Afrika-Cup - Keshi: "Habe nichts gegen weiße Trainer"

Ex-Profi-Torwart und Hoffenheim-Scout Lutz Pfannenstiel spricht als ausgewiesener Afrika-Experte mit Nigerias Nationaltrainer Stephen Keshi über das anstehende Halbfinale im Afrika-Cup gegen Mali (ab 16:00 Uhr im Liveticker bei eurosport.yahoo.de), seine persönliche Zukunft und ausländische Trainer in Afrika.

Das Interview führte Lutz Pfannenstiel

Wie ist die Stimmung im Camp Ihres Teams?

Stephen Keshi: "Alle Spieler freuen sich auf dieses wichtige Spiel. Stand momentan ist, dass der gesamte Kader zur Verfügung steht. Wir sind das erste Mal für einen längeren Zeitraum als Team zusammen. Mir gefällt, was ich sehe. Dieser junge Kader kann sich in eine sehr solide Gemeinschaft entwickeln, aber wir sind noch in der Aufbauphase. Viele Spieler spielen sogar noch in Vereinen in Nigeria. Geduld ist sehr wichtig."

Sie haben das System der "Super Eagles" von 4-4-2 auf 4-3-3 umgestellt. Ist das der entscheidende Erfolgsfaktor?

Keshi: "Es ist doch völlig egal wie man das System nennt. Wenn das Spiel beginnt, müssen alle Spieler ihre Aufgabe erfüllen. Während eines Spiels kann sich schnell etwas ändern. Für mich ist die Mannschaftsführung das Wichtigste."

Gegen die Elfenbeinküste waren sie der Außenseiter. Gegen Mali sind Sie nun plötzlich der große Favorit. Wie gehen Sie damit um?

Keshi: "Ich sehe uns nicht in der Favoritenrolle. Mali hat eine sehr gute Mannschaft mit großer internationaler Erfahrung. Ich war fast zwei Jahre Nationaltrainer Malis und habe mit 80% der jetzigen Spieler gearbeitet. Ich kenne die Mannschaft gut. Außerdem ist es ist mir egal, wer auf dem Papier Favorit ist. Ich denke von Spiel zu Spiel und darum werden wir genauso in die Partie gehen wie in den Vorrundenspielen und gegen die Elfenbeinküste. Wir haben bisher keine Mannschaft unterschätzt und sind immer mit Respekt vor unserem Gegner ins Spiel gegangen. Glauben sie mir, wir sind voll konzentriert und motiviert."

Mit welchem Gefühl gehen Sie in dieses wichtige Spiel gegen Ihr ehemaliges Team?

Keshi: "Ich hatte zwei tolle Jahre in Mali und fühlte mich dort sehr wohl, aber jetzt trainiere ich Nigeria und sehe das sehr professionell. Freundschaften gibt es während der 90 Minuten nicht. Wir sind hier um Spiele zu gewinnen."

Alle reden über Nigeria, verdient Mali nicht etwas mehr Respekt, nachdem man die letzten Jahre sehr konstant gespielt hat?

Keshi: "Ich weiß nicht woher das kommt und kann nur sagen, dass wir sehr großen Respekt haben. Mali ist ein Fußballland mit herausragenden Talenten und hat sich den Einzug ins Halbfinale verdient. Wir werden hier in eine Favoritenrolle geredet."

Sie kritisieren oft, dass zu viele ausländische Trainer in Afrika arbeiten. Dieses Jahr könnten zwei einheimische Trainer im Finale stehen…

Keshi: "Ich habe nichts gegen weiße Trainer und ich habe als Spieler lange Zeit unter weißen Trainern gearbeitet. Ich kann mit Sicherheit von einem erfahrenen ausländischen Trainer noch viel lernen. Aber ich will darauf hinweisen, dass es inzwischen auch gute junge afrikanische Trainer gibt."

In Mali gibt es momentan große politische Probleme. Haben Sie etwas Angst vor den sehr großen, körperlich starken Maliern, wenn sie dadurch zusätzlich motiviert sind?

Keshi: "Der Krieg und die politische Situation machen mich sehr traurig. Sicher entwickeln die Spieler noch mehr Kräfte um für ihr Land Erfolg zu haben. Man will den Menschen zuhause etwas zurückzahlen."

In Nigeria wurden sie vor dem Turnier heftig kritisiert als es um den Kader ging. Werden sie nach dem Afrika Cup noch Trainer Nigerias sein?

Keshi: "Mir ist es egal, was die Leute denken. Du kannst niemanden dazu zwingen, dich zu mögen. Natürlich würde ich gerne Trainer bleiben, aber falls nicht, dann ist es halt so. Ich bin Trainer. Wenn ich nicht die Nationalelf trainiere, dann eben ein anderes Team. Aber mein Herz hängt an Nigeria. Ich war 14 Jahre Kapitän der "Super Eagles", danach Co-Trainer, jetzt Cheftrainer und ich möchte noch viel mit den Jungs erreichen."

VIDEO: Überraschungen des Afrika-Cups

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