2. Bundesliga - Berlin schenkt Braunschweig die Herbstmeisterschaft

Trotz einer ansprechenden Leistung gegen den 1. FC Köln kommt das Luhukay-Team über ein 1:1 (1:1) nicht hinaus und macht Eintracht Braunschweig zum vorzeitigen Herbstmeister. Vor allem die fehlende Konsequenz im Torabschluss stößt dem Hertha-Coach sauer auf. McKenna sorgte in der 34. Minute für die Kölner Führung, die Ronny nach einem sehenswerten Treffer nur zehn Minuten später egalisierte.

Die Lehren:

Die Hertha bleibt nach dem Spiel gegen Köln auch im 14. Spiel in Folge ungeschlagen. Dennoch hielt sich die Freude im Hausherren-Lager nach der Punkteteilung in Grenzen. Verfolgt man den Spielverlauf ist dies durchaus verständlich. Die Berliner agierten von Beginn an druckvoll und ließen hinten eigentlich keine Torchancen zu. Eigentlich - bis in der 34. Minute wie aus dem Nichts Kevin McKenna zuschlug und die Gäste mit dem ersten eigenen Torschuss in Führung köpfte.

Der Ausgleich kam aus Berliner Sicht vor der Halbzeit dann gerade noch recht. Dass es auch in den verbleibenden 45 Minuten nicht mehr zum Siegtreffer reichte, war der fehlenden letzten Entschlossenheit zu verdanken. Unter dem Strich müssen Luhukay und Co. konstatieren, dass Heimspiele kein Selbstläufer sind und die letzte Chance auf die Herbstmeisterschaft leichtfertig vergeben wurde.

Anders gestalte sich die Gefühlslage auf der Kölner Seite. Hier war man sich wohl bewusst, dass der Punktgewinn in Berlin ein äußerst glücklicher war. Zwar konnten die Domstädter ab der 70. Minute noch einmal etwas zulegen, dies war aber auch dem Umstand geschuldet, dass die vorangegangene Spielzeit eher dürftig abgespult worden war. Für Holger Stanislawski ist es dennoch ein weiterer Schritt aus dem Tabellenmittelfeld, denn einen Punkt in Berlin müssen die übrigen Konkurrenten zuerst einmal holen. Desweiteren funktioniert Stanislawskis System, das 4-2-3-1, dass er seit drei Spielen mit fast gleicher Besetzung spielen lässt. Sollte der verletzte Thomas Bröker wieder zurückkehren und Adil Chihi zur Normalform zurückfinden, dürfte dies Hoffnung für das Aufeinandertreffen mit dem FC Ingolstadt am letzten Spieltag vor der Winterpause machen.

Die Stimmen:

Jos Luhukay (Hertha BSC, Trainer): "Uns hat heute die letzte Genauigkeit gefehlt. Der entscheidende Pass war zu oft nicht da. Köln hat gut verteidigt, aber Chancen wie sie zum Beispiel Ben Sahar hatte darfst du eigentlich nicht vergeben. Auch in der ersten Hälfte hätte er querlegen müssen, statt zu schießen. Das wäre die Führung und sicherlich auch mehr Ruhe gewesen. Dennoch bin ich nicht unzufrieden, schließlich haben wir nicht verloren."

Holger Stanislawski (1. FC Köln, Trainer): "Wir hatten uns heute Abend schlichtweg nicht mehr verdient. Hertha hatte deutlich mehr Chancen und die größeren Spielanteile. Deshalb kann ich mit dem 1:1 mehr als gut leben. Beim Tor und auch anderen Situationen war wir zu passiv. Da ist uns das Herz in die Hose gerutscht. Den Punkt haben wir uns deshalb einfach mal glücklich geklaut. Das haben sich die Jungs aber auch verdient. Wir sind ein richtig kompakter Haufen, mit dem es Spaß macht zu arbeiten."

Die Höhepunkte:

29. Riesenchance für die Hertha: Ramos wird von Ronny auf der linken Seite per Steckpass herrlich freigespielt und bringt den Ball nach innen, wo Sahar direkt mit dem linken Fuß abschließt. Einzig der rechte Pfosten verhindert die Berliner Führung.

