Afrika-Cup - Salou: "Matthäus wird mich nicht vergessen"

Kult-Stürmer Bachirou Salou spricht im Exklusiv-Interview mit eurosport.yahoo.de nicht nur über das Attentat auf den Mannschaftsbus von Togo, die fußballerischen Qualitäten eines Emmanuel Adebayor und eine legendäre Begegnung mit Lothar Matthäus.

Bachirou Salou absolvierte 254 Bundesligaspiele für Mönchengladbach, Duisburg, Dortmund, Frankfurt und Rostock. Von 1989 bis 1998 lief er für die Nationalmannschaft von Togo auf. Salou, heute 42, ist so etwas wie ein Volksheld in seinem Land und engagiert sich für verschiedene Bildungs- und Sportprojekte in Afrika. Autor und Ex-Fußballprofi Lutz Pfannenstiel, 39, begleitet den Afrika-Cup in Südafrika als Experte für die "BBC". Für den Bundesligisten Hoffenheim ist er als Scout unterwegs.

Im ersten Spiel gegen den Titelfavoriten Elfenbeinküste gab es für Togo eine unglückliche 1:2-Niederlage. War es das schon für Togo?

Bachirou Salou: "Nein. Ich denke, dass Togo noch alle Chancen hat, weit zu kommen, obwohl die Gruppe sehr stark ist. Es ist ja erst ein Spiel gespielt. Ich sage immer: Fußball ist wie ein Lottospiel, man kann nie wissen, was passiert."

Als nächstes trifft Togo auf Algerien, das das Auftaktspiel ebenfalls verlor. Was erwarten Sie von diesem Spiel?

Salou: "Es geht um alles oder nichts. Der Druck, der auf der Nationalmannschaft lastet, ist riesig. Zudem ist Algerien eine der stärksten afrikanischen Mannschaften. Natürlich hoffe ich, dass Togo gewinnt, aber es wird nicht einfach."

Didier Six war als Spieler ein großer Name in der Bundesliga, als Trainer ist er aber eher ein No-Name. Sind Sie überrascht, dass Togo einem international unerfahrenen Trainer das Vertrauen geschenkt hat?

Salou: "Nein, keineswegs. Da Didier Six ein großer Fußballer war, wird er das Team mit all seinen Erfahrungen bereichern. Ich hoffe, dass der togolesische Fußballverband ihm auch in ferner Zukunft das Vertrauen schenkt und die Chance gibt, das Team wieder auf Vordermann zu bringen."

Nach dem schrecklichen Maschinengewehr-Attentat beim Afrika-Cup 2010 in Angola auf den Mannschaftsbus, bei dem zwei Teammitglieder von Rebellen getötet wurden, kommt Togo wieder auf die internationale Fußballbühne zurück. Wie haben die Spieler diesen Albtraum verarbeitet?

Salou: "Niemand wird solch eine Sache jemals wieder vergessen. Wenn auf einen geschossen wird und man um sein Leben bangen muss, dann hinterlässt das Spuren. Von einigen Spielern weiß ich, dass sie sich nach diesem Attentat erstmal zurückgezogen haben, um dieses Ereignis zu verarbeiten. Es hätte schließlich jeden treffen können. Der Torwart Kodjovi Obilalé wurde verletzt und musste wegen der Schießerei sogar seine Karriere vorzeitig beenden."

Aufgrund des Angriffes gab Emmanuel Adebayor das Ende seiner Nationalmannschaftskarriere bekannt, er sorgte sich um seine Sicherheit. Jetzt steht er wieder im Kader von Togo. Das Ganze wurde zur Staatsangelegenheit.

Salou: "Ich finde es richtig, dass die Politik sich da einmischt, denn Emmanuel Adebayor ist für die junge Generation das Aushängeschild des togolesischen Fußballs. Jeder kennt ihn. Es wäre nicht unbedingt von Vorteil gewesen, wenn er bei diesem Turnier gefehlt hätte."

Wer ist eigentlich Ihr Favorit beim Afrika-Cup in diesem Jahr?

Salou: "Ghana  - eine gute Mannschaft, die die passende Einstellung mitbringt."

Im Jahr 2006 waren Sie bei der WM in Deutschland noch Teammanager von Togo. Werden Sie bald wieder beim Verband in einer Funktion auftauchen?

Salou: "Ich denke schon. Wenn die Chance besteht und Togo sich mal wieder für eine WM qualifiziert, dann werden sie bestimmt von mir hören (lacht)."

Schauen Sie immer noch viel afrikanischen Fußball oder hat man nach so vielen Jahren in Deutschland den Bezug verloren?

Salou: "Obwohl ich Deutschland als meine Heimat bezeichne, sollte ich niemals vergessen, wo der Weg des Fußballs für mich begonnen hat. Um mich daran zu erinnern, schaue ich gerne afrikanischen Fußball. Dabei interessiert mich am meisten, wie sich die einzelnen Teams im Laufe der Zeit entwickeln."

Wer ist besser? Drogba oder Adebayor?

Salou:  "Man kann die beiden nicht so ganz vergleichen, weil sie ganz unterschiedliche Spielertypen sind. Fantastisch sind sie aber beide. Ich bin mir sicher, dass Adebayor noch Unglaubliches in seiner Karriere vollbringen wird. Drogba hat ja schon so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt."

Was macht Sie bei Adebayor so sicher?

Salou: "Er hat auf jeden Fall das Potential. Schauen Sie doch mal, bei welchen Mannschaften er schon gespielt hat! Ich bin gut mit ihm befreundet und mich verblüfft immer wieder, wie sehr er sich reinhängt. Emmanuel gibt sich nicht mit einem einfachen Sieg zufrieden, er kämpft immer weiter. "

Wann gibt es den nächsten Togolesen in der Bundesliga?

Salou: "Den gibt es doch schon! Ich bin auch sehr stolz, dass er genau wie ich bei Borussia Mönchengladbach durchstartet. Sein Name lautet Peniel Mlapa, und er hat noch eine große Karriere vor sich. Immer wenn ich ihn sehe, muss ich an meine Anfangszeit bei den Fohlen denken."

Es gibt da eine legendäre Szene aus dem DFB-Pokalfinale 1998. Sie spielten mit Duisburg gegen die Bayern. Das Spiel ging zwar 1:2 verloren, aber sie waren der beste Mann auf dem Platz und trafen zum zwischenzeitlichen 1:0. Was denkt eigentlich Lothar Matthäus, wenn er den Namen Bachirou Salou hört?

Salou: "Dann denkt er bestimmt an einen Sprint, den wir hingelegt haben (lacht)."

Vor dem Schuss zum 1:0 nahmen Sie ihm über zehn Meter bestimmt drei ab.

Salou: "Stimmt. Matthäus wird meinen Namen so schnell nicht vergessen haben."

VIDEO: Highlights von der Partie Elfenbeinküste - Togo

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