Afrika-Cup - Underdog Kapverden im Freudentaumel

In Lúcio Antunes' Worte mischte sich die Portion Pathos, die einem frisch gebackenen Volkshelden wohl zusteht. "Meine Mannschaft und ich widmen diesen Sieg den wundervollen Menschen der Kapverden", sagte der Nationaltrainer des kleinen Inselstaates sichtlich stolz, nachdem der Fußball-Zwerg die Sensation beim Afrika-Cup perfekt gemacht hatte.

Durch ein 2:1 (0:1) in einem dramatischen Spiel gegen Angola ist der Turnierdebütant als punktgleicher Zweiter der Gruppe A ins Viertelfinale eingezogen und sorgte damit nicht nur in der Heimat für einen Ausnahmezustand.

"Wir sind ein kleines, ruhiges Land. Aber heute Nacht, das steht fest, werden die Leute tanzen und singen. Und wie sie sehen können, ist auch unser Trainer dabei", sagte Abwehrspieler Nando. Schon nach dem Siegtreffer durch den eingewechselten Héldon in der Schlussminute war Antunes durch das Nelson-Mandela-Bay-Stadion in Port Elizabeth geflitzt. Jubelnd streckte der Coach die Arme weit von sich, später trug er die blau-weiß-rote Flagge Kap Verdes über das Spielfeld. Als kurz darauf seine Spieler die Pressekonferenz stürmten und zu einer Partyzone erklärten, stimmte der 46-Jährige in den Jubelchor mit ein.

Für ähnliche Szenen sorgte ein Großteil der nur 500.000 Einwohner der 15 Inseln im Atlantik. Im kleinsten Land, das sich je für den Afrika-Cup qualifiziert hat, legten Autokorsos den Verkehr lahm. "Varela und Nhuck (Fernando Varela und Héldon "Nhuck" Ramos, d. Red.) erleuchten die Inseln im Atlantik. Wir sind da. Wir sind zu beglückwünschen", schrieb A Semana, die größte Zeitung des Landes. Zu den ungebremsten Freudenausbrüchen trug auch der Spielverlauf am Sonntag bei.

Trainer auch Fluglotse

Denn lange Zeit sah es so aus, als wäre der Traum von der K.o.-Runde für die Kapverden beendet. Nachdem Angola durch ein Eigentor von Fernando Neves (33.) in Führung gegangen war, brachten Varela (81.) und Héldon (90.) das Überraschungsteam kurz vor Schluss aber doch noch in die Runde der letzten Acht. Zudem profitierten die "Blauen Haie" von einem späten Ausgleichstreffer von Gastgeber Südafrika beim 2:2 (0:1) gegen Marokko. "Wir wussten, was in dem anderen Spiel vor sich ging. Deshalb habe ich meinen Spielern gesagt, dass sie bis zum Ende angreifen müssen", sagte Antunes, für den das Erreichte auch ein ganz persönlicher Erfolg ist.

Antunes arbeitet neben seiner Tätigkeit als Nationaltrainer als Fluglotse und muss sich mit denkbar schlechten Voraussetzungen klarkommen: Die Temperatur in der Hauptstadt Praia liegt das ganze Jahr zwischen 23 und 30 Grad, einen echten Rasenplatz gibt es im ganzen Land nicht. Auch ist das Team eine Ansammlung von Namenlosen. Der überwiegende Teil spielt in der ersten und zweiten portugiesischen Liga. Spieler regelmäßig zu beobachten, ist angesichts der wirtschaftlichen Lage ein schwieriges Unterfangen. "Wir haben kein Geld, um nach Europa zu fliegen. Es ist zu teuer, das macht den Job sehr schwer", sagte Antunes, der im Vorfeld des Afrika-Cups auf Einladung einen Intensivkurs bei Star-Trainer José Mourinho absolvierte.

Praktikum bei Mourinho

Fünf Trainingseinheiten begleitete Antunes bei Spaniens Rekordmeister Real Madrid und zeigte sich besonders von der Ausstrahlung und den klaren Ansagen Mourinhos beeindruckt.

"Er ist fantastisch, sehr intelligent und hat ein großes Herz. Es war eine Ehre, ihn zu treffen", sagte Antunes: "Aber es gibt nur einen The Special One." Spätestens seit Sonntag dürfte Antunes zumindest auf den Kapverden ein ähnlicher Beiname zuteil werden.

VIDEO: Die verrückte Pressekonferenz

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