1. Bundesliga - Normalität Niederlage: Neue Töne aus Kiel

Nordderby verloren, Tabellenführung futsch - und doch schienen die Verantwortlichen des THW Kiel erleichtert. Als wäre die Last, stets die Übermannschaft zu sein, pünktlich zum Jahresende abgefallen. Trainer Alfred Gislason freute sich nach der 29:35 (14:19)-Pleite bei der SG Flensburg-Handewitt mehr denn je auf den Saisonendspurt. "Die Rückserie wird nun richtig interessant", so Gislason.

THW-Geschäftsführer Klaus Elwardt sprach von "tollem Handballsport", den die 6300 Zuschauer in der Flensburger Campushalle gesehen haben.

Ganz neue Töne vom Rekordmeister, der die vergangenen Saison ohne Verlustpunkt abgeschlossen hatte und trotz aller Dominanz in Meisterschaft, Pokal und Champions League bis zum letzten Spieltag hungrig geblieben war.

"Flensburg klar besser"

Die Reaktionen nach der ersten Derby-Schlappe nach 14 Siegen in Serie waren jedoch auch Indiz dafür, dass der THW nach dem Triple im Sommer nicht abgehoben ist. Eine Niederlage beim Tabellendritten sei doch "das normalste der Welt", sagte Gislason. Als Sportler müsse man auch die Leistung der anderen anerkennen können, ergänzte Ex-Welthandballer Filip Jicha: Außerdem "war Flensburg klar besser und hat verdient gewonnen".

Klar besser als der THW war lange kein Gegner mehr in der Bundesliga. Seit 19 Monaten hatte der Tabellenzweite nicht mehr mit sechs Toren Unterschied verloren, gegen Flensburg sah es sogar zwischenzeitlich so aus, als falle das Debakel noch höher aus. Beim Stand von 23:32 fühlten sich die Kieler jedoch an der Ehre gepackt und verhinderten eine Niederlage mit mehr als zehn Toren Rückstand. Spitzenreiter in den kommenden Wochen der WM-Pause dennoch die Rhein-Neckar Löwen mit zwei Pluspunkten mehr auf dem Konto.

Flensburgs Trainer Ljubomir Vranjes wollte trotz der Gala seiner Mannschaft den Angriff auf das Spitzenduo nicht ausrufen: "In den letzten Jahren haben wir einen Schritt auf den THW zu gemacht, aber das Niveau wie Kiel haben wir noch nicht."

Glandorf setzt Glanzpunkte

Das gilt allerdings derzeit nicht für Holger Glandorf. Der Linkshänder spielte wieder einmal überragend und erzielte neun Treffer, bevor er sich in die sechswöchige Bundesliga-Pause verabschiedete. In dieser Topform wäre Glandorf eine Art Heilsbringer für die deutsche Nationalmannschaft, die bei der WM in Spanien (11. bis 27. August) um ihren Ruf fürchtet. Der 29-Jährige hat Bundestrainer Martin Heuberger jedoch bereits abgesagt.

Die Doppelbelastung sei zu hoch. Glandorf hatte in den vergangenen Jahren oft mit Verletzungen an der Achillessehne zu kämpfen und will die Zeit nun nutzen, um sich auf den Saisonendspurt vorzubereiten. In der entscheidenden Phase des Spieljahres ist Flensburg außer in der Bundesliga auch noch im Pokal und der Champions League vertreten.

VIDEO - Ein "unmögliches" Tor

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