34. TOOOR für Köln! Nach dem eigentlich verunglückten Freistoß von Chihi bringt Jajalo den Ball mit einer Flanke zurück an den Fünfmeterraum. Da steht McKenna erneut goldrichtig und nickt zum 1:0 ein. Ndjeng fälscht unhaltbar für Kraft ab.

39. Ujah hat in der Mitte freie Bahn zum Tor. Anstatt weiter zu laufen, entschließt sich der Stürmer aber dafür aus 25 Meter zu schießen. Kraft hat mit dem Schlenzer keine Probleme. Davor tunnelt Chihi Ndjeng, geht vorbei und mimt dann den sterbenden Schwan. Dafür sieht er von Schiedsrichter Welz Gelb.

42. Die Hertha versucht sofort die passende Antwort auf die Führung zu geben, aber Sahar bleibt mit seiner Flanke am ersten Pfosten hängen. Wenig später lässt Allagui Hector aussteigen, trifft mit seinem strammen Schuss aber nur den Oberkörper von Horn.

44. TOOOR für Berlin! Ronny vernascht an der Strafraumkante drei, vier Kölner und trifft mit einem satten Flachschuss unten rechts zum 1:1. Horn hat da keine Abwehrchance. Ganz im Gegenteil zur Hintermannschaft. Die Kölner sahen da aus wie Slalomstangen.

52.Riesenchance für Sahar. Zunächst steht Clemens beim Einwurf auf den Berliner zu weit weg, dann geht Jajalo nur halbherzig in den Zweikampf und Maroh kommt zu spät. Torhüter Horn macht aber alles richtig und den spitzen Winkel geschickt zu. Es bleibt beim 1:1.

80. Riesenchance für den FC! Plötzlich taucht Brecko nach einem Pass von Chihi alleine vor Kraft auf. Der Kapitän bringt den Ball am Keeper aber nicht vorbei. Das hätte das 1:2 sein müssen.

89. Mukhtar setzt sich auf der linken Außenbahn durch und chippt den Ball nach innen auf Hubnik. Der steht eigentlich ganz alleine, trifft aber dennoch das Tor nicht. Als gelernter Innenverteidiger auch nicht seine Hauptaufgabe.

Der Kracher: Kevin McKenna

Der 32-jährige Abwehrspieler traf gegen Berlin im dritten Spiel hintereinander. Unfassbar, wenn man bedenkt, dass McKenna davor in 118 Spielen ganze sechsmal für die Kölner traf. Er selbst kann sich seinen Torhunger im Übrigen nicht erklären und schiebt die Verantwortung ab: "Ich weiß nicht was los ist. Vielleicht hat mir meine Frau was ins Essen getan, dass es so gut läuft", sagte der Kanadier nach dem Spiel süffisant.

Im Abseits: Verlust von 5,9 Millionen Euro

Spätestens in Zeiten von Financial Fairplay sind Jahresbilanzen wie die kürzlich veröffentlichte Hertha-Bilanz ein Unding. Nicht zuletzt dann, wenn man ohnehin auf einem Schuldenberg von gut 34,7 Millionen Euro sitzt. Nach dem neuerlichen Verlust von 5,9 Millionen beläuft sich dieser nun mittlerweile auf rund 42 Millionen Euro. Manager Michael Preetz sollte sich schleunigst einen Weg aus der finanziellen Krise einfallen lassen. Ein Verkauf von Ramos (Erlös rund 5-6 Millionen Euro) könnte dabei ein Anfang, aber auf keinen Fall die Lösung sein.

Die Statistik: 14

So schlecht wie es finanziell läuft, so gut sind die Berliner sportlich. Seit 14 Spielen ist die Hertha ungeschlagen. Dass diese tolle Bilanz dennoch nicht zur Tabellenführung reicht, ist einzig der Stärke von Eintracht Braunschweig geschuldet. Angesichts der finanziellen Schieflage. Ist der Aufstieg allerdings auch fast Pflicht.

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