Afrika-Cup - Dundee: "Die WM 2010 hat nicht viel gebracht"

Sean Dundee ist ein Kenner des südafrikanischen Fußballs. Der ehemalige Profi des Karlsruher SC betreibt in Durban seine eigene Fußballschule, in der er junge Afrikaner für eine Karriere in Europa vorbereiten will. Im Exklusiv-Interview für eurosport.yahoo.de spricht der in Südafrika geborene Deutsche über die Nachwuchsarbeit in Südafrika, die Entwicklung seit der WM 2010 und den Afrika-Cup.

Das Interview führte Lutz Pfannenstiel

Sean Dundee, fühlen Sie sich mehr als Deutscher oder als Südafrikaner?

Sean Dundee: Auf jeden Fall mehr als Deutscher. Ich habe viel gelernt in Deutschland und vermisse es sehr. Dort habe ich die schönste Zeit meines Lebens erlebt und werde später sicher zurückkommen.

Die WM 2010 in Südafrika war ein großer Erfolg. Wie haben Sie dieses Turnier erlebt?

Dundee: Das war unglaublich. Ich habe auch das Turnier 2006 in Deutschland erlebt. Die WM in Südafrika war sicher nicht so gut wie die in Deutschland, aber es war schön alle Südafrikaner als eins zu sehen.

Was hat sich seit der WM im Land geändert?

Dundee: Leider nicht so viel. Die Leute hier haben gehofft, dass der Fußball in Südafrika einen Schub kriegt, aber dem ist nicht so. Vor allem für den Nachwuchs ist es schwer, Fuß zu fassen. 

Ist die lokale Profiliga stärker geworden?

Dundee: Nein, finde ich gar nicht. Wegen der schlechten Nachwuchsarbeit sind auch keine guten Spieler in das System gekommen, so wie es in Deutschland gemacht wird.

Der Afrika-Cup ist das nächste Großereignis. Wird diese Veranstaltung überhaupt ernst genommen?

Dundee: Nicht wirklich, ich glaub das Interesse bleibt vor allem groß in Afrika und für die einen oder anderen Vereine in Europa. Hier in Südafrika ist es groß, weil es hier stattfindet, aber Premiership und Fußball in Europa ist immer noch viel wichtiger.

Südafrika hatte Probleme in der Vorbereitung, beim Turnier lief es durchschnittlich. Im Viertelfinale war gegen Mali im Elfmeterschießen Schluss. Wie beurteilen Sie die Leistung?

Dundee: Wenn ich die letzten vier Jahre anschaue, war das das erste Mal, dass es etwas Positives zu sagen gibt. Gordon hat nicht viel Zeit gehabt und gleichzeitig sind wichtige Spieler zurückgetreten wie beispielsweise Steven Pienaar. Die Hoffnung ist jedoch groß, dass es jetzt besser wird.

Trainer Gordon Igesund brachte Sie einst nach Deutschland. Jetzt trainiert er die Nationalmannschaft. Warum ist er der richtige Mann für den Job?

Dundee: Er hat nicht nur die Erfahrung und kennt die meisten Spieler hier in Südafrika, sondern er hat viel Erfolg gehabt, auch mit dem ein oder anderen kleinen Verein. Er hat es immer geschafft Spieler zusammenzubringen und eine gute Mannschaft zu bauen mit eher durchschnittlichen Spielern. Ich bin sicher: Wenn er Zeit kriegt, wird er Erfolg haben.

Ende der 90er Jahre waren viele Südafrikaner Profis in Europa, die Nationalmannschaft war stark. Warum produziert man hier keine Phil Masingas, Mark Fishs, Lukas Radebes oder Sean Dundees mehr?

Dundee: Die Nachwuchsarbeit im Fußball ist das größte Problem. Südafrika macht viel im Rugby und Cricket - und das sind hauptsächlich die lokalen Vereine. Dazu kommt, dass viele Eltern die Zukunft ihrer Kinder nicht im Fußball sehen.

Fußball gilt als Sport der schwarzen Bevölkerung und man sieht nur wenige weiße Spieler in der Liga. Woran liegt das?

Dundee: Als junger Sportler will man immer das Beste. Im Rugby ist Südafrika die Nummer zwei der Welt, im Cricket die Eins oder Zwei. In den Schulen ist Rugby/Cricket sehr groß, Fußball wird zwar auch gespielt, aber nicht mit so einem Interesse.

Schlägt ihr Herz eigentlich immer noch für den KSC? Dundee: Ja. Ich versuche, alle Spiele zu verfolgen und hoffe in der nächsten Zeit, ein paar große Talente da hinzubringen. Und irgendwann werde ich sicher wieder zurückgehen. 

Sie haben viele Tatoos. In Fußballerkreisen ist es inzwischen ein weit verbreiteteres Phänomen. Wie viele haben Sie?

Dundee: Neun. Meine sind aus meinen Zeiten, wo ich gespielt hab: Liverpool, Stuttgart, Karlsruhe... Und eins hab ich hier in Durban machen lassen, weil ich Durban fast so liebe wie Karlsruhe.

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