Boxen - "Killer-Queen" Kentikian greift nach WM-Gürtel

Rund sechs Monate nach ihrer ersten Profi-Niederlage steigt Susi Kentikian jetzt wieder in den Ring. Gegen die Amerikanerin Carina Moreno geht es in Düsseldorf um den vakanten WBA-Titel im Fliegengewicht.

Schnell und präzise erreichen Susi Kentikians Schläge ihr Ziel. Mit Aufwärtshaken und Geraden treibt die 1,54 Meter kleine Boxerin ihren männlichen Kontrahenten, der selbst in geduckter Haltung noch mehr als einen Kopf größer ist, durch den Ring.

Wirkungstreffer erzielt Kentikian keine, ihr Sparringspartner beendet die Trainingssession unbeschadet. Am Samstag soll es der Amerikanerin Carina Moreno anders ergehen, wenn Kentikian in Düsseldorf um den vakanten WBA-Titel im Fliegengewicht kämpft.

Es ist die Rückkehr der "Killer-Queen" auf die große Bühne. "Ich habe seit Wochen hart trainiert und freue mich sehr auf den Kampf", sagt Kentikian.

Die 25-Jährige spricht eindringlich und mit ruhiger Stimme. Sie trägt ihre Haare offen, lacht viel, und scheint mit der Person im Ring und ihrem gefährlich anmutenden Kampfnamen wenig gemein zu haben. "Hochmotiviert" ist eines ihrer häufig verwendeten Wörter: "Ich habe etwas gutzumachen."

"Für mich war das eine Lehre"

Lange war es ruhig geworden um die Hoffnungsträgerin des deutschen Frauenboxens, nachdem sie vor rund sechs Monaten überraschend gegen die Amerikanerin Melissa McMorrow verloren hatte und zwei ihrer drei Weltmeistertitel (WBO und WIBF) an ihre Gegnerin abgeben musste. 29 Siege in 30 Kämpfen hatte die zuvor ungeschlagene Kentikian bis dato erreicht, die erste Profi-Niederlage war ein schmerzhafter Tiefpunkt.

Und doch eine wichtige Erfahrung. "Alles hat seinen Grund. Für mich war das eine Lehre", sagt Kentikian. Sie habe ihr Training und ihre komplette Einstellung umgestellt: "Bei mir hatte sich eine gewisse Routine eingestellt", sagt die Hamburgerin, die auf einen Rückkampf gegen McMorrow hofft: "Ich möchte zeigen, dass ich die Stärkere bin."

Zuvor muss sich Kentikian am Samstag aber mit Carina Moreno messen, wo es um den WBA-Titel geht, den Kentikian nach ihrer Niederlage freiwillig abgab. "Sie ist eine gute Gegnerin, eine absolute Herausforderung. Sie hat schon gegen viele namhafte Boxerinnen gekämpft. Ich muss eine zehnfache Leistung bringen", sagt Kentikian.

Olympia im Hinterkopf

Unterstützt wird sie dabei von Felix Sturm, der Kentikian als Promoter unter Vertrag genommen hat. "Ich beobachte Susi jeden Tag beim Training. Sie ist in großartiger Form", sagt der frühere WBA-Mittelgewichts-Weltmeister Sturm. Kentikian, die den Hauptkampf des Abends bestreitet, gab das Lob prompt zurück: "Ich bin sehr zufrieden, wir harmonieren echt super. Das ist sehr, sehr wichtig für mich, denn ich bin ein Herzensmensch."

Mit einem Sieg am Wochenende wäre der erhoffte Rückkampf gegen McMorrow wohl nur Formsache, Kentikian will aber unabhängig vom Resultat auch in den kommenden Jahren weiter im Profi-Geschäft unterwegs sein. Einzig ein großer Traum könnte sie zu einem vorzeitigen Karrierende bewegen. "Für mich wäre es definitiv ein Ziel, bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio zu starten. Olympia, das klingt schon fantastisch. Wenn ich keine Profiboxerin geworden wäre, hätte ich schon in London mitgemacht", sagt Kentikian.

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