Gold nach Krimi: "Herz in der Hose"

Julius Brink und Jonas Reckermann haben ihre außergewöhnliche Karriere gekrönt und als erstes europäisches Duo Olympia-Gold gewonnen. Das deutsche Top-Duo ließ sich auch von ihren brasilianischen Angstgegnern Alison Cerutti und Emanuel Rego nicht aufhalten und siegte 2:1 (23:21, 16:21,16:14).

Erst ein ungläubiger Blick, dann tollten Jonas Reckermann und Julius Brink nach dem Matchball ins Gold-Glück ausgelassen über den Londoner Olympia-Sand. In einem packenden Finale hatten die Beach-Boys ihre außergewöhnliche Karriere gekrönt.

Mit dem vierten Matchball machte das deutsche Top-Duo vor 15.000 Zuschauern den Sieg gegen seine brasilianischen Angstgegner Alison Cerutti und Emanuel Rego in einem überaus packenden Spiel perfekt.

"Das war ein sehr großes Spiel mit so vielen Höhen und Tiefen", sagte Reckermann nach dem Gold-Coup überglücklich. "Als der dritte Matchball vergeben war, ist mir schon das Herz in die Hose gerutscht", gestand Brink. "Aber der Beachvolleyball-Gott war heute auf unserer Seite."

Krönung nach Gold bei WM & EM

Damit konnten Brink/Reckermann im vierten Jahr ihrer gemeinsamen Karriere nach dem WM-Titel 2009 und den beiden EM-Siegen 2011 und 2012 auch die wichtigste Krone im Beach-Sport erobern. An der Horse Guards Parade hatten bei der fünften Olympia-Auflage ihres Sports zuvor Martins Plavins und Janis Smedins (Lettland) gegen Reinder Nummerdor/Richard Schuil (Niederlande) Bronze gewonnen.

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Auf dem Exerzierplatz der königlichen Reitstaffel war der Sieg gegen die Weltmeister für die beiden Rheinländer der Höhepunkt ihrer Laufbahn. "Ich weiß nicht, was ich zu Hause zerstört hätte, wenn ich auf dem Heimweg nur meine Olympia-Akkreditierung um den Hals gehabt hätte", hatte der 30 Jahre alte Brink schon nach dem Halbfinale gesagt. Unterstützung erhielt das Duo unter anderem von seinen Hallen-Kollegen, die nach ihrem Viertelfinal-Aus beim imposanten Flutlicht-Finale die Daumen drückten.

Erst 2009 hatten sich Blockspezialist Reckermann und Abwehrexperte Brink zusammen getan, um sich doch noch den Traum von einer Olympia-Medaille zu verwirklichen. 2008 war Brink in Peking mit seinem damaligen Partner Christoph Dieckmann völlig enttäuschend in der Gruppenphase gescheitert. Für Reckermann war mit Dieckmanns Zwillingsbruder Markus 2004 in Athen im Achtelfinale Schluss.

"Turnier wie jedes andere"

Das Projekt Brink/Reckermann stand von Beginn an unter einem guten Stern. Gleich im ersten Jahr ihrer Partnerschaft holten sie den WM-Titel - als erstes europäisches Duo überhaupt. In einem Sport, in dem die großen Titel eigentlich für Teams von jenseits des Atlantiks reserviert schienen. Nach den EM-Siegen 2011 und 2012, zuletzt beim Comeback nach Reckermanns Schulterproblemen, schaffte das Top-Duo das Kunststück, sich als erste Europäer Olympia-Gold zu sichern.

Ganz cool hatten die Beach-Boys ihr britisches Abenteuer in Angriff genommen. "Das ist ein Turnier wie jedes andere. Es geht auch hier in London letztlich nur darum, den Ball auf den Boden zu bekommen", hatte der 33 Jahre alte Reckermann tief gestapelt. Doch auf dem Platz unterstrich das Duo von Beginn an hoch konzentriert wie immer seine Medaillenambitionen.

Souverän marschierte das Team durch die Vorrunde, und konnte sich danach mit jeder Aufgabe steigern. Selbst die unberechenbaren Niederländer Nummerdor/Schuil waren im Halbfinale kein Stolperstein. Silber war sicher - doch die Perfektionisten holten am Ende sogar die "Kronjuwelen" (Brink). Nach sieben Partien war in Sichtweite von Big Ben der größte Erfolg der Karriere perfekt. Gold! Und das in einem atemberaubenden Dreisatz-Spiel.

Im Sand von London unterstrichen Brink/Reckermann damit einmal mehr auch ihre nationale Ausnahmestellung. Jonathan Erdmann und Kay Matysik mussten sich bei ihrer Premiere im Zeichen der Ringe wie Katrin Holtwick und Ilka Semmler mit Rang neun begnügen. Für Sara Goller/Laura Ludwig, durchaus mit Medaillenchancen angetreten, war im Viertelfinale Schluss gegen die brasilianischen Weltmeisterinnen und späteren Bronze-Frauen Juliana Silva/Larissa Franca.

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