Biathlon - Magdalena Neuner: Aller guten Dinge sind drei

Ihre Waffe nimmt "Biathlon-Rentnerin" Magdalena Neuner höchstens noch in einer Fernsehshow in die Hand. Mit ihrem Sport hat die Rekordweltmeisterin längst abgeschlossen. Im März beendete die Ausnahmekönnerin mit nur 25 Jahren ihre beeindruckende Karriere. Doch auch neun Monate danach waren beim Gala-Abend in Baden-Baden alle Augen auf die sympathische Wallgauerin gerichtet.

Zum dritten Mal nach 2007 und 2011 ist sie die Nummer eins des deutschen Sports. Und das in einem Jahr, das eigentlich mit Olympischen Sommerspielen den Höhepunkt hatte.

Neuners Leben ist in den letzten Monaten ein anderes geworden. Weg vom Schießstand und der Loipe, hin zu Fernseh- und Werbeauftritten. Zur Ruhe kommt die zwölfmalige Weltmeisterin dabei trotzdem nicht. "Der neue Alltag lebt sich sehr gut. Aber es lebt sich ganz anders, wenn man einen großen Teil seines Lebens zurücklässt", sagt Neuner. Termine für ihre Sponsoren - die nach ihrem Rücktritt sogar mehr geworden sind - absolviert die Doppel-Olympiasiegerin regelmäßig, auch im Fernsehen ist sie weiter gefragt. Die blonde Bayerin hat sich zum Medienprofi entwickelt, immer ein Lächeln auf den Lippen.

Neuner-Abschied mit stolzer Sammlung

Mit einem Cappuccino in der Hand verfolgt sie die Biathlon-Rennen in dieser Saison vom heimischen Sofa aus. Dort, wo sie in den letzten Jahren von Sieg zu Sieg geeilt ist, würde sie sich jetzt nicht mehr wohlfühlen. "Ich bin glücklich mit dem Rücktritt", sagt Neuner: "Ich bin jetzt Biathlonfan wie jeder andere auch." Fehlen würde ihr dabei nichts, Sport treibe sie nur noch in der Freizeit.

Doch die Erinnerungen an die "gigantische Heim-WM" in Ruhpolding, wie Neuner sie selbst nannte, sind noch immer da. Der Biathlon-Boom hatte im März in Oberbayern seinen Höhepunkt erreicht, Neuner trat auf dem absoluten Gipfel ab. Knapp 220.000 Fans kamen, und Neuner räumte ein letztes Mal Medaillen ab. Gold in der Staffel, Gold im Sprint, Silber in der Verfolgung und Bronze in der Mixedstaffel - eine stolze Sammlung.

Aus den Köpfen der Fans ist sie auch deswegen noch nicht verschwunden, "Gold-Lena" spürt die Schattenseiten des Ruhms weiter. "Es ist nicht weniger geworden. Sondern eher mehr", hatte Neuner gesagt: "Nach meinem Karriereende hatten viele das Bedürfnis, mich noch einmal zu sehen. Ich sag' da immer: Ich existiere doch noch weiter."

"Ich habe diesen Biss nicht mehr"

Fans würden noch immer an der Tür ihres Hauses im bayerischen Wallgau klingeln. "Es gibt natürlich nach wie vor unschöne Begleiterscheinung", sagt Neuner, die schon mehrfach Ärger mit Stalkern hatte und sich auf dem Höhepunkt ihres Ruhms sogar bedroht fühlte.

Ein letztes Mal wird Neuner am 29. Dezember bei ihrem Abschiedsrennen in der Schalker Arena in die Loipe gehen. "Es ist ganz klar, dass ich nicht mehr so fit bin. Für mich ist das mehr ein Spaßwettkampf", sagte Neuner. Daran, dass es definitiv ihr letzter Auftritt mit dem Gewehr auf dem Rücken und den Skiern unter den Füßen sein wird, hat die dreimalige Gesamtweltcupsiegerin keinen Zweifel gelassen. Ein Comeback ist ausgeschlossen: "Ich weiß ja ehrlich gesagt nicht, ob ich überhaupt noch Fuß fassen könnte. Ich habe einfach auch nicht mehr diesen Biss."

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