Boxen - El-Halabi vor entscheidendem Kampf

Gleich im ersten Duell nach ihren schweren Schussverletzungen vor knapp zwei Jahren kämpft Boxerin Rola El-Halabi um ihre Existenz. "Ich bin zum Siegen verdammt. Wenn das schief geht, ist nicht nur meine Karriere beendet, sondern ich bin auch finanziell erledigt", sagte die 27-Jährige der "Welt". "Die Veranstaltung kostet mich einen sechsstelligen Betrag", ergänzte sie mit Blick auf den WM-Kampf.

Am Samstag trifft El-Halabi in Ulm auf die Italienerin Lucia Morelli.

Stiefvater schoss auf Boxerin

Dass dieser Fight stattfindet, gleicht einem kleinen Wunder. Am 1. April 2011 wartet die damalige Weltmeisterin mit libanesischen Wurzeln in Berlin auf ihre Titelverteidigung, als ihr Stiefvater mit vorgehaltener Pistole in die Umkleidekabine stürmt. Er schießt El-Halabi gezielt in die rechte Schlaghand, ins linke Knie und in beide Füße. Ein Ereignis, an welches die Leichtgewichtlerin auch heute noch täglich erinnert wird.

Angriff mit Folgen

"Es reicht schon, wenn ich morgens in den Spiegel schaue. Ich habe zwölf Narben von diesem einen Tag", sagt El-Halabi. Hinzu kommen tiefe seelische Wunden. In ihrer Heimatstadt Ulm habe sie deshalb mit Psychologen gearbeitet - ohne Erfolg. Häufig wacht sie von Albträumen geplagt auf und gesteht, "dass ich sehr, sehr schreckhaft geworden bin".

Auch aus diesem Grund wird sie nach dem Kampf in Ulm mit ihrem Verlobten aufs Land ziehen. Wenn es nach El-Halabi geht, natürlich mit einem WM-Gürtel im Gepäck. "Was kann es Größeres geben als eine WM? Es muss ein WM-Kampf sein, alles andere hätte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren können", sagte El-Halabi.

Ihren Kampfgeist hat sie jedenfalls nicht verloren: "Ich muss sagen, dass ein Boxkampf nichts ist im Vergleich zu dem, was ich durchgemacht habe." Über eine Niederlage denke sie deshalb nicht nach.

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