Biathlon - Gössner in großen Fußstapfen

Bereits mit 19 holte Miriam Gössner ihre erste Olympiamedaille. Silber gab es in Vancouver 2010 mit der Langlaufstaffel, genau wie schon ein Jahr zuvor bei der WM in Liberec. Im Biathlon reichte es noch nicht für einen Olympiastart, zu groß war die nationale Konkurrenz. Nun ruhen spätestens nach dem Rücktritt von Magdalena Neuner die meisten deutschen Hoffnungen auf der einstigen Kronprinzessin.

Doch die Kronprinzessin wollte Miriam Gössner nie sein. Die Fußstapfen schienen ohnehin viel zu groß und die Erfolge schlichtweg unerreichbar.

Die immer wiederkehrenden Vergleiche mit Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner hatte die 22-Jährige aus Garmisch irgendwie satt. "Es geht weiter, wir sind nicht stehen geblieben. Lena ist jetzt nicht mehr da", sagte Gössner schon etwas genervt: "Es hat auch schon andere Rücktritte gegeben."

Doch spätestens nach ihrem ersten Weltcup-Triumph im Verfolgungsrennen von Pokljuka - und vor allem der Art und Weise, wie sie sich diesen erlaufen hat - sind Parallelen mit der zurückgetretenen Biathlon-Königin nicht mehr von der Hand zu weisen.

Gössner: "Habe nicht auf den Sieg gewartet"

"Da muss man abwarten. Jetzt ist es noch schwer zu beurteilen, ob Miri eine ähnlich dominante Rolle spielen kann. Ihre Leistung war aber fantastisch, und wir freuen uns für sie. Es ist erst mal wichtig, dass die Konstanz reinkommt", sagte Bundestrainer Uwe Müssiggang. Die Galavorstellung in der Loipe und die fünf Patzer mit der Waffe hatten vielleicht auch in Müssiggang Erinnerungen an Doppel-Olympiasiegerin Neuner geweckt.

"Ich habe nicht auf den ersten Sieg gewartet", sagte Gössner nach dem bisher erfolgreichsten Wochenende ihrer Karriere. "Aber ich wusste, dass ich gewinnen kann, wenn ich einen guten Job mache." Die Auftritte in Pokljuka brachten sie auf einen Schlag bis auf Rang drei der Gesamtwertung im Weltcup.

Es war dieser unnachahmlich raumgreifende Antritt und diese Leichtigkeit, trotz unzähliger Strafrunden an den überforderten Kontrahentinnen vorbeizuziehen, die aus Gössner im strömenden Regen endgültig die potenzielle Nachfolgerin der Magdalena Neuner werden ließen. "Für uns kam das wenig überraschend. Wir hatten schon zuvor deutliche Fortschritte festgestellt. Der Erfolg war nur eine Frage der Zeit", sagte Müssiggang.

Ob dieser zukünftig, wie bei Neuner eben, zur Gewohnheit wird, hängt in den Augen des Cheftrainers einzig von Gössner selbst ab. "Das Potenzial ist da. Sie muss nur diese Laufleistung beibehalten und sich beim Schießen verbessern", sagte Müssiggang. Ein einfaches Rezept also, das sich die bayerische Frohnatur vielleicht ja schon von ihrer Vorgängerin abgeschaut hat.

"Die Lücke ist riesengroß"

Denn nach einem erfolgreichen Tag belohnten sich Gössner und Neuner in ihrem gemeinsamen Hotelzimmer schon mal mit einem Gläschen Eierlikör. Auch Fön und Wasserkocher teilten sich die Skijägerinnen auf ihren Reisen rund um die Welt. Doch plötzlich war Gössner ganz auf sich allein gestellt.

"Die Lücke, die Lena hinterlässt, ist riesengroß", sagte die Staffelweltmeisterin fast ehrfruchtsvoll. Der Erfolgsdruck des verwöhnten deutschen Biathlon-Lagers lastete nach Neuners Rücktritt vor allem auf ihren schmalen Schultern, die im Sommer offensichtlich noch schmaler wurden.

Nach einer komplizierten Zahn-OP musste Gössner leiden. Im April wurde ihr ein neuer Kieferknochen implantiert, nachdem sich der alte durch eine eitrige Entzündung zersetzt hatte. Zudem hat sie zehn Kilo abgenommen und wiegt bei einer Größe von 1,67 m nur noch knapp über 50 Kilogramm.

"Letztes Jahr hatte ich zu viel drauf", hatte sie schon im Sommer offen gesagt. Mittlerweile ist dies anders: "Ich fühle mich wohl und habe eine Topfigur."

Quizaction - Testen Sie Ihr Sportwissen