln, "aber nur unter meinen Bedingungen". Und so lange ihn niemand darum bittet, genießt er den Ruhestand und die freie Zeit mit seiner geliebten Frau Brigitte. "Ihr verdanke ich alles, was ich bin. Meinen Olympiasieg, das Abitur, das Hochschul-Diplom und vor allem die Ordnung in meinem Leben", sagt Wolke.

Bei seinen vier Enkeln holt er nach, was bei seinen drei Kindern viel zu kurz kam. "Als Trainer hatte ich ja nie Zeit", sagt Wolke, "aber jetzt bin ein richtiger Bilderbuch-Opa." Und so wird der 70. Geburtstag am Montag auch nur im engsten Familienkreis gefeiert. "Ich stehe nicht gern im Mittelpunkt", sagt Wolke. Auf den schon früher die Strahlen des Ruhmes nur vereinzelt fielen.

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